Breese will sein volles Potential zeigen

Jeder, der schon einmal eine UFC-Veranstaltung live in der Halle gesehen hat – und nicht erst für die großen Namen auf dem Hauptprogramm aufgetaucht ist – weiß, wie elektrisiert die Atmosphäre in der Arena in den Momenten vor dem ersten Kampf des Abends ist. Ohrwurm-Hits dröhnen aus den Boxen, Vorschau-Videos flackern über die Leinwände und die Minuten bis zum Start verrinnen immer langsamer, während beim Gedanken an das, was kommt, leichte Schauer den Rücken auf und ab laufen. So ungefähr war die Stimmung im März 2017 in London, als tausende Fans in der O2 Arena auf den Beginn des spektakulären Kampfabends warteten, der sich in den folgenden Stunden abspielen sollte.

Kurz, bevor die grellen Scheinwerfer über dem Octagon zum ersten Mal an jenem Abend angeworfen wurden, schnappte sich jedoch Bruce Buffer außerhalb des Käfigs das Mikrofon. Tom Breese sei von den zuständigen Ärzten aus medizinischer Sicht für nicht kampfbereit erklärt worden, verkündete er, weshalb der Kampf zwischen dem Briten und Oluwale Bamgbose ausfallen müsse.

„Es ging mir nicht besonders gut, deswegen musste ich den Kampf absagen“, so Breese mehr als ein Jahr nach dem Ausfall in letzter Minute. „Ich war schon mehrfach in solchen Situationen, in denen ich krank war und trotzdem gekämpft habe, aber in der UFC muss man seine Entscheidungen bedachter treffen.“

Breese hat keine langfristigen Folgen davongetragen; die Entscheidung, den Kampf präventiv abzusagen, war aber sicherlich die richtige. Gleichzeitig hat sie eine frustrierende Zwangspause noch einmal verlängert, die nun am 27. Mai enden soll, wenn das Octagon ein paar hundert Meilen nördlich von London zum ersten Mal in Liverpool Station macht.

Dort will Breese eine Auszeit beenden, die mittlerweile fast zwei Jahre andauert. Die Pause war frustrierend für jeden, der gesehen hatte, wie Breese in seinen ersten beiden UFC-Kämpfen 2015 Luiz Dutra Jr. und Cathal Pendred zerlegt und Erwartungen an eine imposante Karriere aufgebaut hatte.  

2016 allerdings ging Breese in unspektakulären Kämpfen mit Keita Nakamura und Sean Strickland über die volle Distanz, gewann den ersten Kampf nach Punkten und verlor den zweiten auf eben diese Weise. 2017 fiel dann sein Comeback gegen Bamgbose am Kampfabend aus. Knapp einen Monat später verkündete Breese über die sozialen Medien, dass er sich den Meniskus und das Kreuzband gerissen habe – Letzteres zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre.

Zwar erholte Breese sich dank seiner vorherigen Erfahrungen mit dem Ablauf besser davon als beim ersten Mal, trotzdem musste er stillhalten und mit ansehen, was er alles verpasste.

Darren Tills erste beiden UFC-Kämpfe hatten auf den gleichen Veranstaltungen stattgefunden wie die von Breese. Die beiden jungen britischen Weltergewichte schienen ein Kopf-an-Kopf-Rennen gestartet zu haben, wer Englands erster UFC-Champion werden würde. Till allerdings kehrte vergangenes Jahr aus seiner eigenen Auszeit zurück und holte gleich drei Siege in fünf Monaten. Ein knackiger Knockout gegen Donald Cerrone im Oktober machte ihn zum Star, jetzt kommt die UFC für ihn in seine Heimatstadt. Just dort muss Breese dagegen nun in den Vorkämpfen beginnen, verlorene Zeit aufzuholen.

Frustrierend, oder? Nicht wirklich.

„Mich frustriert das nicht. Ich freue mich für Darren Till, er hat das Beste aus seinen Chancen gemacht […]. Ich hatte mit meinen Kämpfen meine eigenen Chancen, mir einen großen Namen zu machen und diese Kämpfe war gute Lektionen für mich. Jetzt will ich einfach nur einen guten Kampf liefern.“

Die zweite Hälfte von 2016, das gesamte Jahr 2017 und die erste Hälfte von 2018 mögen in Breeses Bilanz leer bleiben. Das heißt aber nicht, dass er diese zwei Jahre verschwendet hat – trotz seiner gesundheitlichen Probleme. Zum einen wird Breese sich nicht mehr so rigide wie bisher mit Diäten und Saunen quälen, um am Vorabend seiner Kämpfe auf der Waage wie ein anderer Mensch auszusehen. Von jetzt an ist Tom Breese kein Weltergewicht mehr, sondern ein Mittelgewicht.

