Max Holloway im Rück- und Ausblick

Max Holloway machte einen müden Eindruck, und niemand konnte es ihm verübeln. Der UFC-Federgewichtschampion war gerade dabei gewesen, das Osterfest mit seiner Familie zu genießen, als sein Manager Brian Butler ihn anrief und wissen wollte, ob er Interesse an einem Kampf gegen Khabib Nurmagomedov um den Titelgürtel im Leichtgewicht habe.

In sechs Tagen. Ohne Trainingslager, dafür mit einem langen Flug von Hawaii nach New York vor ihm sowie ein langer Weg, um die maximal erlaubten 70,3 Kilogramm zu erreichen.

Das ist genau die Art von Angebot, die Holloways Interesse weckt.

“Ich habe nicht eine Sekunde lang gezögert“, sagt er. „Ich habe ihm geantwortet, ‘Legen wir los’. Ich wollte diesen Kampf, solange ich wusste, dass wir das Gewichtslimit knacken könnten.“

Spricht man ihn heute darauf an, dann versichert Holloway immer noch, dass er am 6. April exakt 70,3 Kilogramm gewogen hätte. Aber noch während er dem Kampfgewicht für Titelkämpfe an jenem Freitagmorgen immer näher kam, entschieden die Ärzte, dass er nicht in der Verfassung sei, noch weiter Gewicht zu verlieren. Und so löste sich seine Chance, als der erst zweite Kämpfer in der Geschichte der UFC zwei Titelgürtel gleichzeitig zu halten, für den Moment in Luft auf.

Das war ein herber Schlag für Holloway. Immerhin scheint die Enttäuschung aber nun ein wenig durch den Umstand gemildert worden zu sein, dass seine nächste Titelverteidigung im Federgewicht unlängst offiziell gemacht wurde: Am 7. Juli wird Holloway bei UFC 226 in Las Vegas seine Krone gegen Top-Herausforderer Brian Ortega verteidigen.

Tickets für diesen Event in Las Vegas, das Holloway als Hawaiis „neunte Insel“ bezeichnet, gehen in dieser Woche in den Verkauf. Bis zum 7. Juli wird dieses Duell in der Kampfsport-Hauptstadt der Welt wohl ebenso heiß erwartet werden wie die Hauptattraktion des Abends zwischen Stipe Miocic und Daniel Cormier. Denn darin wird ein Champion, der zwölf Kämpfe hintereinander gewonnen hat, auf einen ungeschlagenen Herausforderer treffen, der von vielen als die Zukunft des Sports angesehen wird. Holloway dagegen wird an jenem Abend klarstellen wollen, dass er die Gegenwart verkörpert. Bevor das passiert, ist es aber noch wichtig, einen Blick zurück auf die jüngste Vergangenheit zu werfen, was uns zurück nach Brooklyn in die Tage vor UFC 223 bringt.

Ja, vielleicht war Holloway in dieser Woche ausgelaugt und müde. Aber das sollte eben der Preis sein, den er für Ruhm und Ehre zahlen müsste. Nicht der für das Geld, das er verdient hätte, sondern für die Ehre. Für die Geschichte. Für sein Vermächtnis. Oder für jedes andere Wort, das für einen größeren Zweck steht, um Blut, Schweiß und Tränen zu vergießen als lediglich ein Gehalts-Scheck.

„Ich mache das hier nicht für Geld, ich mache es für mein Vermächtnis – ich will einer der besten Kämpfer aller Zeiten sein“, so Holloway. „Ich habe es schon öfter gesagt: Wenn du gewichtsklassenübergreifend die Nummer eins der Welt sein willst, dann musst du jemand sein, der bereit ist, gegen jeden zu kämpfen, unabhängig vom Gewicht. Ich glaube, dass ich dieser jemand bin. Wenn dieser Kerl (Nurmagomedov) mir zeigt, dass ich mich irre, mache ich trotzdem weiter. Ich will ins Octagon und kämpfen. Es gibt ein großartiges Zitat dazu: An Helden erinnert man sich, Legenden aber sterben nie. Also versuche ich, eine Legende zu werden.“
 
