Namajunas Bescheidenheit ist ihre schärfste Waffe

Es war nie der Plan für UFC-Strohgewichtsweltmeisterin Rose Namajunas, eines Tages Profi-Kampfsportlerin zu werden und einen Weltmeisterschaftstitel zu gewinnen.

Eigentlich hatte sie so ziemlich das Gegenteil vor.

„Seit ich ein kleines Mädchen war, war es immer mein Traum, Landwirtin zu werden“, sagt Namajunas, die in ihrer Schulklasse zweifellos die Einzige war, die mit dieser Aussage auf die Frage nach dem Traumberuf antwortete.

„Ich war das einzige Kind in der Klasse, das in einer Weste mit Hasenbild darauf zur Schule kam“, lacht sie. „Ich war die Einzige, die Hüttenkäse aß, Sauerkraut und anderes komisches Zeug. Als Heranwachsende war ich immer der Nerd, aber niemand hat sich mit mir angelegt.“

Was haben nun Arbeit auf dem Feld, Hasen-Kleidung und Sauerkraut mit Namajunas’ erster Titelverteidigung gegen Joanna Jedrzejczyk zu tun, der sie den Gürtel im November abgenommen hat? Nichts, und das ist Teil von Namajunas’ Charme, die vor dem Co-Hauptkampf von UFC 223 am Samstag ganz offensichtlich mit sich selbst im Reinen ist.

Namajunas and Jedrzejczyk at  the UFC 223 Press Conference on April 4, 2018 in Brooklyn, NY. (Photo by Brandon Magnus/Zuffa LLC)
Trotz des Drucks, der damit einhergeht, Jedrzejczyk ein zweites Mal besiegen zu müssen, braucht Namajunas nicht ständig im Kampf-Modus zu sein. Den Schalter legt sie um, wenn es an der Zeit ist, die Faustschützer überzustreifen. Bis dahin ist sie einfach Rose, und was vor fünf Monaten im Madison Square Garden geschah, hat keinen Einfluss darauf, was an diesem Wochenende im Barclays Center passiert.

„Das Beste, was ich machen kann, ist, die Vergangenheit loszulassen, den Moment zu leben und zu wissen, dass dieser Abend hinter mir liegt“, so Namajunas. „Ich habe die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefs erlebt, und wenn ich all diese Erfahrungen jederzeit mitschleppen würde, wäre ich ein sehr müder Mensch (lacht). Ich greife also auf diese Erfahrungen zurück, wenn ich einen zusätzlichen Push brauche oder eine Erinnerung an irgendetwas. Generell versuche ich aber, immer den aktuellen Moment zu leben, denn das ist der beste Weg, um sich energiegeladen zu fühlen und bereit für alles zu sein, was passieren könnte. Natürlich, der 7. April wird kommen, daran kann keiner von uns etwas ändern. Aber ich kann bis dahin jeden Tag aufs Neue mein Bestes geben.“

Das heißt zum Beispiel, sich an ihren Status als Weltmeisterin zu gewöhnen und das Leben an der Spitze zu genießen, obwohl sie dafür nicht allzu viel Zeit hatte, bevor sie ihre Unterschrift unter den Vertrag für den Rückkampf gegen Jedrzejczyk setzte. Selbst der überzeugende, vorzeitige Sieg gegen den polnischen Star ist Namajunas nicht zu Kopfe gestiegen.

„Ich genieße jeden einzelnen Tag, sogar diejenigen Tage, die auf den ersten Blick nicht so genießbar scheinen“, sagt Namajunas. „Ich versuche einfach, alle Bestandteile zu genießen – die guten, die schlechten, die durchschnittlichen und halbgaren Tage; alles. Ich gehe immer nur einen Tag auf einmal an, und das ist auch wirklich alles, was ich tun kann. Vor allem, wenn man gerade eine der besten Kämpferinnen aller Zeiten in der ersten Runde ausgeknockt hat, ist es wichtig, sich selbst an einer kurzen Leine zu halten und nicht zu tief in Wolke Sieben zu verschwinden.

Das war vermutlich ohnehin nie das Problem für “Thug” Rose, deren Bescheidenheit schon immer eine ihrer schärfsten Waffen war. In Kombination mit imposanten Fähigkeiten im Bodenkampf und dem unterschätzten Arsenal auf den Beinen, das auch Jedrzejczyks lange Siegesserie beendete, bedeutet das das Potential, eine Weile an der Spitze zu stehen.