Aus persönlicher Sicht noch wichtiger aber ist sein Umzug zurück nach Hause. Nach Jahren in Montreal, Kanada, wo er im renommierten Tristar Gym trainierte, kehrte Breese im Anschluss an seine Niederlage gegen Strickland bei UFC 199 nach Birmingham, England zurück. Heute trainiert Breese wieder mit seinem früheren Box-Trainer Paul Gough an der Seite talentierter Kämpfer wie Top-UFC-Weltergewicht Leon Edwards.

„Nach Hause zu kommen [, hat den größten Unterschied gemacht]“, so Breese über seine Rückkehr über den großen Teich, die seine kanadische Ehefrau mit ihm vollzogen hat. „Ich bin hier einfach ein glücklicherer Mensch. Ich bin stolz auf meine Herkunft und ich bekomme hier gutes Training. Einer der wichtigsten Aspekte ist, wieder mit meinem alten Box-Trainer arbeiten zu können. Er verschafft mir Weltklasse-Box-Sparring, mein Boxen hat daher meiner Ansicht nach wirklich einen Sprung nach vorne gemacht, genau wie mein Grappling durch die Teilnahme an Turnieren. Ich habe lange nicht gekämpft, deswegen erwarte ich von mir, jetzt starke Verbesserungen zeigen zu können.“

Erwähnte Grappling-Turniere fielen in den letzten zwei Jahren besonders auf, wenn man Breese auf den sozialen Medien gefolgt ist. Zwar gibt er zu, dass er auf der Matte „nicht immer die erwünschten Ergebnisse“ geholt hat, die Erfahrung, regelmäßig den mentalen Schalter in den Wettkampfmodus umzulegen, hat seinen Weg zurück zu seiner Top-Form aber sicherlich nicht verlängert. Und mit verbessertem Jiu-Jitsu und Boxen – den beiden Disziplinen, die ohnehin schon immer seine Stärken gewesen sind – könnte seiner neuen Gewichtsklasse eine Menge Ärger bevorstehen. Ganz abgesehen davon, dass der 1,91-Meter-Mann Breese auch hier noch immer ein gutes Stück größer als die meisten seiner Gegner sein wird.

Sein größter Vorteil aber versteckt sich hinter der Schädeldecke.

„Ehrlich gesagt ist meine Einstellung zum Sport jetzt eine völlig andere. Ich fühle überhaupt keinen Druck. Ich will mich einfach nur selbst testen. Ich liebe MMA, ich liebe das Training, ich liebe den Wettkampf. Ich schere mich nicht wirklich darum, was die Leute denken, ich will einfach eine bessere Version meiner Selbst werden. Von daher gibt es nicht wirklich Druck – solange ich das hier tun kann, bin ich glücklich.“

Die Aufgabe, einen fitten und glücklichen Breese zurück im Käfig zu begrüßen, fällt dem vierfachen Olympiateilnehmer im Judo Dan Kelly zu.

„Er ist ein solider Gegner“, so Breese über den Australier. „Ich habe mich wirklich gefreut, als sie den Kampf angesetzt haben. Er hat einige gute Siege in der UFC: Er hat Rashad Evans besiegt, Antonio Carlos Junior geschlagen – er war in der Top 15, soweit ich weiß. Also ja, das ist ein großartiger Kampf für mein Comeback. Ich respektiere Daniel Kelly sehr als Gegner.“

Also keine Sorgen über die Lose-Lose-Situation, gegen einen 40-Jährigen mit zerschossenen Knien zu kämpfen? „Nicht wirklich“, so Breese. „Ich weiß, was für ein Kämpfer Daniel Kelly ist.“ Für Breese, der sich noch nie um große Worte geschert hat, ist die öffentliche Meinung ohnehin kein Thema.

„Ich bin hungriger als je zuvor. Ich bin leidenschaftlicher und glücklicher. Ich hatte diese lange Auszeit, aber ich habe währenddessen viel trainiert und ich fühle mich einfach verjüngt. Ich fühle mich fit und ich freue mich auf den Kampf.“ Junge Talente mit Erfahrung wie Breese sind in diesem Modus am gefährlichsten. Auch für einen Olympioniken.

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