Ferguson hat sich nie so gut gefühlt

Hätte vor sieben Monaten jemand vorhergesagt, dass die MMA-Gemeinde sich im Oktober auf einen Kampf mit Beteiligung Khabib Nurmagomedovs freuen würde, dann wäre es nicht allzu abseitig gewesen, von einem Rückkampf zwischen Nurmagomedov und Tony Ferguson auszugehen, die bei UFC 223 hätten aufeinandertreffen sollen. Dieses Duell allerdings fand nicht statt – mal wieder nicht. Dieses Mal funkte eine Knieverletzung Fergusons nur eine Woche vor dem Kampfabend dazwischen: Ferguson riss sich das Außenband im Knie, musste operiert werden, und statt gegen Nurmagomedov seinen Titel zu verteidigen, muss er sich nun am 6. Oktober im Co-Hauptkampf von UFC 229 Anthony Pettis stellen.

Dass Ferguson sechs Monate nach seiner Verletzung überhaupt kämpft, ist eine Leistung in sich. Immerhin hatten ihm die Ärzte gesagt, es könnte bis zu einem Jahr dauern, bis er zurück ins Octagon kann, aber hier steht er, in Las Vegas, und ist bereit, als Teil des größten UFC-Events des Jahres in den Käfig zu steigen. Die meisten Menschen würden sich nach einer so schwerwiegenden Verletzung wie der seinen Sorgen um ihre Karrieren machen. Ferguson sollte man nicht zu diesen Menschen zählen. Stattdessen hat er so einiges in seinem Leben geändert, um so schnell wie möglich wieder in Form zu kommen. Unter anderem hat er seit Februar keinen Alkohol mehr getrunken, seine Fitness verbessert – und angefangen zu gärtnern.

„Alles scheint einfach wirklich, wirklich gut zu laufen“, so Ferguson. „Ich sage ungern, dass Rückschläge einen nach vorne katapultieren, aber in diesem Fall: Verdammt nochmal, ja, genauso war es.“

Sollte Ferguson am 6. Oktober einen Sieg holen, wird er aller Voraussicht nach versuchen, als Nächstes denjenigen vor die Fäuste zu kriegen, der direkt im Anschluss an seinen Sieg den Hauptkampf von UFC 229 gewinnt – Nurmagomedov oder Conor McGregor. Die beiden kämpfen um einen Gürtel, von dem Ex-Interims-Champion Ferguson denkt, dass er selbst ihn tragen sollte.

„Es gibt so viele Menschen, die mir auf die eine oder andere Weise Steine in den Weg legen, mich kleinreden“, so Ferguson. „Mein Gürtel wurde mir abgenommen, und zwar ohne Grund. Ich hatte mir diesen Gürtel verdient. Keine Ahnung, wie viele Stunden und Minuten auf der Matte ich investiert hab, um mich für das hier alles vorzubereiten (…).”

UFC: Wir haben uns all deine Videos auf Twitter und Co. angeschaut, dein ganzes Training – wie fühlst du dich?
 
Tony Ferguson: Wie sah ich aus?

UFC: Ziemlich beeindruckend.

TF: Ich fühle mich ziemlich gut, man. Ziemlich gut.

UFC: Gab es in den letzten Monaten jemals einen Zeitpunkt, an dem du nicht mehr daran geglaubt hast, jemals vollständig zurück zu deiner Form zu finden?

TF: Nein, aber ich glaube, dass alle anderen sich ziemliche Sorgen gemacht haben, was sehr nett war. Ich hatte jede Menge Unterstützung während dieses ganzen Fiaskos; so nennt man das wahrscheinlich. Verletzungen passieren halt. Du kannst dir wehtun und du kannst dich verletzen. Das ist ein Unterschied, den ich gelernt habe. Wenn du dir wehgetan hast, dann wischst du dir den Staub von der Schulter und machst weiter. Aber wenn du verletzt bist, musst du verdammt nochmal etwas ändern. Und das habe ich getan. Ich habe mein komplettes Leben umgekrempelt. Ich habe seit Februar nicht mehr getrunken. Ich habe komplett aufgehört. Alles in meinem Leben ist grün geworden. Ich habe einen Garten angelegt. Meiner Familie geht es blendend. Was mein Kämpferleben angeht – mein Sixpack ist jetzt noch etwas ausgeprägter als vorher.

UFC: Wo nimmst du deine Trainingspläne her?