DETROIT, MI - DECEMBER 02: UFC featherweight champion Max Holloway celebrates after defeating Jose Aldo of Brazil in their UFC featherweight championship bout during the UFC 218 event inside Little Caesars Arena on December 02, 2017 in Detroit, Michigan. (Photo by Josh Hedges/Zuffa LLC/Zuffa LLC via Getty Images)Er ist auf dem besten Weg dorthin. Zwar ist es zu früh, jemandem diesen Stempel aufzudrücken, der noch nicht einmal seinen 30. Geburtstag gefeiert hat. Mit nur 26 Jahren aber hat Holloway schon so viel erreicht – und ist damit nicht einmal ansatzweise zufrieden –, dass die Quoten sehr gut stehen, dass Holloway eines Tages seinen Namen auf die Liste der ganz Großen setzen können wird. Dabei sind es nicht nur Siege oder Niederlagen, die eine Legende formen; es geht darum, sich Widrigkeiten zu stellen, sich nicht vor ihnen zu verstecken und sie schließlich zu überwinden. Wenn wir ehrlich sind, dann standen seine Chancen gegen Nurmagomedov nicht gut. Gegen einen Sieg sprachen der Gewichtscut, das fehlende Trainingslager und das Szenario, einen unerbittlichen, ständig attackierenden Ringer vor sich zu haben, der am Kampfabend größer und stärker gewesen wäre. Holloway wollte den Kampf trotzdem. Er war bereit, alles aufs Spiel zu setzen, weil er etwas hätte erreichen können, auf das Fremde eines Tages seinen Sohn auf der Straße hätten ansprechen können.

Solche Dinge sind schwer in Worte zu fassen. Eigentlich braucht es aber auch gar keine und gäbe es ohnehin keine passenden, um das zu beschreiben, was Holloway versuchen wollte. Aus diesem Grund versprach ich ihm an jenem Dienstagmorgen vor UFC 223, dass unser Telefongespräch nicht lange dauern würde. Er wusste das zu schätzen, und als unser Interview zu Ende ging, warf ich noch die Frage in den Raum, die ich wirklich stellen wollte.

Er kann auf kein Trainingslager zurückgreifen. Das Wetter in Brooklyn ist so ziemlich das Gegenteil von dem in Waianae, Hawaii. Er muss jede Menge Gewicht verlieren. Und das alles, um eine Gewichtsklasse über seiner eigenen gegen ein Monster anzutreten. Wenn sich die Türen des Octagons also schließen, wird es dann einfach ein hawaiianischer Straßenkampf? Keine Taktik, keine Strategie, einfach drauf los?

„Das ist kein Geheimnis“, so ein plötzlich revitalisierter Holloway. „Wenn du gegen Max Holloway kämpfst, dann kämpfst du gegen einen Standspezialisten. Ich bin ein MMA-Kämpfer, ich bin bereit für alle Disziplinen, aber mein Kampfstil ist es, dir ein paar ins Gesicht zu verpassen. Das ändert sich für keinen Kampf. Khabib bringt seine Gegner am liebsten auf den Boden, um sie dort zu bearbeiten; er ist eine Maschine. Aber ich gehe mit der richtigen Einstellung in meine Kämpfe. Viele Kämpfer fürchten diesen Mann, und ich weiß wirklich nicht, warum. Wir sind alle nur Menschen, wir müssen alle hart hierfür trainieren, wir bluten alle rot, und ich kann den Samstagabend kaum erwarten, bis ich mit ihm im Octagon stehe und der Welt zeige, warum ich einer der Besten aller Zeiten bin.“

Diese Chance hat er am 7. April nicht bekommen. Am 7. Juli aber wird er sie bekommen. Dann wird ihm in Form von Brian Ortega eine weitere anscheinend unaufhaltsame Kraft gegenüberstehen. Und diese Art von Kämpfen ist, wofür sich all die Widrigkeiten lohnen für einen Champion, der sich die Einstellung eines hungrigen Herausforderers beibehalten hat.

Einfach drauf los.

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Sonntag, Mai 27
1PM/10AM
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Liverpool, United Kingdom

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