Rückblick: Khabibs Aufstieg

SAN JOSE, CA - AUGUST 30: <a href='../fighter/Khabib-Nurmagomedov'><a href='../fighter/Khabib-Nurmagomedov'>Khabib Nurmagomedov</a></a> runs on the track on August 30, 2018 in San Jose, California (Photo by Brandon Magnus) Als wir uns zum ersten Mal mit Khabib Nurmagomedov unterhalten haben, konnte der damals 24-Jährige eine Profi-Bilanz von 20-0 vorweisen und hatte vier Kämpfe in der UFC gewonnen. Aber schon so früh in seiner Karriere war klar, dass die Zukunft einen Weltmeistertitel für „The Eagle“ bereithalten würde, der seine Krone am 6. Oktober im Hauptkampf von UFC 229 gegen Conor McGregor verteidigen wird. Schon damals wurde seine übliche Reaktion auf als respektlos wahrgenommenes Verhalten deutlich, etwas, das auch in Bezug auf seinen nächsten Kampf bedeutend ist, nachdem Nurmagomedov auf der letzten Pressekonferenz zu ihrem Kampf jede Menge verbale Attacken McGregors aushalten musste. Damals forderte er außerdem Hall-of-Fame-Mitglied BJ Penn heraus, was beweist, dass der jetzige Weltmeister schon damals keine Angst vor großen Namen hatte. Fünf Jahre danach blicken wir auf Khabibs Aufstieg zurück.

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Wer jemand von der skeptischen Sorte ist, der könnte annehmen, dass Khabib Nurmagomedov seinen Kampf gegen Abel Trujillo bei UFC 160 im Mai nur aus dem Grund angenommen hat, um nicht in die Organisation für seine im Juni gefeierte Hochzeit miteinbezogen zu werden.

Nein, so war es ganz sicher nicht, lacht das frisch verheiratete Leichtgewichts-Talent.

„Das lag nicht an der Hochzeit“, so Nurmagomedov über seinen Übersetzer Sam Kardan. „Unsere ganze Familie beteiligt sich an der Hochzeitsplanung, deswegen muss der Bräutigam nur eine Sache tun, und zwar am Hochzeitstag da sein.“

Gar nicht schlecht. Und falls Nurmagomedov von den anstehenden Festlichkeiten abgelenkt war, dann hat er es am Kampfabend nicht gezeigt. Trujillo dominierte er über drei Runden bis hin zu einem glasklaren Punktsieg, der seine Profi-Bilanz auf 20-0 verbesserte. Der Kampf ging allerdings nicht ohne Drama über die Bühne, denn Nurmagomedov verpasste tags zuvor das Leichtgewichtslimit um mehr als ein Kilo, was zu einer Auseinandersetzung mit seinem Gegner beim Wiegen führte.

“Vor dem Wiegen wollte er meine Hand nicht schütteln“, so Nurmagomedov. „Dort, wo ich herkomme, wird das als respektlose Geste aufgefasst. Aber bin ruhig geblieben und habe meine Emotionen während des Kampfes kontrolliert.“

Das hat er tatsächlich, und währenddessen stellte er einen UFC-Rekord auf, indem er von 27 Takedownversuchen 21 durchbrachte, womit aus einem Kampf, der als spannendes Duell zweier aufstrebender Leichtgewichte gesehen wurde, eine einseitige Angelegenheit wurde.

„Ich habe den Kampf dominiert, weil ich im Ringen und im Grappling besser war“, so der frühere Sambo-Meister aus Dagestan. „Ich hatte mich dazu entschlossen, den Kampf auf den Boden zu verlagern, weil ich dort einen Vorteil hatte, und mein Ringen wird auch weiterhin noch einige Gegner überraschen.“

Bisher ist es ein gewohnter Anblick, dass Nurmagomedov seine Gegner dominiert und seine Siege wie leichte Arbeit aussehen lässt. Das ist eine beeindruckende Leistung für jemanden, der im September erst 25 Jahre alt werden wird. Er gibt zu, dass sein Punktsieg gegen Gleison Tibau im Juli 2012 bisher sein am härtesten erkämpfter Sieg war. Gleichzeitig sagt er, dass er nie daran gezweifelt hat, dass am Ende seine Hand gehoben werden würde. Dieses Selbstbewusstsein und diese Reife haben sich aus Wettkämpfen inner- und außerhalb konventioneller Rahmen heraus entwickelt.

