Johnson vor historischer Titelverteidigung

Demetrious Johnson steht kurz davor, Geschichte zu schreiben. Vor der „UFC Fight Night“ in Kansas City, die er Samstagnacht im Hauptkampf anführt, ist er nur noch einen Sieg davon entfernt, Anderson Silvas Rekord für die meisten Titelverteidigungen in Folge einzustellen.

In einer Zeit, in der Nachwuchstalente sich schon über ihre Regentschaft als Weltmeister auslassen, noch bevor sie mit einem Bein im Octagon gestanden sind und in der Champions über die Jagd nach einem zweiten Weltmeistertitel sprechen, noch bevor sie ihren Gürtel zum ersten Mal verteidigt haben, ist Johnson eine Anomalie. Er ist ein Kämpfer, der sich ausschließlich darauf konzentriert, seine Kunst zu verbessern und Siege zu erzielen. Auch er will Geschichte schreiben, aber er macht das ohne großes Trara – und ohne sich um diejenigen Gedanken zu machen, die seine Leistungen und Errungenschaften nicht anerkennen.

„Ich versuche einfach, konzentriert zu bleiben und mich von nichts ablenken zu lassen“, antwortete Johnson neulich auf die Frage, wie er die Hindernisse überwindet, die außer ihm und drei weiteren Kämpfern – Anderson Silva, Jon Jones und Georges St-Pierre – die anderen Champions davon abhielt, ihren Titel so häufig in Folge zu verteidigen. Samstagnacht bestreitet Johnson bei der „UFC Fight Night“ in Kansas City gegen Wilson Reis seine zehnte Titelverteidigung.

„Andere fordern mich heraus, manche sagen, in der Gewichtsklasse gäbe es nicht so viele Hochkaräter, aber ich konzentriere mich nicht darauf, was die Menschen sagen oder ob sie mich toll finden. Ich konzentriere mich nur auf mein ultimatives Ziel: der beste Kämpfer der Welt zu sein.“

Man würde nicht lange brauchen, um genügend Beweise zu sammeln, dass Johnson sein ultimatives Ziel bereits erreicht hat. Er ist der erste und einzige Weltmeister im Fliegengewicht und er hat elf Kämpfe in Folge gewonnen, davon neun Titelverteidigungen. Und er belegt in der Rangliste der Gewichtsklassen übergreifend besten UFC-Kämpfer den ersten Platz.

Eine ernsthafte Diskussion über den besten Kämpfer der Welt kann man nur dann führen, wenn man auch den Namen Demetrious Johnson nennt. Jeder andere Kämpfer, der heutzutage diese Bezeichnung für sich beansprucht, muss sich an Johnsons Leistungen und Erfolgen messen lassen.

Sein beständiges Streben nach Perfektion und sein Ehrgeiz, sich immer weiter zu verbessern, sind zwei der wichtigsten Gründe, warum der 30 Jahre alte US-Amerikaner bislang eine so dominante Karriere hatte.

Um seine Arbeit mit seinen Trainern Matt Hume und Brad Kertson zu beschreiben, bedient sich Johnson einer Analogie. Er vergleicht sie mit einem Starkoch in der Küche seines Restaurants, der ständig an seinem Menü feilt und immer wieder neue Geschmacksrichtungen ausprobiert – Hume ist dabei sein Küchenchef und Kertson dessen Stellvertreter.

„Wir probieren ständig neue Rezepte aus, wir sind ständig auf der Suche nach etwas Neuem“, sagte er über die Experimente, die bei AMC Pankration zwischen seinen Auftritten im Octagon unaufhörlich vonstattengehen. „Wir entwickeln uns ständig weiter.“

„Wenn ein Koch ein Restaurant eröffnet, hat er eine bestimmte Zahl an Hauptgerichten und die serviert er für eine lange Zeit – aber er serviert auch ständig etwas Neues und Kreatives, damit sich sein Restaurant weiterentwickelt und mit der Zeit geht“, fügte Johnson hinzu. „Wenn man für sich beansprucht, ein perfekter Kämpfer zu werden, muss man sich immer weiterentwickeln. Manchmal fliegt bei mir etwas aus der Speisekarte und ich ersetze es durch neue Gerichte. Ich werde mich immer weiterentwickeln.“

An einem Punkt unterscheidet sich die Analogie aber von seiner eigenen Realität: Johnson schert sich absolut nicht um die Meinung der Masse.

