Allen will Mode-Tipps von Amirkhani

<a href='../fighter/arnold-allen'>Arnold Allen</a> prepares for his Fight Night London main card fight against <a href='../fighter/makwan-amirkhani'>Makwan Amirkhani</a>. Photo by Florian Sadler
Innerhalb des Octagons können Millisekunden über Sieg und Niederlage entscheiden. Aber auch außerhalb des Käfigs sind es manchmal nur wenige Minuten, die über den nächsten Karriereschritt eines Kämpfers bestimmen. So geschehen mit Arnold Allen, als er vor zwei Jahren mit einer Woche Vorbereitung als kurzfristiger Ersatz von der UFC unter Vertrag genommen wurde.

Hätte er seinen Flug nach Berlin verpasst, wäre sein Octagon-Debüt geplatzt – immerhin musste der junge Brite vor Ort während der Fight Week noch allerlei Organisatorisches abarbeiten. In letzter Minute erreichte Allen an jenem Dienstag vor der „UFC Fight Night“ in Berlin seinen Flieger und verschwendete keine Zeit, als er am Samstagabend im Käfig stand und den Stuttgarter Alan Omer in der dritten Runde zur Aufgabe zwang.

Sein UFC-Debüt folgte auf eine hektische 13-Monats-Spanne, in der Allen sechsmal gekämpft hatte. Das veranlasste den damals 21 Jahre alten Engländer dazu, im Octagon-Interview nach seinem Sieg zu fragen, warum die UFC so lange gebraucht hat, ihn zu holen.
Ironischerweise ist für ihn nun alles etwas langsamer geworden, seit er auf die große Bühne gesprintet ist: zwei Kämpfe in 22 Monaten anstatt sechs Kämpfe in 13 Monaten.

„Es ist sehr frustrierend, sehr frustrierend“, so Allen im Vorfeld seines dritten Octagon-Auftritts bei der „UFC Fight Night“ in London am 18. März. „Ich will aktiv sein. Ich würde dieses Jahr gerne mindestens drei Kämpfe machen, das ist der Plan. Aber ja, es ist sehr frustrierend, vor allem, wenn du es dir angewöhnt hast, deine Ziele aufzuschreiben.“
 
Das macht Allen seit Jahren. An der Spitze seiner Liste sind drei Ziele aufgeführt: einen Top-15-Gegner bekommen, im Hauptprogramm stehen und bei einem großen PPV-Event kämpfen. Als Allen vergangenes Jahr bei UFC 204 in Manchester als Eröffnungskampf des Hauptprogramms auf Top-Talent Mirsad Bektic angesetzt wurde, kam Weihnachten daher schon im Oktober für ihn. Zumindest, bis das perfekte Kartenhaus wieder in sich zusammenfiel.

„Es war alles, was ich mir gewünscht hatte“, so Allen. „Es war alles in einem. Ich habe mir also gedacht: ‚Das ist es, das ist perfekt.‘ Ich hatte es geplant und ich hatte es geschafft, und dann bin ich natürlich krank geworden und das hat alles ruiniert.“

Allen hatte sich den Großteil seines Trainingscamps im Montrealer Tristar Gym über nicht gut gefühlt, versuchte aber, sich durch das Unwohlsein hindurch zu kämpfen. Zumindest, bis Headcoach Firas Zahabi genug gesehen hatte und ihn zum Arzt schickte. Allen versuchte noch, den Arzt zu einer günstigen Diagnose zu überreden, aber „da hat er mich im Prinzip einfach ausgelacht“, erinnert sich der Teilzeit-Kanadier.

Als Bektic an jenem Abend in Manchester seinen Weg zum Octagon machte, erinnerte sich Kommentator Brian Stann während der TV-Übertragung daran, wie Bektic ihn während seiner eigenen langen Verletzungspause nach jedem Federgewichtkampf mit „Ich kann diese Jungs besiegen“ anschrieb.

Allen, der zu diesem Zeitpunkt gerade Zuhause in England im Bett lag und für UFC 204 eine Pause davon machte, „nicht zu trainieren, sich mies zu fühlen, alles Mögliche zu essen und jedes Youtube-Video über MMA zu sehen, das es gibt“, fand sich plötzlich in den Schuhen desjenigen wieder, dem er sein Top-15-Ranking abluchsen wollte.

