Warum Maia unbedingt in Chile kämpfen will

Demian Maia saß nicht untätig auf dem Sofa, als die UFC anrief und wissen wollte, ob er kurzfristig am Samstag den Hauptkampf der ersten UFC Fight Night in Chile gegen Kamaru Usman bestreiten könne. Das ist kaum überraschend, denn es gibt wenige Athleten, die professioneller sind als der 40 Jahre alte Brasilianer.  

Also: Ja, er war gerade im Training, als das Telefon klingelte.

“Ich sage den Leuten immer, dass der Tag, an dem ich mich nicht mehr darauf freue, ins Gym zu gehen und zu trainieren, dass das der Tag sein wird, an dem ich aufhöre“, so Maia. „Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich auf einen Kampf hintrainiere oder nur im Gym bin, um in solider Form zu bleiben, ohne dabei ein konkretes Ziel zu haben. Wenn du im Trainingslager bist, dann ist die Intensität viel höher und du musst viel mehr Einsatz zeigen. Ich war in letzter Zeit viel unterwegs, ich habe Seminare gegeben, ein paar TV-Projekte abgewickelt, mich um Geschäfte und um meine Familie gekümmert; ich habe es aber, wenn es möglich war, trotzdem geschafft, jeden Tag zu trainieren, und zwar, weil ich es liebe.“

Nach so langer Zeit im Geschäft wissen Veteranen vom Schlage Maias, wie man kämpft. Wenn sie also genügend Zeit haben, um in Form zu kommen und ihr Gewichtslimit zu erreichen, ist es üblicherweise eine sichere Sache, dass sie Kämpfe auch kurzfristig annehmen. Zumindest, solange der Gegner nicht Usman heißt, der in der Vergangenheit nicht unerhebliche Schwierigkeiten hatte, willige Tanzpartner aufzutreiben. Maia jedoch ist aus anderem Holz geschnitzt als die meisten, und deshalb suchte er keine Ausreden, nicht im Octagon auf „The Nigerian Nightmare“ treffen zu müssen.

Andererseits hatte Maia zusätzlich noch ganz andere Gründe, die erste UFC-Show in Chile anführen zu wollen.

„Viele wissen das nicht, aber ich war vor einigen Jahren schon einmal in Chile, um dort die UFC zu repräsentieren“, so Maia. „ich habe eine Presse-Tour gemacht, um den Menschen in Chile unseren Sport und die Marke UFC näherzubringen. Ich habe den Sport und seine Regeln der dortigen Presse erklärt und demonstriert, zusammen mit dem chilenischen UFC-Kämpfer Diego Rivas. Wir haben Fernseh- und Radio-Stationen besucht, Interviews und Autogramme gegeben und Bilder mit Fans gemacht. Das war dort der erste Schritt der UFC, der uns schließlich an diesen Tag geführt hat – zum ersten UFC-Event in Chile. Als Ponzinibbio sich verletzt hat und die UFC bei uns angefragt hat, hatte ich all diese Erfahrungen im Hinterkopf.“

Maia ist also nicht nur für einen Gehaltsscheck und die Chance, wieder ins Titelrennen im Weltergewicht einzusteigen, nach Chile gereist. Für ihn geht es um etwas, das ihm persönlich wichtiger ist.

„Der größere Kontext und die Verantwortung, die ich an diesem Punkt meiner Karriere spüre, ist es, ein Botschafter des Brasilianischen Jiu-Jitsu und ein Botschafter unseres Sportes zu sein“, so Maia. „Es macht mich wirklich stolz, meinen Teil dazu beitragen zu können und die Entwicklung des BJJ und des MMA-Sports zu fördern. Das eröffnet neue Arbeitschancen in der ganzen Branche, das sehe ich als eine meiner Pflichten an und es ist etwas, das mich auch an diesem Punkt meiner Karriere zusätzlich motiviert.“

Falls irgendjemandem noch nicht bewusst war, dass Maia einer der nobelsten Gentlemen dieses Sports ist, dann sollten das spätestens diese Sätze klarstellen. Seine Realität ist an diesem Wochenende aber immer noch, dass er gegen einen der am häufigsten von seinen Gewichtsklassen-Kollegen umgangenen Kämpfer antreten wird, und zwar in einem Fünf-Runden-Hauptkampf. Darüber zerbricht Maia sich jedoch nicht den Kopf. Er hat zugesagt und wird am Samstag in den Käfig steigen.

