Gustafsson spürt keinen Druck

Mitten während seiner Antwort entschuldigt sich Alexander Gustafsson für die lauten Geräusche und die Tumulte im Hintergrund.

Gustafsson und seine Trainer werden bis zur „UFC Fight Night“ in Stockholm noch viele Stunden in einem Hotelzimmer in der schwedischen Hauptstadt eingepfercht sein. Die Trainer sind unruhig und piesacken den ehemaligen Titelherausforderer im Halbschwergewicht, während er am Telefon ein Interview nach dem anderen gibt – irgendwie müssen sie ja ihre aufgestaute Energie loswerden.

Gustafsson bittet um einen Augenblick Geduld.

„Jungs“, sagt der 30 Jahre alte Schwede in normaler Lautstärke, ehe er seine Stimme erhebt.

„Jungs!“, brüllt er. „Was zur –“

Das Getöse ist auf einen Schlag vorbei.

„Entschuldigung, Joakim Karlsson ist einer meiner Trainer und er ist schräg“, sagt Gustafsson. „Sie sind gelangweilt. Alle sind gelangweilt.“

Gustafsson spricht wieder mit ruhiger Stimme und er hört sich nicht mehr an wie derjenige, dessen Schrei den nervigen Karlsson und seine Komplizen in die Schranken wies – und auch nicht mehr wie derjenige, der vor mehr als zwei Jahren in seiner Heimatstadt Stockholm kämpfte.

Im Januar 2015 traf Gustafsson im Hauptkampf der „UFC Fight Night“ in der Tele2 Arena auf Anthony Johnson, es ging um eine Titelchance im Halbschwergewicht. Alle waren gekommen, um ihn siegen zu sehen. Seine epische Schlacht bei UFC 165 gegen Jon Jones hatte ihn zuhause zu einem Superstar gemacht. Mit steigender Bekanntheit steigen auch die Erwartungen, sowohl äußere als auch innere.

Das Duell mit Johnson war ein Titelausscheidungskampf und ein Sieg über ihn sollte Gustafsson den Weg zu einem Rückkampf gegen Jon Jones ebnen. Die mehr als 30.000 Zuschauer in dem ausverkauften Fußballstadion wollten ihren Helden triumphieren sehen.
Alexander Gustafsson and Anthony Johnson pose together after their bout at Fight Night Stockholm in 2015

Nach knapp zwei Minuten der ersten Runde war es in der Tele2 Arena plötzlich mucksmäuschenstill, als Gustafsson zu Boden ging und der Kampf schlagartig endete.

Die vorzeitige Niederlage gegen Johnson schmerzte ihn mehr als seine vorherigen Niederlagen zusammen. Er entschuldigte sich bei den Fans und bei seinem Land. Er dachte über einen Rücktritt nach.

Selbst bei seinem Comeback, einem weiteren Titelkampf-Klassiker – diesmal bei UFC 192 gegen Daniel Cormier – schien die Niederlage gegen Johnson noch fest in Gustafssons Gedanken verankert zu sein.

Das ist jetzt nicht mehr der Fall.

„Ich fühle mich wohl, ich bin motiviert, ich bin nicht nervös“, sagt Gustafsson. „Ich spüre keinen Druck. Für mich ist das ein Kampf wie jeder andere.“

„Ich fühle mich gut. Für mich ist es jedes Mal ein Highlight, wenn ich in meiner Heimatstadt kämpfen kann“, fügt Gustafsson hinzu. „Es fühlt sich großartig an und motiviert mich enorm.“

Während man solche Antworten auch als Zitate aus dem „Handbuch für Sport-Interviews“ bezeichnen könnte, klingen sie bei Gustafsson aufrichtig, denn er vermittelt nicht die „Ich versuche, mich selbst davon zu überzeugen, dass das stimmt“-Einstellung, die man sonst im Zusammenhang mit solchen Antworten wahrnimmt.

Er wirkt wenige Tage vor seinem Kampf gegen Glover Teixeira wahrlich gelassen. Wenn es etwas gibt, das ihn vor ihrem Duell am Sonntag beunruhigt, dann kann er das sehr gut verstecken.


Er hat gelernt, sich nicht mehr so viele Gedanken darüber zu machen, was in der Vergangenheit passiert ist.

„Ich schaue nicht mehr so oft zurück“, sagt Gustafsson. „Ich denke, alles geschieht aus einem Grund und ich glaube, nur so entwickelt man sich als Mensch weiter.“

„Ich denke, die ganzen Niederlagen und Misserfolge und Erfolge gehören zusammen und man muss aus allem etwas mitnehmen und genau das habe ich getan“, fügt er hinzu. „Nimm es so, wie es kommt und mach das Beste daraus.“

Elf Monate nach einer geteilten Punktniederlage im Titelkampf gegen Daniel Cormier kehrte Gustafsson bei der „UFC Fight Night“ in Hamburg zurück und erkämpfte sich einen einstimmigen Punktsieg über den Polen Jan Blachowicz.

Erstmals seit seinem Sieg über Mauricio „Shogun“ Rua, den er fast vier Jahre zuvor erzielte, stand Gustafsson nicht im Hauptkampf. Nach einer unruhigen Anfangsphase konzentrierte er sich auf seine Fähigkeiten im Ringen und erarbeitete sich auf dem Boden seinen neunten UFC-Sieg.

Es war die Art von Leistung, von der der zweimalige Titelherausforderer widerwillig zugab, sie gebraucht zu haben – ein guter Sieg über einen zähen Gegner, der ihn daran erinnerte, zu was er im Octagon fähig ist. Nach dem Kampf konnte er es nicht abwarten, ins Octagon zurückzukehren und eine Siegesserie zu starten.

„Es war ein guter Kampf – Jan Blachowicz ist ein sehr zäher Gegner und ich habe den Test sehr gut bestanden“, sagt Gustafsson. „Ich habe den Kampf gewonnen und jetzt bin ich hier und kämpfe gegen die Nummer 2 der Welt. Ich habe mich mit den besten Jungs vorbereitet. Das war meine bislang beste Vorbereitung. Ich freue mich riesig auf den Kampf, ich kann es kaum noch erwarten.“

Das Hauptprogramm der „UFC Fight Night“ in Stockholm läuft am 28. Mai ab 19 Uhr live und exklusiv auf ran FIGHTING, das Vorprogramm ab 16 Uhr auf UFC FIGHT PASS.

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