TF: Ich betreibe seit mittlerweile fast 30 Jahren sportliche Wettkämpfe. Gewicht koche ich fast genauso lange ab. Ich habe Baseball gespielt, Football gespielt, ich habe gerungen. Ich sage es seit Langem: Ich werde von einigen der besten Trainer der Welt gecoacht. Du kannst nur eine bestimmte Zeit lang wettkampfmäßig Sport treiben, bevor du dir andere Trainingsformen suchen musst, um Spaß zu haben und nicht zu stagnieren. Ich will in keiner Trainingsdisziplin Plateaus erreichen. Ich nenne (meine Trainingsformen) „Cucuy’s Cold Cool Down“, das sind Trainingsarten, die ich einfach aus Spaß mache, und sie alle haben verschiedene Zwecke. Ich meine, klar, das sieht vielleicht manchmal verdammt merkwürdig aus, was ich da mache, aber für mich hat das alles einen bestimmten Zweck. Ich muss das niemandem erklären können, aber jeder, der irgendwie sein Hirn benutzt, der sieht, was ich da mache. Selbst, wenn ich einfach nur einen Reifen umherwerfe. Schau dir mein Knie an. Ich fühle mich verdammt gut, man. Ich fühle mich gut bei dem, was ich mache, und ich werde nicht aufhören.

UFC: Denkst du, dass deine ungewöhnlichen Trainingsformen dir einen Vorteil gegenüber Kämpfern verschaffen, die das nicht so machen?

TF: Absolut. Ich hatte vier oder fünf verschiedene Fitnesstrainer, und jeder von ihnen hat gesagt: ‚Du bist selbst ein Top-Trainer.‘ Und das muss ich glauben. Ich meine, wir bewegen uns hier auf höchstem Niveau, sportlich gesehen, deswegen muss ich für mich ständig neue Trainingsformen entwickeln. Ich kann das nicht einfach jemand anderem anvertrauen, denn wenn ich das tue, dann entwickle ich mich nicht mehr weiter. Deswegen muss ich dafür sorgen, dass es abwechslungsreich bleibt, dass der Spaß nicht auf der Strecke bleibt, dass es ein bisschen verrückt bleibt, und genau das tue ich. Ich schmeiße gute Musik an. Jeder sagt mir ‚Hey, mach daraus eine Spotify-Playlist’, aber dann würden die Leute nur versuchen, meinen Stil zu kopieren. Und ich sehe eine Menge Leute, die versuchen, meinen Stil zu kopieren, und niemand erinnert daran, dass er das von mir hat, und das kotzt mich wirklich ziemlich an. Deswegen musste ich ein paar Leuten klarmachen, wo ihr Platz ist. Warum zur Hölle sind die Leute so? Die sagen, ich wäre merkwürdig, sie würden sich für mich fremdschämen, aber gleichzeitig wollen sie mein Training und meinen Stil nachmachen? Das ist, was meiner Meinung nach merkwürdig ist, von daher, ja, ich trage drinnen eine Sonnenbrille, ich mache mein Ding, aber das bin ich. Ich werde mich für niemanden ändern.

UFC: Ein Spruch, den du dir in letzter Zeit zu Eigen gemacht hast, lautet „Champ S**t Only“. Was bedeutet das für dich, und warum musst du die Leute deiner Ansicht nach ständig daran erinnern?

TF: Champ S**t Only ist ein Spruch, den ich gerne nutze. Er steht dafür, den eigenen Standard über dem Durchschnitt anzusetzen. Wenn du Weltmeister sein willst, brauchst du die Einstellung eines Weltmeisters. Du musst deinen Sieg visualisieren, du musst dir genau vorstellen, was dazu nötig ist, an diesen Punkt zu kommen. Wie wird es riechen? Wie wird diese Szene aussehen? Wie wird es sich anfühlen? Bekommst du eine Gänsehaut? Wie wirst du mit dieser Situation umgehen, wenn du zum Käfig läufst? Wenn du deine Einlaufmusik hörst. Wenn sie die schwarzen Vorhänge zurückziehen und du die volle Arena siehst, mit den Leuten, die mit deiner Musik mitwippen, weil sie wissen, dass es deine verdammte Musik ist. Sie wissen, zu wem dieses Zeug gehört. Ich habe meine Einlaufmusik nie geändert. Ich habe sie ein Mal geändert und dann verloren. Deswegen habe ich mein Lied all die Zeit über beibehalten, und jedes Mal, wenn sie mich fragen, welche Musik ich will, antworte ich nur: Mädels, Jungs, ihr wisst ganz genau, was Sache ist.

