Adesanya ist mit Spaß dabei

Wenn die Flugdauer eine zweistellige Stundenzahl erreicht, kann das selbst erfahrene Kämpfer mit Nerven wie Drahtseilen beeinträchtigen. Aber nachdem Israel Adesanya die weite Anreise von Neuseeland nach Las Vegas, wo er Freitagnacht gegen Brad Tavares antritt, hinter sich gebracht hatte, war er so cool wie immer.

„Das ist doch kein Ding“, sagte er über seine 14-stündige Anreise. „Ich bin von Neuseeland nach San Francisco geflogen, habe 80 Prozent der Zeit geschlafen, dann ging es weiter nach Las Vegas. Das habe ich schon ein paar Mal hinter mir, mein Körper hat sich daran gewöhnt.“

Als Kickboxer kämpfte Adesanya unter anderem in Los Angeles und Colorado, er weiß also, wie lange und anstrengend ein Flug von Neuseeland in die USA sein kann. Damals stand er nie in einem Hauptkampf, diese Erfahrung fehlt ihm – und trotzdem lässt ihn jetzt auch das Rampenlicht kalt.

„Ich kämpfe zum ersten Mal in Las Vegas, direkt im Hauptkampf, aber es ist egal, ob es der erste Kampf ist, der letzte Kampf, ob ich in meinem Garten kämpfe oder auf dem Mars – es ist immer nur ein Kampf“, sagte Adesanya.

Der Flug zum Mars könnte „The Last Stylebender“ vielleicht etwas mehr zusetzen.

„Der würde wohl eine Weile dauern“, sagte er mit einem Lachen. „Daran bin ich nicht gewöhnt.“

Seine Ruhe ist ungewöhnlich, aber das liegt daran, dass Adesanya ein ungewöhnlicher Kämpfer ist. Derzeit ist er in 13 Profikämpfen ungeschlagen, seine ersten zwölf Duelle gewann er durch (technischen) Knockout. Der Hype war groß, als der 28 Jahre alte Neuseeländer im Octagon debütierte. Diesen Februar bezwang er Rob Wilkinson vorzeitig und bekam dafür einen Bonus. Nicht nur mit seiner sportlichen Leistung, auch mit seinen flotten Sprüchen und seiner Ehrlichkeit überzeugte er die Fans und Medien von sich. Dass es im April gegen den Italiener Marvin Vettori nur zu einem geteilten Punktsieg reichte, änderte nichts an dem Hype.

Genau so, wie er sich das vorgestellt hatte.

„Es läuft alles nach Plan und die Dinge entwickeln sich so, wie sie sich entwickeln sollen“, sagte Adesanya. „So wie die Menschen mich jetzt betrachten, betrachte ich mich schon seit vielen Jahren. Ich bekam diese Art von Aufmerksamkeit jedoch erst, als ich in der UFC ein Zeichen setzte. Die Menschen sind etwas spät dran, aber sie holen auf. Ich habe all das erwartet und mich darauf vorbereitet, für mich ist das also nichts Neues, es ist nur ein Job.“

Ein Job, der zu ihm passt wie kein anderer. Als Profi-Kickboxer erkämpfte er sich eine Bilanz von 75-4 mit 29 Knockouts, parallel verdiente er sich bei kleineren MMA-Veranstaltungen seine Sporen. Er hatte große Pläne und Ziele, wurde aber nicht immer für voll genommen. Das frustrierte ihn, aber jetzt, wo er in der UFC ist, kann er sie alle umsetzen und erreichen.

„Ich habe mir einfach die nötige Zeit genommen und dem Prozess vertraut“, sagte Adesanya. „Ich bin nicht voreilig in die UFC gewechselt, denn ich wollte hierherkommen und sofort gegen die Besten kämpfen. Ich wollte nicht hierherkommen und gegen Fallobst kämpfen. Ich wollte für die Top 10, die Top 5 bereit sein. Also habe ich mir die nötige Zeit genommen, viele Erfahrungen gesammelt und jetzt bin ich hier und werde es allen zeigen.“

Adesanya hat bereits gezeigt, dass er ein kreativer Standkämpfer ist, der hart daran arbeitet, seine Fähigkeiten im Ringen und Bodenkampf auf den Stand seiner Fähigkeiten im Kickboxen zu bringen. Brad Tavares wird ihn Freitagnacht vor die größte Herausforderung seiner Karriere stellen, viele sehen in dem Hawaiianer den Favoriten. Aber das macht Adesanya nichts aus, denn was andere über ihn sagen – gut oder schlecht – interessiert ihn ohnehin nicht.

„Dem schenke ich keine Beachtung“, sagte er. „Ich lese keine Kommentare mehr im Internet. Irgendwann, ich glaube, das war im letzten Jahr, da habe ich zu mir gesagt: Eines Tages wird es soweit kommen, dass du nicht mehr auf Kommentare und Nachrichten antwortest. Das ist nun eingetroffen. Ich ziehe mein Ding durch und konzentriere mich nicht auf das, was andere sagen, egal ob es positiv oder negativ ist. Sollen sie doch alle sagen, was sie wollen. Ich achte nicht mehr darauf.“

Das ist nicht leicht, schließlich wird mit jedem Kampf mehr und mehr über ihn gesprochen. Aber er hat eine Lösung gefunden.

„Atmen“, sagte Adesanya. „Manchmal vergessen die Menschen, zu atmen und sich zu entspannen. Man darf sich nicht von äußeren Umständen überwältigen lassen. Der Hype um meine Person lässt mich kalt, weil ich das schon immer so erwartet habe. Ich fühle mich, als hätte ich das alles schon einmal erlebt.“

Damals hat er gekämpft, als ihm fast niemand zusah. Heute sieht ihm die ganze Welt dabei zu. Für ihn macht das jedoch keinen Unterschied.

„Der Kampf in der Nacht zum Samstag ist nur eine weitere Seite in meinem Buch“, sagte Adesanya. „Sobald ich damit fertig bin, kommt eine neue Seite dran.“

Klingt nach einem verdammt umfangreichen Buch.

„Glaubt mir, ich will nicht lange dabei sein, aber solange ich dabei bin, will ich Spaß haben“, sagte er mit einem Lachen. „Freitagnacht werde ich definitiv Spaß haben.“

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Samstag, September 22
10:30PM/7:30PM
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