Lyoto Machida – Der Drache erhebt sich wieder

„Ich wusste, dass ich eines Tages verlieren würde – so wie jeder andere auch. Ich denke, dass ich viel aus dieser Niederlage gelernt habe. Und auf mir lastet jetzt viel weniger Druck.“
Es mag sich vielleicht seltsam anhören, aber von den berufsbezogenen Gefahrenen, denen man als Profikämpfer ausgesetzt ist, ist ein Knockout wohl eine der am wenigsten schmerzhaften Erfahrungen.

Lasst uns mal darüber nachdenken… Gebrochene Nase oder gebrochener Kiefer: schlecht. Ein von einem Aufgabegriff verdrehter Arm oder Fuß: schlecht. An der Schläfe getroffen zu werden, die ganze Angelegenheit zu vergessen und mit leichten Kopfschmerzen wieder aufzuwachen: nicht so schlecht.

Als Mauricio „Shogun“ Rua ihm im Mai den UFC Halbschwergewichtstitel abnahm, war der bis dato unbesiegte Brasilianer Lyoto Machida wohl nicht so körperlich schwer angeschlagen wie nach ihrem fünf Runden langen Kampf sieben Monate zuvor.

Der Schmerz, den ein Knockout verursacht, äußert sich nicht physisch, sondern psychisch. Es ist die Gewissheit, dass ein anderer Mann die Kraft hatte, einen schlafen zu schicken – wenn auch nur für wenige Augenblicke. Es sind die Aussagen von Fans und Kritikern, die einen überbewertet nennen, die Nehmerqualitäten in Frage stellen und auch an den vorangegangen sechzehn Siegen zweifeln, obwohl diese Siege gegen einige der besten Kämpfer der Welt zustande kamen.

Genau darum erholen sich manche Kämpfer nie wieder von einer KO-Niederlage und sind nur noch Schatten ihrer selbst. Vor dieser Herausforderung steht Machida am Samstagabend gegen Quinton „Rampage“ Jackson. So wie der Hauptkampf von UFC 123 verläuft, könnte ganz gut auch die restliche Karriere von „The Dragon“ verlaufen.

Für gewöhnlich weiß man erst am Kampfabend, wie jemand wie Machida reagiert, wenn er getroffen wird oder ob er zögerlich agieren wird. Aber einige Hinweise fanden sich auch schon im Vorfeld des Kampfes.

Zunächst einmal hat Machida diesen Kampf angenommen. Ja, das ist die UFC und nicht Boxen, wo ein Kämpfer sich ziemlich leicht vor harten Gegnern drücken kann. Aber ich bin mir sicher, dass wenn er das Angebot der UFC mit einem leichteren Gegner als Jackson gekontert hätte, sie in Anbetracht der Umstände – ein ehemaliger Weltmeister hat eine verheerende KO-Niederlage eingesteckt – dies akzeptiert hätte. Aber Machida nahm den Kampf gegen den schlagkräftigsten Gegner an, dem er bislang gegenüber stand. Ja, die K-1-Veteranen Michael McDonald und Sam Greco sind erstklassige Standkämpfer, und Rua, Sokoudjou, Thiago Silva und Rashad Evans haben auch alle KO-Power. Aber keiner von ihnen hat so eine Schlagkraft wie Jackson, der mit einem einzigen Schlag alles entscheiden kann. Direkt wieder gegen jemanden zu kämpfen, der noch viel härter schlagen kann, als der Mann, der einen zuvor ausgeknockt hat, ist ziemlich mutig.

Der nächste Hinweis darauf, dass Machida sich von der Niederlage nicht mental beeinträchtigen ließ, fand sich bei der telefonischen Pressekonferenz zu UFC 123. Als er über seine Niederlage sprach, sagte er: „Auf mir lastete ein großer Druck, weil mich die meisten Fans und Beobachter als diesen unbesiegbaren Champion hinstellten. Ich wusste, dass ich eines Tages verlieren würde – so wie jeder andere auch. Ich denke, dass ich viel aus dieser Niederlage gelernt habe. Und auf mir lastet jetzt viel weniger Druck.“

Moment mal… könnte es also sein, dass die Niederlage für Machida auch etwas Positives war? So merkwürdig sich das auch anhört – diesen Nimbus der Unbesiegbarkeit loswerden zu können, kann einem Kämpfer ermöglich, in Zukunft viel befreiter zu kämpfen. Die Erwartungen sind jetzt anders und der Druck, nicht verlieren zu dürfen, ist weniger groß.

Am Samstagabend beginnt Lyoto Machidas Karriere von vorne. Und so, wie er es bislang immer getan hat, wird er wohl wieder von seinem Vater Yoshizo angeleitet. Der Rat des Karate-Meisters wird wahrscheinlich ähnlich lauten wie nach dem ersten Rua-Kampf: Er solle sich nicht von der Vergangenheit ablenken lassen. Konzentriere dich auf den nächsten Kampf und stelle sicher, dass du darauf vorbereitet bist.

Genau so schlägt man einen Knockout KO.

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