Brock Lesnar – Die Gegenwart bereitet sich auf die Zukunft vor

„Ich fühle mich gesegnet und geehrt, der Champion zu sein. Das ist meine zweite Chance, mich neu zu erfinden. Ich bin ein ehemaliger Amateurringer, ein ehemaliger Profi-Wrestler, ein Möchtegern-NFL-Profi. Und jetzt bin ich der UFC Schwergewichtschampion.“
Obwohl das Bestreben von Cain Velasquez, der erste mexikanisch-stämmige Kämpfer zu werden, der eine Schwergewichtsweltmeisterschaft erringt, die größere Aufmerksamkeit erhält, ist der Champion Brock Lesnar, den er am Samstag im Hauptkampf von UFC 121 herausfordert, heimlich, still und leise selbst dabei, einige Meilensteine zu erreichen, falls er seinen Titel im Honda Center von Anaheim erfolgreich verteidigen sollte.

Der Titelgewinn alleine ist schon eine beeindruckende Errungenschaft, wenn man bedenkt, dass der große Mann aus Minnesota erst sechs Profikämpfe absolviert hat. Aber mit einem Sieg gegen Velasquez würde Lesnar den Rekord von Tim Sylvia für die meisten erfolgreichen Schwergewichtstitelverteidigungen – drei – eingestellt und einen neuen Rekord für die meisten erfolgreichen Verteidigen hintereinander – ebenfalls drei – aufgestellt haben. Mit einem Sieg durch Knockout oder Aufgabe wird er diese Rekordlisten ebenfalls anführen.

Eine beeindruckende Leistung eines Mannes, der einer von nur sieben Kämpfern ist, die in UFC-Titelkämpfen ungeschlagen sind. Aber für Lesnar geht es nicht mehr um Errungenschaften oder Rekorde – falls es ihm jemals darum ging. Nach seinem Kampf gegen Divertikulitis im vergangenen Jahr, der beinahe seine Karriere beendet hätte, freut sich Lesnar einfach, noch unter uns zu weilen, kämpfen zu können und den Gürtel um seine Hüften zu tragen.

„Ich fühle mich gesegnet und geehrt, der Champion zu sein“, sagte er kürzlich während einer Telefonkonferenz mit den Medien. „Das ist meine zweite Chance, mich neu zu erfinden. Ich bin ein ehemaliger Amateurringer, ein ehemaliger Profi-Wrestler, ein Möchtegern-NFL-Profi. Und jetzt bin ich der UFC Schwergewichtschampion. Sehe ich die Dinge anders? Nein. Gehe ich jeden Abend mit meinem UFC-Titel ins Bett? Nein. Ich bringe jeden Abend meine Kinder ins Bett. Ich fühle keinen zusätzlichen Druck. Ich tue das, was ich liebe.“

Das ist das Angst einflößende an dem 1,91 Meter großen und 120 Kilogramm schweren Mann. Im Gegensatz zu vielen Profisportlern, die nur auftauchen, um ihren Scheck abzuholen, erlangte Lesnar den Ruf, eine der am härtesten arbeitenden Kämpfer im Sport zu sein, dessen Motto lautet: „Alles oder nichts!“ Als ihm gesagt wurde, dass er nur drei Monate nach seiner Schlacht mit Shane Carwin im Juli gegen Velasquez antreten müsse, biss er auf seinen Zahnschutz und widmete sich wieder seiner Arbeit.

„Ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt“, erzählte mir Lesnar im August. „Ich bin ein Kämpfer und kann es kaum erwarten, ins Octagon zurückzukehren. Nach dem letzten Trainingslager bin ich immer noch in großartiger körperlicher Verfassung. Ich nahm mir eine einwöchige Auszeit und kehrte danach sofort ins Gym zurück. Man muss intelligent vorgehen und seine Grenzen kennen. Ich fühle mich großartig und bin siegeshungrig. Es gibt keinen Grund, noch länger zu warten.“

Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist. Für Lesnar kann der nächste Kampf nicht früh genug kommen. Nach seinem Sieg bei UFC 100 gegen Frank Mir musste er ein Jahr lang pausieren. Vor seiner Rückkehr gegen Carwin, einen KO-Spezialisten aus Colorado, der Lesnar zu einem weiteren seiner Opfer machen wollte, standen viele Fragen offen. Wenn man langsam wieder ins aktive Geschehen zurückkehren möchte, ist Carwin nicht der optimalste Gegner. Das machte er unmittelbar deutlich, als er Lesnars Takedownversuche stoppte, ihm mit Schlägen zum Kopf zusetzte und ihn niederschlug. Ein angeschlagener und blutender Lesnar überlebte die Attacke jedoch und stand wieder auf. Nachdem er in der Rundenpause wieder Luft holen konnte, lächelte er Carwin vor Beginn der zweiten Runde an, als ob er sagen wollte: „Du hast deine Chance gehabt. Jetzt liegt es an mir, mich zu revanchieren.“

Und das tat er dann. Er brachte Carwin fast umgehend zu Boden und zwang ihn mit einem Arm Triangle Choke zur Aufgabe. Es war ein unwahrscheinliches Comeback – sowohl im Kampf als auch im Allgemeinen, wenn man bedenkt, was Lesnar durchmachen musste, um ins Octagon zurückkehren zu können. Wenn jemand immer noch daran zweifelte, dass er das beste Schwergewicht der Welt ist, wurde er von dem Jubel der Zuschauer übertüncht, der beinahe das Dach der MGM Grand Garden Arena in Las Vegas heruntergerissen hätte.

Nichtsdestotrotz ist das Schöne an diesem Sport, dass man sich nicht lange im Ruhm vergangener Zeiten sonnen kann. Im Gegensatz zum Boxen, wo nach schwierigen Herausforderungen für gewöhnlich bedeutungslose Aufbaukämpfe gegen Pflichtherausforderer folgen, steigt Lesnar als nächstes gegen einen Gegner ins Octagon, der womöglich noch eine Stufe besser ist als Carwin, Mir oder Randy Couture, der Mann, dem er den Titel abnahm. Obwohl Lesnar einen Vorteil hat, weil er nach seinem Kampf im Juli noch immer in Topform ist, muss er gegen Velasquez aus allen Rohren feuern. Er lud zusätzlich zu seinen normalen Trainingspartnern wie Cole Konrad, Chris Tuchscherer und Jon Madsen weitere talentierte Kämpfer wie Pat Barry in sein Trainingslager ein, um seine Vorbereitung noch ein wenig aufzupeppen.

„Alles ist in bester Ordnung“, sagt er. „Ich fühle mich gut und so fit wie niemals zuvor. Viele Kämpfer sagen, das letzte wäre ihr bislang bestes Trainingslager gewesen. Ich kann sagen, dass jedes meiner Trainingslager mein bestes Trainingslager gewesen ist. Das glaube ich wirklich. Ich wurde immer besser und besser und besser. Und ich glaube, dass ich noch nicht der Beste bin, der ich sein kann. Aber am 23. Oktober werde ich der bislang beste Brock Lesnar sein.“

Das ist das Selbstvertrauen eines Champions. Als Champion nimmt man aber auch keinen Gegner auf die leichte Schulter und geht jeden Kampf so an, als wäre man der Herausforderer. Lesnar bildet da keine Ausnahme und gibt zu, dass er in seiner bisherigen Karriere noch nie gegen jemanden von Velasquez‘ Kaliber gekämpft hat.

„Er stellt mich vor einige schwierige Herausforderungen“, sagt er. „Er ist ein kleinerer, schneller Kämpfer, der sehr gut schlagen kann. Er war als Ringer zwar nie wie ich ein Landesmeister, aber er war ein ‚All-American‘ in der Division I.“

Für viele ist der talentierte und hungrige Velasquez die Zukunft der Schwergewichtsklasse. Brock Lesnar hat dagegen nichts einzuwenden, solange er am Samstagabend beweisen kann, dass er immer noch die Gegenwart darstellt, und er, wie er nach dem Kampf gegen Carwin so schön gesagt hatte, immer noch der „zäheste Hund“ in diesem Sport ist.

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