Matt Hughes‘ Vergnügungsfahrt

„Es hängt davon ab, welcher BJ auftaucht – derjenige mit einer intelligenten Strategie und einem guten Trainingslager oder derjenige, der denkt, er könnte mit seinem Talent allein gewinnen.“
Spaß. Das war in diesem Jahr das Schlagwort von Matt Hughes, einem Mitglied der UFC-Ruhmeshalle. Sieht man sich die Ergebnisse an, die nach seinem Sieg gegen seinen Erzrivalen Matt Serra im Jahr 2009 folgten – die vorzeitigen Siege gegen Renzo Gracie und Ricardo Almeida – könnte man meinen, dass jeder Kämpfer einfach den ganzen Ballast abwerfen sollte, den eine Karriere im Kampfsport mit sich bringt und er einfach nur aus Spaß an der Freude antreten sollte.

Nein, so leicht kann es nicht sein. Nicht in einer Sportart, in der man dem ständigen Druck unterliegt, gute Leistungen zeigen und gewinnen zu müssen, um den Arbeitsplatz zu sichern und sich auf dem Weg zum Titelkampf nicht von seinen Konkurrenzen überholen zu lassen. Aber darin liegt Hughes‘ Geheimnis. Im Alter von 37 Jahren hat der Familienvater aus Hillsboro, Illinois in diesem Sport schon alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Er gewann zweimal den Weltergewichtstitel, er besiegte die besten Kämpfer seiner Ära, er ist ein Mitglied der Ruhmeshalle. Und was die Arbeitsplatzsicherheit angeht, so ist davon auszugehen, dass er so lange einen Platz in der UFC haben wird, wie er möchte.

Mit anderen Worten: Hätte er gegen Gracie und Almeida verloren oder würde er am Samstag bei UFC 123 den dritten Kampf gegen BJ Penn verlieren, würden seine bisherigen Errungenschaften nicht gelöscht werden. Nur wenige Kämpfer haben dieses Gefühl, diesen Luxus, der Freiheit. Es sorgt dafür, dass man in der Woche vor dem Kampf und während des Kampfes nur eines hat: Spaß.

„Vielleicht spielt sich das alles in meinem Unterbewusstsein ab, denn ich selbst denke nicht über so etwas nach“, sagt Hughes auf die Frage, ob er jetzt jeden Augenblick, den er noch im Octagon verbringt, genießen kann, weil er sich nicht mehr um sein Vermächtnis kümmern muss. „Ich versuche einfach mit meinen Trainingspartnern Spaß zu haben und im Octagon mit meinem Gegner Spaß zu haben. Deswegen kämpfe ich immer noch und deswegen habe ich immer noch ein Lächeln im Gesicht, wenn ich morgens aufstehe. Mir macht das alles immer noch Spaß: das Trainieren, das Reisen und das Kämpfen.“

Neben dem ganzen Spaß hat Hughes aber heimlich, still und leise auch noch eine Serie von drei Siege in Folge gegen erstklassige Gegner eingefahren. So etwas hatten nicht mehr viele von ihm erwartet, seit er zwischen den Jahren 2006 und 2008 drei von vier Kämpfen verloren hatte. Obwohl er eigentlich vorhatte, nach dem Aufgabesieg gegen Almeida bei UFC 117 im August sich den Rest des Jahres frei zu nehmen, bekam er kurz darauf einen Anruf von einem alten Freund.

„Dana White bot mir diesen dritten Kampf gegen Penn an“, erzählt Hughes. „Ich wollte immer noch einen dritten Kampf gegen BJ bestreiten, daher habe ich meine Vorhaben verschoben und den Kampf angenommen. Das macht mir nichts aus, denn ich will diesen Kampf und BJ will ihn auch. Ich denke, dass es ein Kampf ist, den auch die Fans sehen wollen.“

Sie wollen ihn sehen. Die Aufregung um den Co-Hauptkampf von UFC 123 wurde diese Woche von Tag zu Tag größer. Die Fans wollen wissen, ob sich Hughes‘ guter Lauf fortsetzen wird oder ob Penn nach zwei Niederlagen in Folge in die Erfolgsspur zurückkehren kann. Das wichtigste ist aber, dass dieser Kampf für eine endgültige Entscheidung sorgen wird. Denn während Penn ihren ersten Kampf im Jahr 2004 gewann, glich Hughes zwei Jahre später im Jahr 2006 aus. Vier Jahre sind im Kampfsport eine lange Zeit. Obwohl er den Rückkampf nach einer eindrucksvollen Leistung durch TKO in Runde drei gewann, glaubt Hughes, dass er beim dritten Mal noch eins draufsetzen kann.

