Michael Bisping tritt zurück

Michael Bisping war müde, aber er strahlte. Damals gab es noch keine Umkleidekabinen in riesigen Hallen, stattdessen saß der Engländer im Backstagebereich des Hard Rock Hotel and Casino in Las Vegas, während sich um ihn herum andere Kämpfer und Trainer sowie Mitarbeiter der UFC tummelten, in Vorbereitung auf den Hauptkampf des Abends zwischen Kenny Florian und Sam Stout.

Bisping hatte gerade die dritte Staffel von „The Ultimate Fighter“ gewonnen und somit die Chance bekommen, das zu tun, was er immer tun wollte: zu kämpfen. Das war im Jahr 2006.

„Ich habe schon in allen möglichen Bereichen gearbeitet“, sagte er mir vor seinem Kampf. „Das waren alles miese Jobs, nichts allzu Ausgefallenes. Ich arbeitete als Schlachter, Bauarbeiter und Hilfsarbeiter.“

Vor seiner Abreise in die USA, wo er sein Leben für immer verändern wollte, arbeitete Bisping als Polsterer. Nachdem er Josh Haynes in der zweiten Runde durch TKO bezwungen hatte, fragte ich ihn nach seiner Zukunft.

„In nächster Zeit wird man mich wohl nicht mehr in Fabriken sehen“, antwortete er mit einem Lachen.

Bisping celebrates his victory over Dan Henderson at UFC 204 (Photo by Josh Hedges/Zuffa LLC)Und das wird man auch künftig nicht. Er wird weiterhin im Fernsehen als Experte zu sehen sein und sich ab und an in der Schauspielerei versuchen, aber er wird immer ein Kämpfer sein – auch wenn er am Montag in seinem Podcast „Believe You Me“ offiziell seinen Rücktritt bekannt gab.

Fast auf den Tag zwölf Jahre nach seinem Sieg bei „TUF 3“ verabschiedet sich der Engländer mit einem Vermächtnis, das ihm mit Sicherheit einen Platz in der Ruhmeshalle der UFC bescheren wird. Bisping war Weltmeister im Mittelgewicht und hält die Rekorde für die meisten Kämpfe in der UFC (29) und die meisten Siege in der UFC (20). Er gewann gegen Stars wie Dan Henderson, Luke Rockhold, Anderson Silva, Cung Le, Brian Stann, Jason Miller, Yoshihiro Akiyama und Chris Leben.

Und da haben wir noch nicht einmal über die immateriellen Werte gesprochen, die Dinge, die nicht in der Kampfbilanz auftauchen. Der redefreudige Kämpfer machte den MMA-Sport in seiner Heimat Großbritannien populär, mit seinen Fehden begeisterte er die Fans diesseits und jenseits des Atlantiks und er trat auf der ganzen Welt auf, um für die UFC und den Sport zu werben.

Niemand weiß, wie viele Medientermine und Interviews er in den frühen Jahren bewältigen musste, als er seinen Sport denjenigen erklären sollte, die keine Vorstellung hatten, worum es dabei geht. Anschließend musste er gegen motivierte Gegner antreten, die wussten, dass sie ihre Karriere mit einem Sieg über den britischen Star der UFC vorantreiben können. Bisping lehnte aber nie einen Kampf ab und stellte sich stolz jeder Herausforderung – dafür liebten ihn die europäischen Fans, dafür respektierten ihn die amerikanischen Fans.

Außenstehende können sich wahrscheinlich nicht mal annähernd vorstellen, wie es ist, wenn eine ganze Halle voller Fans frenetisch für einen jubelt. Bisping half mir, zumindest ein Gefühl dafür zu bekommen. Bei einem der UFC-Events in Europa, bei dem er nur Zuschauer war, sollte er ein paar Momente vor mir die Arena betreten, damit ich mir einbilden konnte, die Fans würden mir zujubeln. Er lachte über meine Idee. Als er die Halle betrat, rasteten die Fans aus und dabei hatte der erste Kampf noch gar nicht begonnen. Ich lief wenige Meter hinter ihm in die Halle und schloss zu ihm auf. Er grinste. Das waren seine Leute. Und egal ob sie ihn im Laufe seiner Karriere ausbuhten oder ihm zujubelten – zumindest reagierten sie immer auf ihn.

Dann musste Bisping nur noch das Octagon betreten und Kämpfe gewinnen. Das gelang ihm nicht immer. Und doch hat es die öffentliche Meinung über ihn im Laufe der Jahre verändert. Einige Fans hätten auf seine großspurigen Ankündigungen und provokanten Sprüche gerne verzichten können, aber sie alle wussten es zu schätzen, dass er jedes Mal wieder aufstand und bereit war, zu kämpfen – egal wie oft er hinfiel.

