Cormier ist auf Wolke Sieben

Ist es nicht manchmal lustig, wie das Leben spielt? Vor zehn Jahren, nach den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008, wäre es eine Untertreibung gewesen, zu sagen, dass Daniel Cormier sich an einem Wendepunkt befand. Er war am Ende. Seine Ringer-Karriere war vorbei und der nächste Schritt lag im Nebel.

„Ich wusste nur, dass ich irgendetwas machen musste, das wettkampfbasiert war“, so Cormier. „Ich habe nach Olympia versucht, aufzuhören, aber es hat nicht funktioniert.“

An diesem Punkt kam der MMA-Sport ins Spiel, ein Ventil für seine Energie, das für den Mann aus Louisiana „etwas Neues war und etwas, das wirklich aufregend war.“ Als er 2009 sein Profi-Debüt gab, war er bereits 30 Jahre alt, und es war klar, dass er schneller nach oben kommen musste als das handelsübliche MMA-Talent.

Aber das war kein Problem für Cormier, der sich nie vor harter Arbeit gescheut hat. Vor allem dann nicht, als er einen aufstrebenden Star und zukünftigen Weltmeister neben sich in der American Kickboxing Academy hatte: Cain Velasquez.

Seine Lernkurve war also ungewöhnlich steil, aber Cormier stellte sich der Herausforderung. Heute kann er aus einer ganz anderen Lage auf diese Zeit zurückblicken.

“Als ich angefangen habe, wusste ich nicht, dass ich neun Jahre später UFC-Champion sein würde”, so “DC”, der vergessen hat zu erwähnen, dass er seitdem nicht nur einen UFC-Titel gewonnen hat, sondern gleich zwei, und dass er sie beide zur gleichen Zeit halt.

„Ich hätte mir diese Erfahrung nie erträumen können”, so Cormier. „Das zeigt einfach sehr deutlich, dass man mit harter Arbeit und Hingabe alles schaffen kann. Ich war ganz unten, als ich mit dem Ringen aufgehört habe und nicht bei Olympia mitmachen konnte. Und jetzt stehe ich ganz oben.”

Am Samstag setzt er dem “Ganz oben”-Teil seiner Geschichte das Sahnehäubchen auf, denn dann führt er mit seinem Kampf gegen Derrick Lewis UFC 230 im ikonischen Madison Square Garden an. Damit hat er eine 180°-Wendung vollzogen, seit er im Juli 2017 zum zweiten Mal von Jon Jones besiegt wurde (was später in einen „No Contest“ geändert wurde) und seinen Halbschwergewichtsgürtel an den Rivalen verlor. Damals schien sein Vermächtnis auf das Narrativ hinauszulaufen, dass er ein vielversprechendes Top-Schwergewicht war, das eine Gewichtsklasse nach unten wechselte und dort einen Gürtel gewann, aber nie an Mr. Jones vorbeikam.

Spult man von dort ein wenig nach vorne, sieht man, wie Cormier seinen Gürtel zurückbekam, nachdem der Kampf gegen Jones in einen „No Contest“ umgewertet wurde und anschließend in seiner Titelverteidigung gegen Volkan Oezdemir im vergangenen Januar besser denn je aussah. Anschließend wechselte er zurück ins Schwergewicht, wo er nie verloren hatte, und schockte die MMA-Welt, indem er Stipe Miocic in der ersten Runde ausknockte. Damit hatte sich Cormiers Eintrag in den Geschichtsbüchern nicht nur geändert, sondern so sehr transformiert, dass sein Name nun zusätzlich auf der Liste der besten Kämpfer aller Zeiten verzeichnet ist.

“Stipe Miocic zu besiegen war gigantisch, und es bedeutet so viel für das, was von mir bleiben wird – mein Vermächtnis im Kampfsport“, so Cormier. „Es gibt nicht viele, die mit Recht behaupten können, dass sie getan haben, was ich getan habe. In zwei großen Sportarten das höchste Level zu erreichen und diesen Moment zu erleben, auf dem Käfigzaun zu sitzen und zwei Titelgürtel in den Händen zu halten. Man versucht immer, sich diese Augenblicke vorzustellen, aber man weiß nicht, wie es sich wirklich anfühlt, bis man es erlebt. Es war fantastisch.”