„Du analysierst die Kämpfe immer, selbst dann, wenn du nur zuschaust“, so Allen. „Aber wenn es in deiner Gewichtsklasse zur Sache geht, dann schaust du nicht mehr nur als Fan zu, dann siehst du jeden als potentiellen Gegner, auf jeden Fall.“

Fünf Wochen, nachdem der Arzt in Montreal ihm eröffnet hatte, dass seine „perfekte Chance“ ihm entgleiten würde, war Allen bei voller Gesundheit und wieder zurück auf Arbeit. Und hat sich seitdem keine Pause gegönnt.


„Ich bin immer im Gym, immer am Vorbereiten. Ich habe ein Jahr lang nicht gekämpft, aber den Großteil des Jahres war ich im Trainingscamp. Ich habe nicht faul Zuhause auf der Couch gesessen. Ich war knapp neun Monate des Jahres hier (in Montreal) und habe jeden Tag den ganzen Tag trainiert, als wenn ich einen Kampf hätte. Ich habe auf einen Kampf gewartet und danach gefragt. Ich habe mich definitiv ein paar Level weiterentwickelt.“

Jetzt kann Allen es kaum erwarten, sein neues Niveau zur Schau zu stellen und ist froh, wieder große Pläne schmieden zu können.

„Ich will zu den großen PPV-Events. Natürlich muss ich meinen Namen da draußen bekannt machen. Ich will mehr Aufmerksamkeit. Ich will nicht einer dieser Typen sein, die nur am unteren Ende der Nahrungskette vegetieren und die niemand kennt. Ich will hohe Wellen schlagen, ich will die Rangliste in dieser Gewichtsklasse hochklettern. Das ist mein Ziel.“

Am Samstagabend bekommt Allen schließlich doch noch die Chance, seinen Zielen ein Stück näherzukommen: vor heimischer Kulisse, mit einem bekannten Gegner und das zum ersten Mal im Hauptprogramm. Und während UFC London nicht ganz so perfekt sein mag wie UFC 204 es gewesen wäre, kann Allen es kaum erwarten, seine Chance mit beiden Händen zu packen und alles daraus zu quetschen, was er kann. Und das gilt für seinen Kampf gegen Makwan Amirkhani sowohl inner- als auch außerhalb des Octagons.

„Wenn ich eine gute Leistung hinlege, was ich natürlich plane, dann werde ich etwas von seinem Momentum auf mich übertragen“, so Allen. „So funktioniert dieser Sport: Du klaust dem anderen einige seiner Fans.“

Ironischerweise hat Amirkhanis UFC-Karriere beinahe den gleichen Verlauf genommen wie die von Allen. Nach Amirkhanis UFC-Debüt im Januar 2015 haben die beiden auf denselben zwei Events gekämpft und gehen mit gleich langen Pausen in ihr Duell in London. Amirkhani jedoch scheint trotz weniger Kämpfe bereits ein Fan-Liebling zu sein – neben seinem unterhaltsamen Kampfstil dürfte das vor allem an seinem stilsicher-frechen Auftreten liegen. Genau das, was Allen braucht, um mit einem Sieg die verlorene Zeit wettzumachen.

„Definitiv. Ein Sieg hier wird mich in die Position bringen, diese großen Kämpfe zu bekommen. Vielleicht noch nicht wirklich ‚große‘ Kämpfe – ich bin 23 Jahre alt, ich bin nicht in Eile, in die Top 15 zu kommen –, aber es wird mich hoffentlich näher bringen. Ich denke, dass dieser Kampf das Potential dazu hat – es wird eine Art Durchbruch für mich sein. (Amirkhani) ist beliebt, er hat eine Menge Hype hinter sich.“

Amirkhani hat sich einen Namen gemacht, indem er seine Gegner verbal angeklingelt und dann im Octagon den Sack zugemacht hat. Bisher ist Allen nichts davon zugestoßen, und während er natürlich nicht plant, sich von „Mr. Finland“ besiegen zu lassen, hätte er nichts dagegen, sich nach dem Kampf ein wenig von dessen Stil zu eigen zu machen.

„Ich müsste mal lernen, mich ein wenig besser anzuziehen“, lacht Allen auf der Couch der spartanischen Kämpfer-Appartements des TriStar Gyms. „Ich sitze hier in meinen löchrigen Jeans und meinem Hoodie. Vielleicht werde ich ihn nach dem Kampf fragen, wo er seine Anzüge herbekommt. Er hat ein paar coole Exemplare.“

Arnold Allen will schließlich überall vorbereitet sein, wenn er seine nächste perfekte Chance auf das ganz große Rampenlicht bekommt.

Das Hauptprogramm der „UFC Fight Night“ in London läuft am 18. März live und exklusiv auf ranFIGHTING.de, das Vorprogramm auf UFC FIGHT PASS.

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