Jedrzejczyk will für immer Joanna Champion sein

 
BILDERGALERIE: JEDRZEJCZYKS UFC-KARRIERE

Joanna Jedrzejczyk kam neulich nicht zur „UFC Fight Night“ nach Danzig. Tatsächlich hat sie seit Mai 2014 nicht mehr in Polen gekämpft – ihr letzter Auftritt zuhause war ein Punktsieg über Karla Benitez, mit dem sie ihre Profibilanz auf 5-0 erhöht hatte.

In den folgenden drei Jahren kämpfte sie in Deutschland, England, Australien und den USA. Wer einen Sport als Weltmeisterin dominieren will, muss zahlreiche Opfer erbringen – und dazu gehört manchmal auch, die Heimat für längere Zeit zu verlassen.

Die 30 Jahre alte Polin lebt mittlerweile in Coconut Creek, Florida und arbeitet dort weiter hart daran, ihre Position als Nummer 1 im Strohgewicht der Frauen zu verteidigen. Sie trainiert allerdings nicht in einem miefigen Keller oder einem dunklen Schuppen, wie uns die Filmwelt die Torturen eines Champions gerne verkauft.

Stattdessen schleift Jedrzejczyk ihre Fähigkeiten in den topmodernen Räumlichkeiten des renommierten American Top Teams. Wer ihr in den sozialen Medien folgt, weiß zudem, dass sie auch genügend Zeit für Mountainbiking, Basketball und Entspannung am Strand findet.

Jedrzejczyk lebt dort, wo andere Urlaub machen und hat direkten Zugang zum Meer – da fragen sich manche, ob sie noch den Ehrgeiz hat, sich für ihre Weltmeisterschaftskämpfe zu schinden. Aber diejenigen, die dieses Thema vor Jedrzejczyks Titelverteidigung bei UFC 217 gegen Rose Namajunas ansprechen, kennen die wahre „Joanna Champion“ nicht.

Vor ihrem Kampf bei UFC 205 in New York City wurde Jedrzejczyk vom Polnischen Konsulat geehrt. Die Welt lag ihr zu Füßen, ihre Landsleute feierten sie und die großartige Stadt auf dem Planeten nahm sie herzlich bei sich auf. Aber Jedrzejczyk hat nie vergessen, wo sie herkommt.

„Ich kämpfte für minus 2.000 Dollar“, sagte sie in unserem Interview vor UFC 205. Das war kein Versprecher einer Frau, für die Englisch nur die Zweitsprache ist.

Jedrzejczyk bezahlte einen Flug nach Thailand aus eigener Tasche, um Polen bei der WM im Muay Thai zu vertreten. Ihr ging es nicht um Geld, sondern um den Wettkampf und den Sieg. Alles andere war ihr egal – und das ist es heute noch. Sie hat sich als Kämpferin erheblich weiterentwickelt, aber ihre Einstellung hat sich nicht verändert.

„Ich bin ein Profi“, sagte Jedrzejczyk. „Sprecht mit meinen Trainern, sie werden euch das bestätigen. Die Menschen denken manchmal, Champions wären unhöflich, schliefen auf Geld und es ginge ihnen nur um Hype und Sponsoren. Auf mich trifft das nicht zu. Ich bin sehr bescheiden und arbeite hart. Ich fordere mich gerne selbst heraus. Ich will jeden Tag dazulernen und ich respektiere jeden Menschen, weil ich ein besserer Mensch sein will. Ich will erst ein besserer Mensch werden und dann eine bessere Sportlerin. Ich will mich jeden Tag verbessern. Daher bin ich die Beste der Welt. MMA ist ein wunderschöner Sport, aber auch sehr fordernd. Wir siegen, wir lernen, wir verlieren. In einem Kampf kann alles passieren. Aber ich für alles bereit und vor jedem Kampf visualisiere ich meinen Sieg.“


Mit einem weiteren Sieg stellt sie Ronda Rouseys Rekord für die meisten Titelverteidigungen einer Frau ein. Danach fehlt ihr nur noch ein Sieg für den neuen Rekord, denn sieben Titelverteidigungen hat noch keine UFC-Kämpferin geschafft.

Rouseys Vermächtnis ist unbestritten, sie gehört zu den Pionierinnen und hat für die UFC und den MMA-Sport viel getan. Daran ändern auch ihre Niederlagen gegen Holly Holm und Amanda Nunes nichts. Von 2013 bis 2015 war Rousey ungeschlagen und unschlagbar, eine Urgewalt wie Mike Tyson zu seinen besten Zeiten.

Aber von 2015 bis 2017 beherrschte Jedrzejczyk ihre Gewichtsklasse mit eisernen Fäusten, Füßen, Ellenbogen und Knien. Sie hat das Strohgewicht beinahe leergeräumt und ist hinter Demetrious Johnson die derzeit erfolgreichste Titelträgerin in der UFC. Und sie ist auf dem besten Wege, die dominanteste Weltmeisterin aller Zeiten zu werden.

Nach diesem Titel streben auch Stars wie Amanda Nunes, Cris Cyborg und Holly Holm, aber momentan stehen Jedrzejczyk und Rousey an der Spitze. Wenn sie 2018 ein paar Kilogramm zunehmen wird, um im Fliegengewicht anzutreten, gäbe es im Falle eines Titelgewinns keinen Zweifel daran, wer die Beste aller Zeiten ist.

Genau so mag es Jedrzejczyk. Niemand soll daran zweifeln, dass sie das beste Strohgewicht der Welt ist – sie möchte für immer „Joanna Champion“ sein.

Vor ihrer letzten Titelverteidigung gegen Jessica Andrade sagte sie: „Ich will eine unbesiegte Weltmeisterin sein und ich hoffe, dass ich bescheiden bleiben und weiter hart arbeiten werde, um eines Tages als unbesiegte Weltmeisterin zurückzutreten.“

Das Hauptprogramm von UFC 217 läuft in der Nacht vom 4. auf den 5. November live auf ran FIGHTING, das Vorprogramm auf UFC FIGHT PASS.

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