Als nächstes kommt Lewis. Ja, es ist ein Kampf ohne viel Vorbereitungszeit und ja, Lewis ist der klare Underdog. Aber wie kann man jemanden mit Lewis‘ Schlagkraft und einer 9-1-Bilanz in seinen letzten zehn Kämpfen nicht als Gefahr erkennen? Cormier jedenfalls nimmt ihn sicherlich nicht auf die leichte Schulter.

„Ich finde, es macht Spaß, Derrick Lewis kämpfen zu sehen”, so Cormier. „Er ist groß, stark und hat eine Menge Schlagkraft – ein großartiger Athlet. Derrick Lewis ist eine Erfolgsgeschichte. Er hatte eine Menge persönliche Probleme, als er jünger war, und er hat es geschafft, sich in die andere Richtung zu entwickeln. Ich glaube nur nicht, dass er gut genug ist, um mich zu schlagen.“

Das ist einmal mehr Cormiers Ringermentalität, die in diesen Sätzen durchscheint. Und während einige glauben, Cormier sei ein Neuling in der Gewichtsklasse, beweisen 13 Schwergewichtskämpfe vor Miocic, dass er mehr als nur ein bisschen Erfahrung mit den ganz schweren Jungs hat. Und wenn man ihm selbst Glauben schenkt, dann ist der beste “DC” ohnehin der im Schwergewicht.
 
 
 
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Ein Posting von Daniel "DC" Cormier (@dc_mma) am 1. November 2018



„Ich habe in dieser Gewichtsklasse noch nie auch nur eine Runde verloren“, so Cormier. „Ich bin in meinen ersten 13 Kämpfen ungeschlagen. Ein Punktrichter hat Josh Barnett in unserem Kampf eine Runde zugesprochen. Näher bin ich dort nie an einer Niederlage gewesen. Ich habe dort gegen jeden gekämpft. Ich habe mich Jeff Monson gestellt, als ich sieben Kämpfe hatte. Bigfoot Silva mit acht Kämpfen. Josh Barnett mit nur neun Kämpfen. Ich habe diese Namen geschlagen, als ich noch gar nicht richtig wusste, wie man kämpft. Ich denke, mein Resümee spricht für sich.“

„Im Schwergewicht zu kämpfen ermöglicht es mir, meine Schlagkraft zu behalten“, so Cormier weiter. „Der Schlag, mit dem ich Stipe ausgeknockt habe, mit dem habe ich schon oft getroffen. Ich habe Alexander Gustafsson diesen Schlag 60 Mal in einem einzigen Kampf verpasst. Ich habe Jon Jones damit 25 Mal in nur einem Kampf getroffen. Die haben das überstanden, und der Schwergewichtsweltmeister hat es nicht. Deshalb denke ich, dass ich eine Menge mehr Schlagkraft mit in den Käfig bringe, wenn ich im Schwergewicht kämpfe. Und nicht nur das: Ich habe außerdem das Selbstvertrauen, zu wissen, dass ich schneller bin, und dass ich in den meisten Fällen auch noch mehr trainiert habe. Es gibt einen einzigen Kerl im Schwergewicht, der mehr trainieren kann als ich, und das ist Cain Velasquez. Ich sehe es jeden Tag – von ihm weiß ich, wie die Grundlagen für das Training für einen Titelkampf aussehen.“

Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass Cormier seinem 40. Geburstag näherkommt, der im März nächsten Jahres ansteht. Dieses Ereignis markiert das Ende seiner Karriere, wie er bekräftigt. Ob das tatsächlich so passieren wird, kann man nur abwarten, denn wir alle wissen, dass die Wörter „Kämpfen“ und „Rente“ sich in der Praxis nicht gut verstehen. Bis dahin jedenfalls sollte man es genießen, Cormier in Aktion zu sehen, denn er selbst genießt seine letzten Kilometer in diesem Sport auf seine ganz eigene Art.

„Ich werde ins Octagon steigen und seinen Kopf abschlagen”, sagt er über den Kampf gegen Lewis. „Ich kann buchstäblich behaupten, dass ich es liebe, Leute in einem Kampf zu dominieren. Schau, was ich mit Dan (Henderson) angestellt habe. Dan Henderson ist jemand, der mir wirklich wichtig ist. Ich habe zu ihm aufgeschaut, seit ich ein Kind war, aber als sie die Tür des Octagons geschlossen haben, habe ich versucht, ihn in Stücke zu reißen. Und das ist exakt das, was ich auch mit Derrick Lewis machen werde. Das ist die einzige Art zu Kämpfen, die ich kenne.“

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