“Ich habe seit meiner Kindheit auf der Straße und bei verschiedenen Wettkämpfen gekämpft, und diese Erfahrungen und dieses Selbstbewusstsein helfen mir sehr. Vielleicht liegt das in meinen Genen, denn mein Vater ist ebenfalls ein verdienter Sportler.“ Allerdings wollte sein Vater Abdulmanap – ein Judo-Schwarzgurt, ukrainischer Sambo-Meister und Master of Sports im Freistilringen – anfangs nicht, dass sein Sohn einen ähnlichen Weg einschlägt.

„Meine Kindheit war ziemlich normal“, sagt Khabib. „Mein Vater wollte, dass ich lerne, aber ich wollte Profi-Sportler werden (lacht). Er und ich waren in dieser Frage nie auf einer Wellenlänge, aber irgendwann hat er realisiert, dass ich eine Gabe für das Kämpfen hatte und begann 2005 damit, mich zu trainieren, damit ich der Beste auf der Welt werden würde.“

Drei Jahre später gab Nurmagomedov sein Debüt als MMA-Profi und zwang Vusal Bayramov in der ersten Runde zur Aufgabe. Allerdings dauerte es bis 2010, bevor er realisierte, dass er das Talent und den Antrieb hatte, noch viel imposantere Höhen zu erreichen.

„Für mich wurde es klar, als ich 2010 die Sambo-Weltmeisterschaft gewann“, sagt er. „Ich habe begonnen, viel härter zu trainieren und auf meinen Traum hinzuarbeiten, ein UFC-Kämpfer zu werden.“ 

SAN JOSE, CA - AUGUST 29: Khabib Nurmagomedov trains at American Kickboxing Academy on August 29, 2018 in San Jose, California (Photo by Brandon Magnus) 2012 erfüllte er sich diesen Traum, und seitdem hat er alle vier seiner Octagon-Auftritte für sich entscheiden können. Er zwang Kamal Shalorus zur Aufgabe, knockte Thiago Tavares aus und nahm Tibau sowie Trujillo Punktentscheidungen ab. Er trainiert mittlerweile im renommierten AKA-Gym in San Jose, Kalifornien, und nachdem er sich verständlicherweise zunächst an die neue Umgebung gewöhnen musste, ist er nun angekommen und bereit für alles.

“Es war anfangs nicht leicht, in den USA zu leben“, so Nurmagomedov. „Aber mein Leben besteht aus meinem Training, meiner Religion, Schlafen und Essen. Wenn man so lebt, kann man sich an jede Umgebung gewöhnen.“

Er gewöhnt sich ebenfalls an sein Leben als UFC-Kämpfer, und als solcher kann es nicht schaden, sich gelegentlich hinzustellen und nach den Dingen zu fragen, die man haben will. In Nurmadomedovs Fall war das ein Kampf gegen den früheren Weltmeister in zwei Gewichtsklassen BJ Penn.

“Ich habe nach einem Kampf gegen BJ Penn gefragt, aber keine Antwort bekommen“, sagt er. „Vielleicht haben sie andere Pläne für ihn. Ich wollte gegen jemanden kämpfen, den ich schon von früher aus dem Fernsehen kenne. Er ist eine Legende.“

Eines Tages, wenn die Dinge auch weiterhin so gut laufen für den ungeschlagenen 24-Jährigen, dann könnte er einmal derjenige sein, der solche Anfragen von jungen, hochmotivierten Talenten bekommt. Erst einmal gibt es aber noch Arbeit zu erledigen, und Nurmagomedov ist mehr als bereit dafür. Wie also geht es weiter mit seiner Karriere? Er will auf jeden Fall die Leiter weiter nach oben steigen.

“Wenn BJ nicht verfügbar ist, würde ich gerne gegen (TJ) Grant kämpfen”, so Nurmagomedov über den kanadischen Top-Herausforderer im Leichtgewicht, der kürzlich seinen für UFC 164 geplanten Titelkampf gegen Champion Benson Henderson verletzt absagen musste. „Wenn er denkt, dass er der rechtmäßige nächste Titelherausforderer ist, dann soll er es beweisen, indem er mich bei UFC 165 (am 21. September) in seinem Heimatland besiegt.”

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