Allen will in Liverpool Frust ablassen

Arnold Allen ist ein Familienmensch. Und deswegen war es nicht leicht für den jungen Briten, das vergangene Weihnachtsfest im eiskalten Montreal in Quebec, Kanada zu verbringen statt zu Hause in Felixstowe, Suffolk, England. Statt dem Fest der Liebe zelebrierte Allen im hohen Norden harte Arbeitsmoral. Allen hatte zu diesem Zeitpunkt einen Kampf anstehen, seinen ersten in zehn Monaten, und deswegen sah Weihnachten wie jeder andere Tag aus: „Training“, lacht der Kämpfer aus dem Tristar Gym. Training und ein klitzekleines Bisschen Schmausen im Haus eines Trainingspartners, dessen Eltern das 24-jährige Federgewichtstalent gerne eingeladen hatten.

Allens verspätete Weihnachts- und Silvesterfeier hätte ein paar Wochen später steigen sollen, am 20. Januar bei UFC 220 in Boston. Dort hätte er mit seinem Kampf gegen Enrique Barzola den Ton für die beiden Titelkämpfe des Abends setzen sollen. Dieser Kampf war erst knapp vier Wochen vor dem Event gebucht worden, zwei Wochen vor der Show fiel er ins Wasser.

„Jemand hatte den Papierkram an die falsche Person geschickt“, erklärt Allen die Kampfabsage. „Danach war einfach nicht mehr genug Zeit, um mein Visum zu bekommen. Es war ein kleiner Fehler, der mich aber den Kampf gekostet hat.“

Nachdem eine Handverletzung auskuriert war, die er sich im Oktober zugezogen hatte, war das das zweite Mal in Folge, dass ein Kampf für Allen wegfiel, der an diesem Punkt allen Schwung verloren hatte, den er mit einem Sieg gegen den hoch gehandelten Makwan Amirkhani bei der UFC Fight Night in London im März 2017 aufgebaut hatte. Als dann noch sein Plan fehlschlug, 364 Tage später ins Octagon zurückzukehren, beim darauffolgenden Besuch der UFC in der englischen Hauptstadt, erreichte „Almighty“ einen Tiefpunkt.

„Ich hatte alles in dieses Trainingslager [für UFC 220] investiert, und dann hat sich noch einmal alles um ein paar Monate verschoben. Ich dachte, ich würde im März kämpfen, aber es war niemand verfügbar, gegen den ich in London hätte kämpfen können. Und ich konnte einfach nicht länger warten, ich musste für eine Weile zurück nach England und habe Seminare gegeben, um ein bisschen Geld zu verdienen.“  

„Deswegen hoffe ich, dass dieser Kampf [bei UFC Liverpool] nicht auch noch ausfällt, denn dann müsste ich mir einen Job suchen. Sollte eigentlich nicht passieren.“

Allen lacht, als er den letzten Satz sagt, aber falls er wirklich gezwungen sein sollte, sein Konto wieder aufzufüllen, indem er Straßen pflastert oder Backwaren verkauft, dann wäre das eine Schande und eine riesige Verschwendung von Talent. „Ich will nicht noch ein Jahr aussetzen“, sagt er. „Ich will dieses Jahr drei Mal kämpfen, das wäre perfekt. Ich will etwas Geld verdienen, ich will vorankommen. Ich habe das Gefühl, dass ich nichts tue, wenn ich nur ein Mal im Jahr kämpfe. Ich habe das Gefühl, ich verschwende mein Leben.“

***

Harte Worte. Allens Anker war in den letzten Wochen die UFC Fight Night 130 am 27. Mai, bei der er auf Mads Burnell treffen soll. Denn Allen weiß besser als die meisten, wie wenig Zeit im Scheinwerferlicht in diesem Sport nötig ist, um verpasste Chancen aufzuholen – oder gleich sein ganzes Leben auf den Kopf zu stellen.

Allen weiß das, weil es ihm so ergangen ist. Im Juni 2015 brauchte die UFC in Berlin kurzfristig einen Ersatzgegner für Alan Omer. Arnold Allen, damals 21 Jahre alt und ohne UFC-Vertrag, ergriff die Chance sechs Tage vor dem Event mit beiden Händen und lieferte einen guten Kampf gegen einen fähigen Kontrahenten, schien aber auf eine Punktniederlage zuzusteuern. Dann, auf halbem Weg durch die letzte Runde, erwischte er Omers Hals und brachte ihn in einem Guillotine Choke zum Abklopfen. Sofortige Aufmerksamkeit und 50.000 Dollar für die „Performance of the Night“ waren sein Lohn für das Risiko. Wenn der wilde Brite in den Käfig darf, dann sorgt er für Feuerwerke – und deswegen weiß er trotz allen Frusts, dass eine einzige Chance alles ist, was er braucht.

