Bei TUF 25 geht’s um die zweite Chance

Ein Kampf kann in der Welt des Kampfsports alles entscheiden – im Guten wie im Schlechten. Er kann aus einem Außenseiter einen Weltmeister machen oder einen Weltmeister in ein tiefes Loch stürzen, aus dem er nie wieder herausklettern wird. Aus diesem Grund verfolgen so viele von uns diesen Sport – abgesehen von der Möglichkeit, dabei zusehen zu können, wie sich Weltklassesportler miteinander messen.

Das ist nicht wie Fußball, wo ein Stürmer nach einem verpassten Elfmeter eine Woche später wieder den Siegtreffer erzielt. Im Kampfsport kann eine Niederlage einen Kämpfer monatelang beschäftigen – manchmal sogar für immer. Und dieser Kämpfer erhält vielleicht nie eine zweite Chance, eine Chance auf Wiedergutmachung, eine Chance, sich zu rehabilitieren.

Joe Stevenson kennt dieses Gefühl besser als die meisten. Als er im Januar 2008 bei UFC 80 ins Octagon stieg, war er nur einen Sieg davon entfernt, der neue Weltmeister im Leichtgewicht zu sein. Es war der Höhepunkt einer ungewöhnlichen Reise, die 2005 begonnen hatte, als er an der zweiten Staffel von „The Ultimate Fighter“ teilnahm.

Damals war der MMA-Sport gerade erst dabei, im amerikanischen Mainstream Fuß zu fassen – dank der ersten Staffel von „The Ultimate Fighter“ und dem denkwürdigen Finalkampf zwischen Forrest Griffin und Stephan Bonnar. Griffin kam mit einer Bilanz von 9-2 in die Reality-Show und hatte bereits gegen Veteranen wie Dan Severn, Jeff Monson, Chael Sonnen und Jeremy Horn gekämpft. Allein vom MMA-Sport konnte man damals kaum leben und so bereitete sich Griffin gerade auf eine Karriere im Polizeidienst vor, ehe „TUF 1“ sein Leben für immer veränderte.

Stevenson ging es ähnlich. 2005 war er 22 Jahre alt, machte gerade eine Scheidung durch und arbeitete in einer Reifenfabrik. Er hatte bereits eine unglaubliche Kampfbilanz von 23-6, aber er hatte seit Februar 2004, einem Aufgabesieg über Joe Camacho, nicht mehr gekämpft. Es war sein achter Sieg in Folge, aber – wenn es nach ihm gegangen wäre – auch sein letzter Kampf.

„Ich hatte mit dem Kämpfen abgeschlossen, mein Gym verlassen und in meinem Leben ging es drunter und drüber – inklusive Scheidung“, erzählte er mir 2005. „Ich arbeitete in einer Reifenfabrik und schleppte Reifen durch die Gegend. Das war für mich alles sehr frustrierend.“

Die Reality-Show „The Ultimate Fighter“ räumte Stevenson eine zweite Chance ein: mit einem Haufen Kämpfer, die sich in ähnlichen Situationen befinden, in einem Haus wohnen, gemeinsam trainieren, gegeneinander kämpfen und am Ende womöglich einen UFC-Vertrag ergattern.

„Es gibt Dinge im Leben, zu denen man einfach nicht ‚Nein‘ sagen kann.“



Er sagte „Ja“, und nach Siegen über Marcus Davis, Jason Von Flue und Luke Cummo bekam er einen UFC-Vertrag und die Gelegenheit, seine MMA-Karriere fortzusetzen. Er gewann vier seiner nächsten UFC-Kämpfe und stand danach Penn im Duell um den vakanten Weltmeistertitel im Leichtgewicht gegenüber.

Penn erhielt damals nicht seine zweite, sondern seine dritte Chance, diesen Titel zu gewinnen. Es war die schönste Geschichte des Jahres 2008, aber für Stevenson hat sie eine Lawine des Unglücks losgetreten. Er gewann nur drei seiner nächsten neun UFC-Kämpfe, verlor am Ende viermal in Folge und wurde dann 2011 aus der UFC entlassen.

Mit 29 Jahren war er noch in der Lage, weiterzumachen – und das tat er. Doch nach Niederlagen gegen Dakota Cochrane und Dominique Robinson schien seine MMA-Karriere endgültig vorbei zu sein.

Aber das war sie dann doch nicht.

2016 siegte er in seiner Heimat Kalifornien zweimal hintereinander. Dann erhielt er einen Anruf. Es war derselbe Anruf wie 2005, ein Anruf, den auch Kämpfer wie Seth Baczynski, Jesse Taylor, Ramsey Nijem und Eddie Gordon erhielten. Ich habe nicht mitgehört, aber ich kann mir vorstellen, dass es sich in etwa so abspielte:

„Willst du eine Chance auf einen neuen UFC-Vertrag? Du musst nur sechs Wochen lang in einem Haus in Las Vegas leben und ein 16-Mann-Turnier gewinnen.“

Was Stevensons Antwort anbelangt, vermute ich, dass er dasselbe dachte wie vor zwölf Jahren.

„Es gibt Dinge im Leben, zu denen man einfach nicht ‚Nein‘ sagen kann.“

Also sagte er „Ja“, genau wie Baczynski, Taylor, Nijem, Gordon und die restlichen Teilnehmer von „The Ultimate Fighter 25“, der Jubiläumsstaffel von „TUF“, die den passenden Beinamen „Zweite Chance“ trägt.

Ab dem 19. April versuchen sie, aus ihrer zweiten Chance das Beste zu machen. Und genau deswegen werden wir zuschauen.

Samstag, Dezember 30
10PM/7PM
ETPT
Las Vegas, Nevada

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