„Wenn ich aufgegeben hätte, wäre ich heute nicht hier“, sagte er mir im November 2017 vor seinem Titelkampf gegen Georges St-Pierre. „Aufgeben? Keine gute Lektion, vor allem nicht für Kinder. So kann man doch sein Leben nicht leben. Wir alle können mal verlieren. Ich bin nicht Superman. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man mal verliert. Wenn zwei Männer gegeneinander kämpfen, kann nur einer von ihnen gewinnen, der andere wird verlieren. Das gehört zu diesem Sport dazu. Deswegen machen wir das ja.“

Rückblickend ist es schon witzig, dass acht Jahre zuvor, im November 2009, viele Menschen glaubten, Bispings Karriere stünde auf dem Spiel, als er zuhause in Manchester gegen Denis Kang antrat. Vier Monate vorher wurde er von Dan Henderson bei UFC 100 legendär ausgeknockt. Eine weitere Niederlage hätte sein Ende bedeutet – meinten viele.

Bisping erwischte gegen Kang einen holprigen Start, besiegte ihn aber in der zweiten Runde. Danach verlor er in Australien gegen Wanderlei Silva, war aber nach der Veranstaltung dennoch in guter Laune. Gemeinsam mit Quinton „Rampage“ Jackson brachte er den Busfahrer des UFC-Teams dazu, einen Umweg über den örtlichen McDonald’s zu nehmen. In den folgenden Jahren gewann er sieben von elf Kämpfen. Er etablierte sich in der Top 10 der Mittelgewichtsklasse, aber es schien, als würde er immer knapp an einer Titelchance vorbeischrammen.

Die vierte Niederlage in dieser Zeit kassierte er Ende 2014 gegen Rockhold. Zwei Kämpfe später gewann Rockhold den Weltmeistertitel im Mittelgewicht, während Bisping im Frühjahr 2015 mit einem Sieg über CB Dollaway in die Erfolgsspur zurückkehrte. Als er sich auf ein Duell gegen Thales Leites vorbereitete, gestand er ein, dass es bis zu einer Titelchance noch ein weiter Weg sein würde.

„Ich hatte schon einige Male die Gelegenheit, Titelherausforderer zu werden“, sagte Bisping. „Es ist ja nicht so, als hätte die UFC mir diese Gelegenheiten verwehrt. Das habe ich mir selbst zuzuschreiben.“

Bisping siegte gegen Leites und anschließend gegen die lebende Legende Anderson Silva. Als sich Chris Weidman knapp zwei Wochen vor UFC 199 verletzte, sprang Bisping für ihn ein, obwohl er gerade in Toronto einen Film drehte. Am 4. Juni 2016 machte er schließlich das Unmöglich möglich. Im Alter von 37 Jahren gewann Bisping den Weltmeistertitel im Mittelgewicht.

Nach dem siegreichen Rückkampf gegen Rockhold wollte er sich auch bei Henderson revanchieren. Er bezwang ihn im Oktober 2016 zuhause in Manchester. Im vergangenen November verlor Bisping seinen Gürtel jedoch an GSP. Eine Woche später nahm er einen Kampf gegen Kelvin Gastelum an, der nur drei Wochen nach dem Kampf gegen GSP stattfinden sollte. Das ist nur eines von vielen Beispielen, weswegen er ein wahrer Kämpfer ist. Obwohl er gegen Gastelum verlor, schien es, als würde endlich die gesamte Kampfsportwelt hinter ihm stehen.

„Im Laufe der Jahre haben mich einige Fans gehasst, ich war ja auch manchmal ein Idiot und habe Dinge gesagt, die ich heute bereue“, erzählte mir Bisping vor dem Kampf gegen Gastelum. „Ich bin über die Jahre reifer geworden. Nach dem Kampf gegen GSP haben mich die Fans unterstützt und seit ich diesen Kampf gegen Gastelum angenommen habe, unterstützen sie mich noch mehr. Das ist wunderbar. Ich hoffe, ich halte künftig öfter die Klappe und rede keinen Unsinn mehr, aber wenn doch, wäre es einfach typisch Michael Bisping.“

//media.ufc.tv/NONEVENT/GettyImages-613452594.jpgUm die offene Unterstützung und den Respekt aller Fans hat Bisping nie geworben, aber jetzt, wo beides da ist, genießt er es. Für ihn ging es vor allem darum, für seine Familie zu sorgen. Das hat er geschafft. Als er 2006 den UFC-Vertrag bekam, hatte er die Chance, seine Familie durch das Kämpfen zu ernähren. Darum ging es ihm – nicht um Titel, nicht um Ruhm, nicht um Ehre.

„Ich war einfach nur froh, dass ich keine miesen Jobs mehr machen musste“, sagte er mir vor seinem letzten Kampf. „Ich hatte das Gefühl, nun mein Potential ausschöpfen zu können. Das hat mich glücklich gemacht. Ich wusste immer, dass ich zu mehr berufen war, als für den Mindestlohn in einer Fabrik zu schuften. Ich freute mich, dass ich durch das Kämpfen für meine Familie sorgen konnte und habe daher immer weitergemacht.“

Bispings Ehefrau Rebecca und seine drei Kinder – Callum, Ellie und Lucas – sind zweifelsohne sehr stolz auf seine Errungenschaften. Das Leben eines Kämpfers ist nicht einfach. Keiner weiß das besser als Michael Bisping. Aber nur wenige haben ihre Sache besser gemacht als er.

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