Rückblick: McGregors Aufstieg


Wer Conor McGregors Anfänge in der europäischen MMA-Szene verfolgt hat, der wusste schon länger, dass er jede Menge Talent und Charisma mit in den Käfig brachte. Aber wer hätte vorhersagen können, dass 2013 ein Jahr werden würde, das den MMA-Sport für immer verändern würde? „The Notorious“ hat genau das prophezeit. Aus heutiger Perspektive hört sich das alles gar nicht mehr so unrealistisch an, aber vor fünf Jahren, als der Ire sich gerade auf seinen Kampf gegen Max Holloway vorbereitete, schien diese Prahlerei bestenfalls einfach nur übertrieben zu sein. Bis er jede einzelne Vorhersage wahr werden ließ.


Heute, während McGregors Auftritt im Hauptkampf von UFC 229 gegen Leichtgewichtschampion Khabib Nurmagomedov am 6. Oktober immer näher kommt, blicken wir zurück auf die Zeit, als der ehemalige Champion in zwei Gewichtsklassen gerade seinen ersten UFC-Kampf hinter sich hatte.

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Wenn UFC-Federgewichtssensation Conor McGregor nicht nur ruhig, sondern geradezu tiefenentspannt wirkt, obwohl sich gerade ein veritabler Mediensturm über ihm zusammenbraut, bevor er am Samstag in Boston auf Max Holloway treffen wird, dann ist das nur allzu verständlich. Immerhin kennt er das alles schon.

„Vor einem Jahr bin ich rumgelaufen wie der König der Welt, als wenn ich UFC-Champion wäre, und zwar in zwei Gewichtsklassen“, sagt er mit einem Selbstbewusstsein, das man nur an den Tag legen kann, wenn man 25 Jahre alt ist und kurz davorsteht, Großes zu erreichen. „Ich war damals schon dort, wo ich jetzt bin. Ich wusste immer und ich habe immer geglaubt, dass meine Zeit kommen würde. Dass ich nur einen Versuch brauchen würde, nur eine Chance, um die Schau zu stehlen und das Scheinwerferlicht nach Irland zu zerren, es auf die Kampfsportszene dort und auf mein Gym zu richten. Und das ist, was passiert ist. Ich habe es so oft visualisiert, dass ich wirklich daran geglaubt habe, dass es passieren wird, und ein Jahr später passiert es nun wirklich. Das zeigt mir, wie stark der Geist ist. Jetzt sehe ich mich als das Gesicht der UFC, als die Hauptattraktion, den Champion, und ich werde diesen Glauben behalten, ich werde weiter jeden Tag trainieren gehen, weiter mehr arbeiten als jeder andere, und ich werde an die Spitze kommen.“

Sätze wie diese haben dafür gesorgt, dass Fans und Medien gleichermaßen halsbrecherisch schnell auf den McGregor-Zug aufgesprungen sind, nachdem er im April in nur 67 Sekunden Marcus Brimage ausgeknockt hatte. Schon vor seinem UFC-Debüt war der Lärm um den Dubliner ohrenbetäubend, aber in diesen Tagen hat er noch ganz andere Höhen erreicht. Anscheinend will jeder seine fünf Minuten mit dem jungen Mann, der eigentlich noch immer nur ein Talent in der Federgewichtsklasse der UFC ist. 



„Das hat mich nicht überrascht“, sagt er. „Meine Erwartungen an mich selbst sind hoch, ich ziele hoch, und ich habe nichts anderes als das hier erwartet. In dem Moment, in dem ich den Vertrag in der Hand hatte, wusste ich, dass das hier passieren würde. Ich weiß, dass ich etwas habe, das die Leute sehen wollen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was es ist und ich kann es nicht in Worte fassen, aber die Leute schalten ein, sie sehen mich einmal und sie werden danach jedes Mal aufs Neue einschalten, um mich wieder zu sehen.“

Ihm darin zu wiedersprechen, ist nicht leicht, denn hinter allem Pomp steckt ein junger Mann, der sein Handwerk sehr ernst nimmt. Das allerdings war nicht immer so. Als McGregor sein Training in John Kavanaghs Straight Blast Gym begann, war nicht er das große Ding, sondern Tom Egan, ein Freund und Trainingspartner McGregors, der nach nur vier Profi-Kämpfen den Zuschlag bekam, im Januar 2009 bei UFC 93 gegen John Hathaway anzutreten.

„Ich habe zusammen mit Tom angefangen”, erinnert sich McGregor. “Wir sind dem Straight Blast Gym beigetreten, aber er war ein bisschen fokussierter darauf als ich. Ich war mal da und mal nicht, ich war mal hier und mal dort. Dann hat mich eines Abends Coach John angesprochen und sagte, ‘Tom hat bei der UFC unterschrieben und ich will wirklich, dass du wieder ins Gym kommst und dich ganz dem Training verschreibst, dann werden wir das auch bei dir schaffen.‘ Und ich habe ihm geglaubt. Er hat mir Selbstbewusstsein eingebläut und ich bin zurückgekehrt.“

McGregor half seinem Freund Egan, sich auf den Kampf gegen Hathaway vorzubereiten und begleitete ihn in der gesamten Woche vor dem Kampf. Er sog alles auf, was er erlebte. Am Kampfabend allerdings zeigte sich, dass die UFC zu früh kam und zu viel war für Egan, der in der ersten Runde verlor.