„Ich weiß nicht, was eine Weile ist”, so Namajunas. “Ich gehe immer nur einen Kampf auf einmal an, deswegen habe ich keine Ahnung, was in einer Weile ist. Ich habe bisher nie einen Titel verteidigt und hatte bis vor Kurzem auch nie einen gewonnen. Klar, meine Einstellung (vor dem ersten Kampf) war, ‘Ich bin jetzt schon der Champion‘, und daran musste ich auch wirklich glauben. Aber ich hatte nicht wirklich weiter als bis dahin gedacht. Jetzt gerade ist es mein Hauptanliegen, dieses Jahr über Champion zu bleiben. Das ist mein persönliches Ziel, gleichzeitig freue ich mich aber schon auf den nächsten Kampf. Ich habe keine Erfahrung darin, meinen Titel zu verteidigen, aber ich habe jede Menge Erfahrung im Kämpfen, deswegen freue ich mich einfach auf das, was da kommt.“

Wer vor Namajunas’ magischem Moment in New York City noch kein Fan war, den dürfte ihr anschließendes, inspirierendes, an das Gute im Menschen appellierende Interview im Octagon überzeugt haben. Dieser Abend war vermutlich eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen so ziemlich jeder zumindest für eine Nacht auf den “Thug Rose”-Zug aufgesprungen ist. Diese Unterstützung weiß sie zu schätzen, aber was wirklich für sie zählt, ist die Unterstützung ihres innersten Kreises. So lange sie sich dessen sicher sein kann, ist die Welt in Ordnung.

“Ich bin es schon immer gewohnt gewesen, dass die Leute mich für irgendwie schräg halten“, lacht sie. „Ich bin es gewohnt, manchmal die merkwürdige Person im Raum oder der Nerd zu sein, aber gleichzeitig hatte ich auch immer ein gutes Verhältnis zu jedem. Ich war immer die gute Seele, aber ich versuche, mich nicht allzu sehr darin zu verstricken, was andere Menschen von mir halten – einfach weil ich glaube, dass die Leute oft durcheinanderbringen, was sie mögen und was sie denken, dass sie mögen. Im einen Moment wirst du bewundert und im nächsten schon nicht mehr. Am Ende sin des die Menschen, die mir am nächsten stehen, die am wichtigsten sind. Diejenigen, die ich jeden Tag sehe, die mich zum Octagon führen und den ganzen Weg über hinter mir stehen.“

Sie wird nach dem nächsten Kampf wohl mehr Fans haben als zuvor, und noch mehr nach dem Kampf danach, und so weiter. Irgendwann aber wird es Zeit sein, andere Dinge im Leben anzugehen, und damit wären wir wieder bei der Landwirtschaft.

„Das wird mein nächstes Kapitel nach dem Kämpfen sein, mich in “Urban Farming” zu auszuprobieren, zu versuchen, die Jugend und die Randgebiete der Städte dazu zu bringen, sich mehr mit Gartenbau und der Natur zu beschäftigen und mehr über unsere Erde zu erfahren. Solche Dinge. Und auch in diesem Kapitel werden die Kampfkünste eine Rolle spielen. Ich glaube, ich werde mein Leben nach dem Kämpfen auf gesunde Weise ausbalancieren.“

Wer Namajunas-Fan ist, braucht allerdings vorerst keine Angst zu haben: Bis sie Hand an schweres Landwirtschafts-Gerät legt, wird es noch ein Weilchen dauern.

„Es gibt andere Dinge im Leben als das Kämpfen und ich glaube, dass es sehr wichtig für Kämpfer ist, auch andere Interessen zu haben. Das ist nur gesund. Gleichzeitig ist es der tollste, unglaublichste Job überhaupt, es ist einfach cool. Es hat auch seine Schattenseiten, aber du musst es in der kurzen Zeit genießen, die du in diesem Sport zur Verfügung hast.“

Dieses Zeitfenster steht gerade weit offen, und Namajunas will das ausnutzen. Die nächste Gelegenheit dazu kommt an diesem Samstag in Brooklyn. Es wird einmal mehr eine harte Aufgabe, gegen eine Kontrahentin, die entschlossen ist, ihren Titel zurückzuholen. Namajunas allerdings sorgt sich um nichts als das, was ihr im Spiegel entgegenblickt.

„Ich kann ausschließlich mich und meine Emotionen kontrollieren, nichts sonst“, sagt sie. „Und solange ich diese beiden unter Kontrolle habe, sehe ich bis zum Horizont niemanden, der es gerade mit mir aufnehmen kann. Ich weiß, dass man nicht ewig an der Spitze sein kann, dass ich nicht die perfekte Kämpferin bin oder perfekt ausgearbeitete Fähigkeiten mitbringe, aber hey, ich bin verdammt gut mit diesem ganzen Kampfsport-Zeug. Ich muss einfach nur mich selbst unter Kontrolle haben.”



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