Conor McGregor: Die Hoffnung einer Nation

„Outside the Octagon“ ist eine wöchentliche Kolumne von Thomas Gerbasi, dem Chefredakteur von UFC.com. Gerbasi berichtet seit 2000 über die UFC und verfasste die offizielle UFC-Enzyklopädie.
UFC featherweight Conor McGregorRückblickend hatte Thomas Egan keine Chance. Im Januar 2009 vertrat der 20 Jahre alte Ire sein Land bei UFC 93, der ersten UFC-Veranstaltung in seiner Heimatstadt Dublin. Man kann sich vorstellen, wie viel Druck auf den Schultern dieses jungen Mannes lastete, der erst 18 Monate zuvor seine Profikarriere begonnen hatte.

Egan, damals der jüngste Kämpfer in der UFC, hatte erst vier Kämpfe bestritten – das tat dem nationalen Hype um ihn jedoch keinen Abbruch, während er sich auf John Hathaway vorbereitete, der ebenfalls im Octagon debütieren sollte. Der „Hitman“ aus England war ebenfalls ein Neuling in der UFC, aber er hatte bereits zehn Profikämpfe hinter sich, einige davon bei Cage Rage, der damals größten MMA-Organisation in Großbritannien. Er kannte sich ein wenig mit professionellen Produktionen aus und war, auch aufgrund seiner ruhigen Persönlichkeit, von nichts um ihn herum sonderlich beeindruckt.

Dies zeigte sich bei der Pressekonferenz vor der Veranstaltung, als er grinsend neben all den Größen des Sports – Mark Coleman und die Hauptkämpfer Rich Franklin und Dan Henderson – auf dem Podium saß. Der Großteil der Fragen war natürlich an Egan gerichtet und der Ire verhielt sich ebenfalls wie ein erfahrener Profi.

Am Kampfabend ging für den Jüngling aus Dublin dann alles den Bach runter. Egan, der erst drei Jahre zuvor mit dem Training begonnen hatte, verlor gegen Hathaway in der ersten Runde – und damit war seine Karriere in der UFC auch schon vorbei.

Neben Egan traten der Nordire Colin Robinson und Stevie Lynch als Lokalmatadore auf. Sie gaben auf der größten Bühne des Sports ihr Bestes, aber ihnen war ebenfalls kein Sieg vergönnt, der ihre Karrieren und die irische MMA-Szene vorangetrieben hätte. Es war schon verwirrend, denn der Boxsport war seit jeher ein fester Bestandteil der irischen Sportkultur. Unzählige Weltmeister kamen in den vergangenen Jahrzehnten von der Grünen Insel, aber genau wie England erst auf der MMA-Landkarte erschien, als Michael Bisping die Tür eintrat, brauchte Irland eine Initialzündung. Nur wenige Menschen ahnten damals, dass diese in Form eines von Tom Egans Trainingspartnern kommen würde. Sein Name: Conor McGregor.

Im Januar 2009 hatte McGregor eine Profibilanz von 3-1 und kämpfte für das Team von John Kavanagh, welches laut McGregor „gerade mal aus drei Leuten“ bestand. Er war noch nicht auf dem Radar der UFC erschienen, er stand noch nicht einmal in Europa vor dem Durchbruch. Aber in seinem Kopf kämpfte er bereits auf den größten Bühnen Europas.

„Ich habe immer geglaubt, dass ich der Beste bin, ich habe immer geglaubt, dass vor jedem meiner Kämpfe ein großer Hype um mich gemacht wird, selbst wenn ich vor 20 Zuschauern in einer kleinen Turnhalle im Nirgendwo kämpfte“, erzählte McGregor mir im vergangenen Jahr. „Ich habe immer geglaubt, dass es um die Weltmeisterschaft geht.“

Letztendlich schloss McGregors Talent zum Umfang seiner Träume auf, und während er Sieg um Sieg erkämpfte, begann die Welt, auf ihn aufmerksam zu werden. 2013 verpflichtete ihn die UFC. Nach zwei Siegen, über Marcus Brimage und Max Holloway, führt er die „UFC Fight Night“ in Dublin am 19. Juli gegen Diego Brandao an. Bis hierhin war es für jeden eine stürmische und unglaubliche Reise – nicht aber für den Mann, der sich selbst „Notorious“ (dt.: berühmt-berüchtigt) nennt.

„Jetzt, da all diese Dinge tatsächlich passieren, fühlt es sich für mich völlig normal an“, sagte er. „Ich weiß, dass sobald sich die Tür des Octagons schließt, es an mir liegt, meine Leistung abzurufen. Ich vertraue auf meine Fähigkeiten und lasse nur noch mein kämpferisches Können sprechen.“

Manche sagen, der 25 Jahre alte Ire habe bislang mehr gesprochen als gekämpft, da er praktisch jeden großen Kämpfer aus seiner Gewichtsklasse bereits herausgefordert hat. Aber das ist ein Teil seines Charmes – und wie der UFC-Veteran Brandon Vera einst sagte, wenn man große Ankündigungen und Vorhersagen macht, dann muss man dafür am Ende aufkommen. McGregor hat kein Problem damit und er steckt vor nichts zurück.

In der heutigen Zeit ist es genau das, was die Welt dazu bewegt, kurz anzuhalten und einem zuzusehen. Irland hat McGregor zugesehen, und auch seinem Teamkollegen Cathal Pendred und den restlichen Mitgliedern des Straight Blast Gyms, wozu auch der UFC-Neuling Patrick Holohan und die „Ultimate Fighter 20“-Teilnehmerin Aisling Daly gehören. Aber jetzt, da ihnen die Aufmerksamkeit ihres Landes sicher ist, müssen sie auch Leistung bringen.

McGregor übernimmt dafür gerne die Verantwortung.

„Ich habe das Gefühl, dass jetzt die Zeit gekommen ist“, sagte er. „Die irische Öffentlichkeit hat gesehen, was ein wahrer Kampfkünstler ist und es hat das Herz einer Nation erobert. Jeder steht hinter mir und ich bringe jedes Mal eine ganze Nation mit ins Octagon. Das ist erst der Anfang und ich bin nur der Erste von vielen. Nach mir werden noch viele kommen. Ich sehe mir mein Gym an und merke, wie sehr sich alle gesteigert haben. Jeder ist fokussierter und engagierter. Der UFC-Traum ist real und in greifbarer Nähe. Den Jugendlichen, die gerade noch am Trainieren sind, ist ein Weg vorgegeben worden, dem sie folgen können. Dem Kampfsport sind in Irland keine Grenzen mehr gesetzt.“

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Sonntag, Oktober 26
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