„Ich denke, dass ich eine noch viel bessere Leistung abliefern kann“, sagt er. „Am Ende der zweiten Runde hatte er mich in einem gefährlichen Würgegriff. Und auch in Runde eins lief es ganz gut für ihn. Es gibt also noch Verbesserungspotential. Und jeder will den dritten Kampf sehen, denn wenn ich ihn gewinne, ist es so, als hätte ich alle drei Kämpfe gewonnen. Aber wenn ich verliere, ist es so, als hätte ich alle drei Kämpfe verloren. So sehe ich das zumindest.“

Ein Sieg im dritten Kampf würde auch alle Unklarheiten bezüglich seines Sieges im zweiten Kampf beseitigen. Damals behauptete Penn, dass eine in der zweiten Runde erlittene Rippenverletzung ihn in der dritten Runde am Kämpfen hinderte.

„Ich höre nie darauf, was Kämpfer nach einer Niederlage sagen“, erzählt Hughes. „Aber wenn BJ beim letzten Kampf eine Rippenverletzung hatte, dann will ich ihn definitiv besiegen, wenn er zu 100 Prozent gesund ist. Ich will, dass er nach der Niederlage keine Ausreden hat.“

Zu mehr lässt sich Hughes vor dem Kampf nicht hinreißen. Beide haben großen Respekt voreinander. Als ich kürzlich Penn zu seinen Gedanken über Hughes befragte, antworte der „Prodigy“ nur: „Ich mag Matt Hughes. Er ist ganz okay.“ Vielleicht liegt es daran, dass sie jetzt älter und weiser sind, oder dass sie wissen, dass sich diese Begegnung auch ohne zusätzliche Wortgefechte verkaufen lässt.

Ich persönlich denke, dass Hughes und Penn im anderen viel von sich selbst sehen. Sie sind beide Spitzensportler und hervorragende Kämpfer. Beide haben in diesem Sport Höhen und Tiefen erlebt. Hughes war schon einmal dort, wo sich Penn gerade befindet, auch er musste sich nach zwei Niederlagen in Folge wieder zurückkämpfen. Wenn man nicht wüsste, dass sie am Samstag versuchen werden, sich gegenseitig ins Gesicht zu schlafen, könnte man sie fast als Seelenverwandte beschreiben.

„Ich habe schon zweimal in meiner Karriere zwei Kämpfe hintereinander verloren. Man muss einfach wissen, dass man die Fähigkeiten hat, weiterzumachen und als nächstes einen Sieg einzufahren und man das Blatt wenden kann“, sagt Hughes. „Das  kann zu jeder Zeit passieren. Als BJ vor zwei Monaten diesen Kampf annahm, hätte er schon seine Gedanken gerade rücken und eine gute Strategie zusammenstellen können. Deswegen bereite ich mich darauf vor, gegen den besten BJ Penn anzutreten.“

Hughes ist dem besten Penn bereits gegenüber gestanden, aber er weiß auch, dass es noch einen anderen Penn gibt.

„Gegen Kämpfer wie Kenny Florian und Sean Sherk hatte BJ großartige Strategien und er war in großartiger Form und er sah wirklich gut aus“, sagt Hughes. „Aber dann gab es auch andere Vorstellungen von ihm, zum Beispiel die im ersten Kampf gegen Frankie Edgar. Edgar konnte sich viel bewegen und um ihn herumtanzen. Es hängt davon ab, welcher BJ auftaucht – derjenige mit einer intelligenten Strategie und einem guten Trainingslager oder derjenige, der denkt, er könnte mit seinem Talent allein gewinnen. Es wird interessant zu sehen sein, gegen welchen BJ Penn ich antreten werde.“

Dessen ungeachtet wissen wir, welchen Matt Hughes wir sehen werden. Einen verjüngten, motivierten, gut vorbereiteten Matt Hughes, der – ihr wisst, was jetzt kommt – einfach noch ein bisschen Spaß haben will.

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