„Wir waren Kinder”, sagt McGregor. „Unser professionelles Wettkampf-Team bestand damals aus drei Leuten. Zwei Federgewichte und Tom, der damals ein Mittelgewicht war. Das alles kam wahrscheinlich ein bisschen zu früh für Tom, aber es hat uns wertvolle Erfahrungen gebracht und gezeigt, dass wir in Reichweite waren, wenn wir nur hart genug dafür arbeiteten. Und das haben wir seitdem getan.“



Am Samstag wird Egan, der vergangenen Freitag seinen sechsten Profi-Kampf in Rhode Island nahe New York gewann, in McGregors Ecke sein und aus erster Hand erleben, wie weit sein Kumpel schon gekommen ist. Das wird ein großer Abend für den Kämpfer, seinen alten Freund und sein Team, aber vielleicht noch mehr für die irischen Fans, die über die Jahre jede Menge Weltklasse-Boxer anfeuern konnten, aber sehr wenige MMA-Kämpfer, die in der UFC bestehen konnten. McGregor will das so schnell wie möglich ändern.

“Wir sind eine Nation aus Kriegern, es gibt einige Kämpferhelden in unserer Geschichte und wir haben eine lange Tradition im Boxen. Deswegen weiß ich ehrlich gesagt nicht, warum das (im MMA-Sport) so lange gedauert hat, aber ich denke, dass jetzt die Zeit gekommen ist. Die irische Öffentlichkeit hat gesehen, was einen wahren Kampfkünstler ausmacht, und das hat das Herz der Nation gewonnen. Alle stehen hinter mir, ich bringe jedes Mal eine ganze Nation mit in den Käfig. Das ist nur der Anfang, und ich bin nur der erste von vielen. Es wird noch viele nach mir geben. Ich brauche mich nur in meinem Gym umzuschauen, dann sehe ich viele, die große Fortschritte gemacht haben, und jeder von ihnen wirkt fokussierter und ehrgeiziger als bisher schon. Der Traum, in der UFC zu kämpfen, ist real und in Reichweite. Sogar für die 15- und 16-Jährigen gibt es schon eine Route dorthin, einen Weg, den wir ihnen geebnet haben. Der Kampfsport in Irland braucht sich nach oben hin keine Grenze zu setzen. Wir sind eine Nation von Kä
mpfern, wir scheuen uns nicht vor einem Kampf. Die Iren und die Amerikaner, wir sind darin verbunden; wir haben eine lange Geschichte, und es scheint, dass jetzt alles zur rechten Zeit passiert.“

In Zeitungen gedruckte oder auf Webseiten veröffentlichte Buchstaben haben nicht die gleiche Wirkung, die sein gesprochenes Wort hat. Er hört sich beinahe an wie ein Priester am sonntäglichen Gottesdienst – charismatisch und tief gefestigt in seinen Überzeugungen. Es ist kein Wunder, dass er so viel Aufmerksamkeit generiert, und man fragt sich beinahe, ob all der Rummel es schwieriger macht, sich auf das einzige zu konzentrieren, was zwischen ihm und der nächsten Sprosse auf der Leiter in Richtung Federgewichtselite steht: seinen nächsten Kampf gegen den zähen und hochmotivierten Holloway zu gewinnen, der für den verletzten Andy Ogle eingesprungen ist.
 


„Es gibt keinen Gegner“, sagt McGregor. „Ich gehe da völlig emotionslos ran. Der Name auf dem Vertrag hat sich geändert, aber meine Emotionen haben das nicht, genauso wenig wie mein Training und meine Einstellung zum Kämpfen. (Holloway) ist einfach ein anderer Körper für mich, ein neues Arsenal an Bewegungen, ein anderer Körpertyp. Ich sorge mich nie allzu sehr darum, wer mir gegenübersteht, wer mein Gegner ist; es ist meine Show. Am 17. August, auf FOX Sports 1, werden die Iren nach Hause kommen. Ein irischer Mann ist zurück in Boston, und zwar bei diesem besonderen Event. Man könnte mich zum Schattenboxen in den Käfig schicken, und ich würde immer noch die Halle ausverkaufen. Es ist völlig egal, wer der Gegner ist. Das jetzt ist meine Zeit.“

Es ist schwer, ihm nicht zu glauben. Das Lustige daran: Er selbst hat die ganze Zeit über daran geglaubt.

„Das alles ist schon in meinem Kopf geschehen, bevor es wirklich passiert ist“, so McGregor. „Ich hatte es immer im Gefühl, dass ich derjenige war, der es schaffen würde. Ich wusste immer, dass es jedes Mal diesen Riesen-Hype geben würde, wenn ich kämpfe, obwohl ich damals vor 20 Leuten irgendwo in einem Vereinsheim gekämpft habe. Für mich waren das alles Weltmeisterschaftskämpfe. Jetzt, wo all diese Dinge wirklich geschehen, fühlt es sich für mich einfach normal an. Ich weiß, dass ich abliefere, sobald sie die Türen des Octagons schließen – dass ich dann ankomme. Ich vertraue auf das, was ich kann und ich lasse meine Fäuste für mich sprechen.“

Er pausiert kurz und beendet seine Ansprache mit einem verschmitzten Grinsen.

„Ein bisschen reden werde ich aber auch selbst.“

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Samstag, Oktober 27
4 UHR
MESZ
Moncton, New Brunswick

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