Jeder Koch will, dass sein Essen den Gästen schmeckt und viele Köche streben nach einem Michelin-Stern oder dem Lob von schwer zufriedenzustellenden Restaurantkritikern. Der Weltmeister im Fliegengewicht hat sich jedoch mit der Tatsache abgefunden, dass man nicht jeden Menschen zufriedenstellen kann. Zu versuchen, jedem zu gefallen, ist für ihn reine Zeitverschwendung.

„Die Menschen stecken verschiedene Dinge gerne in Kategorien, beispielsweise ob sie etwas hören wollen, es verstehen oder mögen oder ihm zustimmen oder nicht zustimmen“, sagte er. „Wenn ich meine gesamte Karriere damit verbringen würde, andere Menschen dazu zu bekommen, mich zu mögen oder anzuerkennen, dass das, was ich tue, das Härteste auf der Welt ist, dann könnte ich mich nicht auf die wichtigen Dinge konzentrieren: der beste MMA-Kämpfer zu werden, der ich sein kann und immer neue Grenzen zu überschreiten.“

Eines der wenigen Dinge, über die er sich Gedanken macht, ist der Rekord, den er einstellen könnte, wenn er Samstagnacht bei der „UFC Fight Night“ in Kansas City gegen Wilson Reis gewinnt.



Johnson hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass er Silvas Rekord nicht nur einstellen, sondern überbieten will – und erst dann darüber nachdenkt, ins Bantamgewicht zu wechseln oder zumindest einen Superfight zu bestreiten.

Jetzt, wo er sein Ziel beinahe erreicht hat, freut sich Johnson auf das, was die Zukunft bereithalten wird.

„Ich bin noch jung, erst 30 Jahre alt, und wenn ich meinen Titel 15 Mal verteidigen kann – wieso nicht?“, sagte Johnson. „Letzten Endes geht es darum, den höchstmöglichen Standard zu setzen und so viel Geld zu verdienen wie möglich.“

„Ich glaube, wenn ich im Fliegengewicht bleibe und weiter einen Gegner nach dem anderen besiege, dann werde ich in drei Jahren zurücktreten können“, fügte Johnson hinzu. „Wenn ich ins Bantamgewicht aufsteige, gegen größere Gegner kämpfe und eventuell mehr Schaden einstecke – wenn ich das wirklich will – ich muss das nicht, ich kann aber. Wenn ich die elf Titelverteidigungen geschafft habe, dann kann ich frei entscheiden, was ich als nächstes tun werde – und diese Möglichkeit zu haben, ist etwas Gutes.“

Bevor Johnson vor diese Entscheidung gestellt wird, muss er an Reis vorbei, der eine ähnliche hohe Arbeitsmoral an den Tag legt wie er selbst und sich so bis ins Titelgeschehen vorkämpfte.

„Ich bin immer noch derselbe DJ“, sagte Johnson. „Ich gehe jeden Tag zur Arbeit. Am Samstag habe ich mit Reis einen Geschäftstermin. Ich werde meinen Job erledigen, alles in Ordnung bringen und dann nach Hause gehen, wo ich mich weiter verbessern und meine bescheidene Einstellung beibehalten werde.“

Das Hauptprogramm der „UFC Fight Night“ in Kansas City läuft in der Nacht zum 16. April live auf ranFIGHTING.de, das Vorprogramm auf UFC FIGHT PASS.

Watch Past Fights

Multimedia

Kürzlich
Watch Amanda Nunes defeat Miesha Tate for the women's bantamweight title at UFC 200. Nunes attempts to defend her belt again at UFC 213 on July 8.
28.06.2017
Watch Amanda Nunes and Valentina Shevchenko's first bout before they enter the Octagon in a rematch at UFC 213 on July 8.
28.06.2017
Watch Valentina Shevchenko defeat Holly Holm from their bout last July. Shevchenko will fight for the belt at UFC 213 against Amanda Nunes on July 8.
28.06.2017
Invicta FC bantamweight champion Tonya Evinger is set to replace Megan Anderson, who is forced to withdraw from UFC 214 for personal reasons, to face Cris Cyborg for the UFC featherweight title in Anaheim on July 29.
27.06.2017