UFC: Wie hast du den kommenden Samstag visualisiert?

TF: Anthony ist ein Gegner, der immer für einen guten Kampf zu haben ist. Wir sind tatsächlich zur gleichen Zeit in die UFC gekommen. Das war recht witzig, meine Frau hat mich daran erinnert, dass wir unser Debüt zur gleichen Zeit gegeben haben. Deswegen hat er S*****e gelabert, als er neulich gesagt hat, ich wäre noch auf dem Weg an die Spitze. Denn an dem Abend, als ich „The Ultimate Fighter“ gewonnen habe, war er der Hauptkampf. Er hat gute Kicks, gute Kombinationen, aber seine Zeit ist vorbei. Ich habe ihn Aufgeben sehen. Der Typ gibt auf. Ich sehe das in seinem Herzen, ich sehe es in seinen Augen. Ich sehe es überall: Wenn er einstecken muss, will er nicht mehr. Das war genauso, als ich gegen Edson Barboza gekämpft habe. Ich habe den besten Edson Barboza vor mir gehabt, der er sein konnte. Es konnte zwischen uns nur einen geben. Khabib hat dann später einen gebrochenen Edson Barboza besiegt, der übrigens jemand ist, der einiges mehr an Achtung verdient, denn der Typ ist ein laufendes Highlight-Video. Anthony Pettis war einmal das laufende Highlight-Video schlechthin. Aber das Schlüsselwort hier lautet: war. Ich bin der Champion. Ich bin immer noch der verdammte Champion. Ich habe zehn Kämpfe in Folge gewonnen und jede Menge davon vorzeitig. Erst habe ich sie alle ausgeknockt, und als mir das zu langweilig wurde, habe ich angefangen, sie alle am Boden zu besiegen. Jetzt will ich zurück zu meinen Wurzeln und diese Penner ausknocken.

UFC: Wie balancierst du die Notwendigkeit zum Erholen nach einer solchen Verletzung mit der Notwendigkeit aus, mental die fokussierte Einstellung eines Kämpfers zu behalten?

TF: *Nimmt die Sonnenbrille ab* Das befeuert mich alles nur, Bruder… Als wir vor einem Jahr hier waren, sind einige Dinge passiert, mit denen wir umgehen mussten und trotz denen wir weitermachen mussten. Deswegen ist es jetzt leicht für mich, weil ich weiß, dass auf der Welt schlimmere Dinge passieren; dass es schlimmer kommen kann, als 24 Stunden am Tag in einem Gym sein zu müssen, schlimmer, als in kleinen Schritten nach vorne zu marschieren, als auf meine Ärzte hören zu müssen. Das witzige daran ist: Ich bin nach dieser letzten Verletzung nicht ein Mal zur Physiotherapie gegangen. Nicht ein einziges Mal. Ich hatte so viele Operationen in meinem Leben, dass ich gelernt habe, wie ich mich selbst heile. Gutes Essen, guter Schlaf, gute Trainingspläne. Sicherstellen, dass ich meine Vitamine nehme und auf meinen Arzt höre. Ab und zu einen Härtetest einschieben, um zu wissen, wo ich etwas anpassen muss. Im Kopf und im Herzen okay sein. Viele dieser Jungs haben es nicht hier oben (im Kopf). Sie haben es auch nicht hier (im Herzen). Old School Bert sagte immer: Wenn du es nicht im Herzen trägst, musst du es im Kopf haben. Tja, Leute, ich habe beides. Ich habe beides, ich bin trainierbar für meine Coaches, und, wie ich schon gesagt habe, ich bleibe in Kontakt mit meinen Ärzten. Einer der Typen, die ich kennengelernt habe, sollte mein Physiotherapeut sein. Ich bin zu ihm, und seine Art hat mir überhaupt nicht gepasst. Er hat mir auf eine Art die Hand geschüttelt, die mir suspekt war. Das hat bei mir ein paar Prioritäten geradegerückt. Zu genau solchen Dingen musste ich in der Lage sein, und ich habe mir gesagt, dass ich die Herausforderung annehme… Ich habe meinen Gürtel und meine TUF-Trophäe. Und diese beiden Trophäen symbolisieren meine größten Siege, abgesehen von meinem Sohn. Mein Sohn ist mein größter Triumph, und wenn jemand versucht, uns das Essen vom Tisch zu stehlen, dann werde ich alles tun, um es zurückzubekommen. Und das ist exakt das, was ich in der Vorbereitung auf diesen Kampf getan habe.“

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