Das gleiche gilt für Elias Theodorou, Eric Spicely und Nordine Taleb, die alle mit ihm gemeinsam in Montreal für UFC Liverpool trainiert haben. „Wir kämpfen alle auf dem gleichen Event, deswegen ist die Stimmung im Gym sehr gut“, so Allen. „Außerdem kämpft Mirsad Bektic im Juni gegen Ricardo Lamas, wir haben deshalb eine Menge Runden zusammen absolviert. Das war super, er war eine tolle Hilfe.”

Wer es vergessen hatte: Allen und Bektic hätten bei UFC 204 im Oktober 2016 gegeneinander kämpfen sollen, bevor Allen verletzt absagen musste. Zwar dürften die Fans damit einen hochwertigen Kampf verpasst haben, dafür können die beiden sich jetzt wöchentlich miteinander messen.

„Wir trainieren viel zusammen und es geht schon zur Sache, wenn freitags Sparring ansteht (lacht). Aber kämpfen werden wir wahrscheinlich nicht mehr gegeneinander.”

Anstatt zu riskieren, dass der Traum eines der beiden Talente platzt, arbeiten sie jetzt zusammen daran, beide ihre Träume zu erfüllen. Die Aufsicht über diese Aufgabe hat Tristar-Cheftrainer Firas Zahabi, der sogar für Allen über den Atlantik nach England fliegen wird. „Es ist großartig, ihn in der Ecke zu haben“, so Allen über den langjährigen Trainer Georges St-Pierres. „Er ist einer der besten Trainer in diesem Sport. Er hat so viel Erfahrung, deswegen ist es großartig, ihn dabei zu haben. Das ist ein toller, zusätzlicher Schuss Selbstvertrauen.“

Trotz all der aktuellen Schwierigkeiten kann Allen also auf Unterstützung zählen. Auf gute Trainingspartner. Und auf seine Leidenschaft und sein Talent. Nur Chancen sind bisher zu kurz gekommen. Die wenigen, die er bekam, hat er immer gut genutzt, und deswegen sorgt Allen sich trotz 14-monatiger Pause auch nicht um Ring-Rost.

„Ich habe im Prinzip ein einjähriges Trainingslager hinter mir“, so Allen. „Ich habe mich verbessert und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich besser werde, je länger ich trainiere. Ich habe nicht pausiert, ich habe mein Training nicht ausgesetzt. Ich war weg von Zuhause, weg von meiner Familie und habe versucht, an Kämpfe zu kommen. Lass es mich so formulieren: Ich mache mir keine Sorgen.“

Am 27. Mai will Allen all seine Fortschritte, all seinen Frust der Welt zeigen, indem er an Mads Burnell ein Exempel statuiert. Der dänische Grappler – je ein Sieg und eine Niederlage in der UFC – ist nicht der Typ Gegner, den Allen vor Augen hatte, nachdem er vergangenes Jahr Amirkhani bezwungen hatte. Aber er muss für’s Erste reichen.

“Ich will ein spektakuläres Kampfende, das ist immer der Plan“, so Allen. „Der letzte Kampf gegen Makwan ist am Ende in eine komplett andere Richtung gegangen als geplant. Es war letztlich ein Grappling-Fest anstatt… gerade das nicht zu tun (lacht). Ich glaube, ich hätte besser aussehen können, viel besser. Aber ja, ich möchte den Kampf auf den Beinen halten; er ist offensichtlich ein Grappler. Gleichzeitig fühle ich mich in allen Distanzen wohl. Ich habe mit den Jungs vom Montreal Wrestling Club gerungen und regelmäßig mit BJJ-Schwarzgurten gerollt.“

Wie also soll der Rest dieses Jahres aussehen?

„Hoffentlich kriege ich noch ein paar Kämpfe (lacht). Ich will nicht wieder warten. Heute in einem Jahr will ich in der Top 15 sein und gegen die Jungs dort kämpfen. Solange dieser Kampf nach Plan verläuft, will ich im August oder September wieder kämpfen und dann noch einmal im Dezember, das würde perfekt passen. Das wären drei Kämpfe im Jahr und wenn ich diese drei Kämpfe gewinnen, dann muss ich definitiv in der Top 15 sein.“

Falls ihm das gelänge, dann hätte er außerdem einen zusätzlichen Grund, stilecht Weihnachten zu feiern. Dieses Mal zu Hause mit seiner Familie.

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