„Für mich war das eine wichtige Sache und Teil des Beispiels, das ich setzen und des Vermächtnisses, das ich hinterlassen will. Und die Realität ist nun einmal, dass niemand diesen Kampf wollte. Natürlich ist das hier ein Geschäft und du kannst nicht immer einfach das machen, was du willst oder was sich gerade richtig anfühlt. Am Ende des Tages wurde ich im Kampfsport aber nicht dazu erzogen, vor Herausforderungen wegzurennen, und manchmal kannst du mit deiner Einstellung außerhalb des Octagons mehr gewinnen als mit deinen Taten darin.“

Ob mit oder ohne vollständiges Trainingslager: Maia ist noch immer einer der gefährlichsten – wenn nicht gar der gefährlichste – Bodenkämpfer auf dem Planeten.

„Ich bin Wettkämpfer, und ich mache das Beste aus der Zeit, die ich zur Vorbereitung habe. Ich werde mit dem Ziel in diesen Kampf gehen, zu gewinnen. Ich werde mein Bestes geben, weil ich weiß, dass ich das Zeug dazu habe, jeden Kampf gegen jeden Gegner zu gewinnen, in jeder Gewichtsklasse“, so Maia, der seine letzten beiden Kämpfe gegen Tyron Woodley und Colby Covington nach Punkten verlor. Zuvor hatte er 2013 und 2014 mehrere Kämpfe hintereinander verloren, danach aber sieben Duelle in Folge gewonnen, was ihm vergangenen Sommer eine Chance auf Woodleys Weltergewichtsgürtel einbrachte. Rechnet er jetzt also mit einem weiteren Lauf wie diesem?

„Das kann man nie wissen, in diesem Sport können sich die Dinge so schnell ändern“, sagt Maia. „Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der ich diese beiden Kämpfe verloren habe. Ich war ein wenig niedergeschlagen und habe sogar meiner Frau gesagt, dass ich nicht daran glaubte, noch einmal eine Chance auf einen Weltmeisterschaftsgürtel zu bekommen. Und dann habe ich diese Siegesserie gestartet – den besten Lauf meiner Karriere –, als ich angefangen habe, mich auch mit anderen Dingen zu beschäftigen und einfach den Weg zu genießen. Also, wer weiß? Dieser Sport ist komplexer, als nur das Ergebnis Sieg oder Niederlage ausdrücken könnte, und ich habe mittlerweile andere Motivationsquellen und einige andere Ziele, die ich noch erreichen möchte. Ich gehe einen Schritt nach dem anderen.“

Den ersten Schritt will er in Chile gehen. Und jetzt gerade ist das der einzige Schritt, der zählt.

„Es ist ja bekannt, wie es in diesem Sport läuft“, sagt er. „Es bringt nichts, zu weit in die Zukunft schauen zu wollen. Vor allem dann, wenn du einen Kampf anstehen hast, kannst du auch nur einen Kampf nach dem anderen denken. Dieser Kampf hat sich richtig angefühlt – das ist sehr wichtig – und natürlich wird der Sieger sofort wieder im Titelrennen mitspielen. Aber das ist gerade so irrelevant. Jetzt gerade geht es für mich darum, in diesem Kampf mein Bestes zu geben, Teil einer großartigen Sache zu sein, und danach an den nächsten Schritt zu denken. Es gibt immer noch einiges, das mich motiviert, und dazu gehört das tägliche Training, die Jagd nach Rekorden, das Kämpfen und das Wachstum des Sports an neuen Orten zu unterstützen. Fürs Erste gilt aber: Eins nach dem anderen.“

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Samstag, Oktober 27
4 UHR
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Moncton, New Brunswick

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