Bisping betrachtet Gastelum-Kampf als Geschenk

Michael Bisping weiß nicht, worum so viel Aufhebens gemacht wird. Drei Wochen nach seinem verlorenen Titelduell gegen Georges St-Pierre bei UFC 217 im Hauptkampf der „UFC Fight Night“ in Shanghai, China gegen Kelvin Gastelum anzutreten – das ist für ihn keine große Sache.

„Warum sollte ich das nicht tun?“, sagt Bisping. „Nach der Niederlage gegen GSP war ich enttäuscht und jetzt habe ich die Chance, auf die Siegerstraße zurückzukehren und dafür sogar bezahlt zu werden. Ich befinde mich am Ende meiner Karriere und kann jetzt noch einmal kämpfen, ohne ein brutales zweimonatiges Trainingslager durchstehen zu müssen.“

Man würde annehmen, dass solche Entscheidungen im Kampfsport an der Tagesordnung stehen – aber jeder, der solche Sportarten seit längerer Zeit verfolgt, weiß, dass dem nicht so ist. Menschen wie Bisping hätten in den 40er oder 50er Jahren gut zum Boxen gepasst oder Anfang der 90er Jahre zum gerade entstehenden MMA-Sport. Heutzutage ist Bisping ein Einhorn. Aber er hatte schon immer die Einstellung, dass Kämpfer eben kämpfen. Michael Bisping ist ein waschechter Kämpfer, also sollte es niemanden verwundern, dass er freiwillig anbot, Anderson Silva kurzfristig zu ersetzen.

Und doch war es eine Überraschung, denn keiner hätte gedacht, dass er das wirklich durchziehen würde. Ein Blick auf seine Anfänge im Kampfsport bringt etwas Licht ins Dunkel. Er kämpfte schon, als es noch nicht um eine eigene Actionfigur oder einen Platz in einem Videospiel ging. Er wollte seine Familie versorgen. Das Kämpfen war sein Job und er war gut darin. Als ich nach seinem Sieg beim „TUF 3 Finale“ in der Umkleidekabine mit ihm sprach, war er aus dem Häuschen. Nicht, weil er eine neue Trophäe hatte, sondern weil er von nun an ein regelmäßiges Gehalt haben würde. Ob er in jenem Moment im Jahr 2006 gedacht hätte, eines Tages eine so erfolgreiche UFC-Karriere zu haben?

„Natürlich war ich ehrgeizig, jeder will so erfolgreich sein wie möglich“, sagt Bisping. „Aber diesen Erfolg hätte ich mir nicht ausmalen können. Ich war einfach nur froh, nicht mehr irgendwelche miesen Nebenjobs machen zu müssen. Ich hatte das Gefühl, endlich mein volles Potential ausgeschöpft zu haben. Das hat mich glücklich gemacht. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich zu mehr imstande bin als nur zu einem langweiligen Mindestlohn-Job in irgendeiner Fabrik. Ich habe mich gefreut, dass ich meine Familie mit meinem Sport ernähren kann. Ich versuche, so gut wie möglich für meine Kinder zu sorgen – und ich mache das mit meinen Fäusten.“

Michael Bisping punches <a href='../fighter/Dan-Henderson'>Dan Henderson</a> in their bout during the UFC 204 in Manchester, England. (Photo by Josh Hedges/Zuffa LLC) Mehr als elf Jahre später hat er nicht nur bestens für seine Familie gesorgt – er hat auch den Rekord für die meisten Siege in der UFC (20) aufgestellt und ist neben Jim Miller der Mann mit den meisten Kämpfen in der UFC (28). Außerdem ist er ein „TUF“-Gewinner und ehemaliger Weltmeister im Mittelgewicht. 2016 siegte er sogar nacheinander gegen Anderson Silva, Luke Rockhold und Dan Henderson. Seinen Rücktritt hätte er sich mittlerweile redlich verdient.

„Ich gehe stramm auf die 40 zu, da ist es langsam an der Zeit, etwas anderes zu tun“, sagt Bisping. „Ich werde in China kämpfen und dann werde ich im März in London kämpfen und aufhören. So ist der Plan. Der Kampf im März stand fest, aber diese Chance, gegen Kelvin Gastelum zu kämpfen, ist wie ein Geschenk der Götter.“

Erleben wir vor der „UFC Fight Night“ in Shanghai etwa einen netteren, zurückhaltenden Michael Bisping? Möglicherweise. Aber selbst wenn nicht – der redefreudige Engländer genießt den Respekt und die Bewunderung der Fans. Wer hätte das zu Beginn seiner UFC-Karriere gedacht?

„Über die Jahre hinweg hat man mich schon mehr oder weniger gehasst, aber ich habe mich wie ein Volldepp aufgeführt und einiges gesagt, was ich heutzutage bereue“, so Bisping. „Auch ich bin eben reifer geworden. Nach dem Kampf gegen GSP habe ich die Unterstützung der Menschen gespürt und jetzt, wo ich diesen Kampf angenommen habe, ist sie sogar noch größer geworden. Das ist wunderbar. Ich hoffe nur, dass ich jetzt nicht schon wieder anfange, Blödsinn zu reden.“

Für den aufstrebenden Gastelum hat Bisping zumindest nur lobende Worte übrig.

(L-R) <a href='../fighter/Dan-Hardy'>Dan Hardy</a> 'speaks' with Michael Bisping of England after his open workout session inside the Kerry Hotel Pudong on Nov. 23, 2017 in Shanghai, China. (Photo by Brandon Magnus/Zuffa LLC)„Er ist ein großartiger Kämpfer“, sagt Bisping über seinen Gegner. „Er ist jung, er wurde noch nie ausgeknockt oder vorzeitig besiegt. Er hat gute Nehmerqualitäten. Er ist ein großartiger Ringer, ein guter Athlet, ein guter Standkämpfer und er ist für seine Größe sehr wendig. Ich respektiere Kelvin sehr. Er ist ein starker, junger und gefährlicher Kämpfer.“

Allerdings geht es Bisping nicht um Gastelum. Es geht ihm darum, die Niederlage gegen St-Pierre vergessen zu machen – seine erste seit 2014.

„Ich will den Kopf wieder frei bekommen“, sagt Bisping. „Ich schulde es meinen Trainern und allen, die mich unterstützen, dass ich schnellstmöglich in die Erfolgsspur zurückkehre.“

Für Männer, die bald 40 werden, gäbe es andere Beschäftigungen. Etwa Golf, oder?

„Das stimmt“, sagt Bisping mit einem Lachen. „Aber ich glaube, ins Gesicht geschlagen zu werden, liegt mir etwas mehr.“

Die Worte eines wahren Kämpfers.

Die „UFC Fight Night“ in Shanghai, China läuft am 25. November live auf UFC FIGHT PASS.

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