Georges St-Pierre riskiert sein Vermächtnis



Hätte Georges St-Pierre keinen Vertrag unterschrieben, um Samstagnacht bei UFC 217 gegen Michael Bisping um den Weltmeistertitel im Mittelgewicht zu kämpfen, wäre er der perfekte Berater für ihn, wenn es darum ginge, eine lange Titelregentschaft in Angriff zu nehmen.

„Um Weltmeister zu werden, muss man viele Opfer bringen“, sagt St-Pierre. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Nicht das, was man in der Vorbereitung geleistet hat, macht einen zum Champion, sondern das, was man das ganze Leben lang geleistet hat. Ein Trainingslager macht aus dir noch keinen Champion – sondern alle Entscheidungen, die du in deinem bisherigen Leben getroffen hast.“

Nur wenige wissen besser als St-Pierre, wie man ein Weltmeister wird und bleibt. Er hat den Gürtel im Weltergewicht zweimal gewonnen. Beim ersten Mal hielt er ihn weniger als fünf Monate lang, beim zweiten Mal fast sechs Jahre lang. Als er 2013 seinen Gürtel abgab, geschah dies freiwillig, denn er wollte sich eine Auszeit vom Sport nehmen, die an diesem Wochenende vorbei ist.

„Es gibt Champions und es gibt Elite-Champions“, sagt St-Pierre. „Man kann den Titel einmal gewinnen, aber es ist sehr schwer, ihn zu verteidigen. Sehr, sehr schwer. Wenn du Champion wirst, bist du ein Ziel. Das ist etwas völlig anderes. Nur wenige Kämpfer konnten ihren Titel mehr als fünfmal verteidigen. Das ist wirklich schwierig und macht wahre Größe aus.“

St-Pierre verteidigte seinen Titel neunmal, nachdem er den Rückkampf gegen Matt Serra gewonnen hatte – und zwar gegen die Besten der Besten: Jon Fitch, BJ Penn, Thiago Alves, Dan Hardy, Josh Koscheck, Jake Shields, Carlos Condit, Nick Diaz und Johny Hendricks.

„Ich habe während der goldenen Ära der Weltergewichtsklasse gekämpft“, sagt St-Pierre. „Meine Gegner waren allesamt Killer und ich bin gegen sie angetreten, als sie in Topform waren. Ich habe sie besiegt, als sie in Topform waren.“

NEW YORK, NY - NOV. 01:  Georges St-Pierre interacts with a fan as he holds an open workout session for fans and media inside Madison Square Garden. (Photo by Jeff Bottari/Zuffa LLC)Der Beste zu sein, kann auch an einem Kämpfer zehren und genau das musste St-Pierre am eigenen Leib erfahren.

„Nach einer Weile ist man nicht mehr derselbe Kämpfer“, sagt St-Pierre. „Man hat gute Tage, man hat schlechte Tage, aber man muss sich daran anpassen und trotzdem kämpfen. Daher ist das so schwer. Es wird immer schwerer. Deswegen brauchte ich eine Auszeit. Ich bin froh, dass ich mich dazu entschieden habe.“

Als er nach seinem knappen Punktsieg über Hendricks seinen vorübergehenden Abschied bekanntgab, schockte St-Pierre die Kampfsportwelt. Aber für ihn war das die richtige Entscheidung und er ist stolz, zum richtigen Zeitpunkt weggegangen zu sein.

„Niemand hat den Sport je verlassen, als er an der Spitze stand“, sagt St-Pierre. „Ich habe den Sport verlassen, als ich an der Spitze stand. Das ist noch keinem gelungen. Sie alle haben früher oder später ihre Aura der Unverwundbarkeit verloren oder irgendetwas Dummes gemacht.“

St-Pierre genoss die Monate, in denen er keine Zielscheibe auf dem Rücken hatte. Immer wieder gab es Gerüchte, wonach er schon bald zurückkehren würde, aber er wollte sein Comeback erst starten, wenn er sich dazu bereit fühlte. 2017 ist das der Fall, St-Pierre kehrt zurück.

In einen Sport, der sich seit 2013 erheblich verändert hat.

In eine neue Gewichtsklasse.

Im Alter von 36 Jahren.

Zu einer Zeit, in der die Chancen nicht mehr so hoch stehen, dass er den Sport verlassen kann, während er noch an der Spitze steht.

„Mit meinem Comeback gehe ich viele Risiken ein“, gesteht St-Pierre. „Aber genau das treibt mich an. Je größer das Risiko, desto größer die Belohnung. Ich glaube, dass die Menschen noch nicht das Beste von mir gesehen haben.“

St-Pierre will Samstagnacht gegen Michael Bisping sein Bestes zeigen. Er steht vor einer gigantischen Herausforderung, aber in den Titelkampf nimmt er eine Lektion mit, die er damals als Champion gelernt hat.

„Wenn du der Beste sein willst, kannst du nicht normal sein“, sagt St-Pierre. „Wenn du normal bist, bist du nur ein normaler Mensch. Du musst besessen sein. Ich war besessen und ich bin immer noch besessen. Ich habe ein Ziel. Ich denke jeden Augenblick meines Lebens daran, bis ich es verwirklicht habe. Sobald mir das gelungen ist, habe ich ein anderes Ziel und bin erneut davon besessen.“

Das Hauptprogramm von UFC 217 in New York City läuft in der Nacht vom 4. auf den 5. November live auf ran FIGHTING, das Vorprogramm auf UFC FIGHT PASS.

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