Gustafsson will seinen Frust ablassen


21. September 2013. Air Canada Centre in Toronto, Kanada. Es lief gut für Alexander Gustafsson, der gerade Jon Jones um den Halbschwergewichtstitel der UFC herausforderte.

Vielleicht einfach zu gut.

„Ich war mental nicht wirklich da“, so Gustafsson. „Ich habe beim ersten Mal ehrlich geglaubt, dass ich ihn schlagen kann. Aber ich habe seine Waffen zu sehr respektiert. Ich war völlig verblüfft, weil es gar nicht so schwer war. Ich war von mir selbst beeindruckt, aber auf lange Sicht habe ich in diesem Kampf eben nicht genug getan.“

„Irgendwann während dieses Kampfes habe ich vergessen, den Sack zuzumachen.“

Am Ende der fünf intensiven Runden, die viele Beobachter als heißen Kandidaten für den Titel des besten UFC-Kampfes aller Zeiten rechnen, war es eben jenes „Vergessen, den Sack zuzumachen“, das Gustafsson den Titel kostete. Die Schlusswertungen lasen sich 48-47, 48-47 und 49-46 für Jones.

Es war genau die Art knappen Scheiterns, die ein Herz brechen lassen und einen Kämpfer auf ewig von der Rückkehr zu solchen Höhen fernhalten kann. Oder es motiviert ihn. Der Schwede Gustafsson entschied sich für die zweite Variante, und am Samstag bekommt er im Hauptkampf von UFC 232 in Los Angeles endlich die Gelegenheit auf Revanche gegen Jones. Und während der „Mauler“ die Fertigkeiten seines Gegners noch immer respektiert, wird ihn das dieses Mal nicht davon abhalten, zu Ende zu bringen, was er vor fünf Jahren begonnen hat.

„Ich werde ihn besiegen“, so Gustafsson. „Ich werde ihn nicht auf die Art respektieren wie noch beim ersten Mal, aber gleichzeitig sage ich zu mir selbst, dass er der beste Kämpfer ist, den es gibt, und das motiviert mich. Ich habe die Werkzeuge, um ihn zu schlagen, ich kann meine Waffen sehr effektiv einsetzen, und diese Waffen sind ein Problem für Jon.“

Sie waren sicherlich beim letzten Mal ein Problem für Jones, der während seiner 25 Minuten mit Gustafsson mehr Schwierigkeiten überstehen musste als in seiner gesamten restlichen Karriere zusammen. Das prädestinierte die Ansetzung für einen Rückkampf, aber meine Herren, was für ein langer, merkwürdiger Weg es bis hin zu diesem Wochenende in Los Angeles war. Und das nicht nur für Jones, dessen Probleme und Fehltritte im Laufe der letzten fünf Jahre bestens dokumentiert sind.

Gustafsson hatte sein eigenes Kreuz zu tragen, und zwar in Form von Verletzungen und Niederlagen in wichtigen Kämpfen gegen Daniel Cormier und Anthony Johnson, bevor er gegen Jan Blachowicz und Glover Teixeira zwei Mal in Folge gewann und die Zusage bekam, noch einmal gegen Jones kämpfen zu dürfen. Die ganze Zeit über zweifelte er nie daran, dass er „Bones“ ein zweites Mal im Käfig sehen würde.

„Dieser Kampf musste stattfinden“, so der Schwede. „Und jetzt wird er stattfinden.“

Aber wird er so gut wie der erste Kampf? Gustafsson glaubt nicht, dass Jones seit ihrem ersten Aufeinandertreffen schwächer geworden ist.

„Was kann ich über diesen Kerl sagen?“, so Gustafsson. „Es gibt nicht wirklich irgendetwas, womit man ihn vergleichen könnte. Technisch gesehen ist er einer der besten Kämpfer, die wir haben. Es gibt viele Weltmeister, sehr gute Leute, die Millionen verdienen, aber wenn es nur darum geht, wer der beste MMA-Kämpfer ist, dann ist er es. Er ist ein vollständiger Kämpfer, rundum versiert. Und als genau das habe ich ihn gesehen.“

Gustafsson tut das immer noch. Nach seinen fünf Runden mit Jones hat sich jedoch alles andere geändert für den stillen Krieger aus Stockholm.

„Das war ein Kampf, der mein Leben verändert hat“, so Gustafsson. „Ich war plötzlich ein bekannter Kämpfer. Ich habe zwar verloren, aber ich habe auch gewonnen, weil die Leute es respektiert haben, dass ich ins Octagon gestiegen bin und alles gegeben habe. Das war mein erster Kampf, der über fünf Runden ging, und ich habe dabei dem gewichtsklassenübergreifend besten Kämpfer gegenübergestanden, den wir in diesem Sport haben.“

Gustafsson stand 2013 noch schüchtern im Scheinwerferlicht, und obwohl er immer noch kein Conor McGregor ist, hat er sich mit dem Star-Dasein angefreundet, sowohl zu Hause als auch im Ausland. Und es scheint, als sei er ab dem 29. Dezember bereit für mehr. Dabei sind Glanz und Gloria gerade eigentlich gar kein Faktor für ihn. Da ist ein Duell, das ausgefochten und ein Gürtel, der erobert werden will. Dieses Mal ist Gustafsson bereit – nicht nur körperlich, sondern auch mental.

„Ich glaube, wir wollen es dieses Mal beide mehr als letztes Mal, aber wir sind beide aus unterschiedlichen Gründen hier“, so Gustafsson. „Er ist hier, um seine Kritiker zu wiederlegen und um zurückzubekommen, was ihm einmal gehört hat. Ich bin hier, um zu beweisen, dass ich der Beste bin und um den Kämpfer zu schlagen, der nie geschlagen worden ist.“

„Ich bin heute viel besser als damals, viel reifer und ich habe eine Menge Frustration angestaut, die raus muss. Und am 29. Dezember wird sie rauskommen, so viel kann ich versprechen.“


Samstag, April 20
St Petersburg, Russia

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