Rivera genießt vor allem den Prozess

Eines Tages wird Jimmie Rivera ein paar Worte über sein Leben niederschreiben. Wenn er auf Weihnachten 2017 zurückblickt, werden diese Worte wahrscheinlich ein wenig schroff sein.

„Dieses Weihnachten war furchtbar“, sagte er. „Ich konnte weder kämpfen noch Zeit mit meiner Familie verbringen. Wir wollten das im Januar nachholen, mussten es aber auf mehrere Wochenenden verteilen, weil nicht jeder gleichzeitig Zeit hatte. Ich konnte nur hier und da ein paar Verwandte treffen.“

Jimmie Rivera at Fight Night Glasgow, 2015 (Photo by Josh Hedges/Zuffa LLC)Rivera, der in New Jersey lebt, war am 25. Dezember in Las Vegas, also genau am anderen Ende der USA. Fünf Tage später hätte er bei UFC 219 gegen Dominick Cruz kämpfen sollen, aber der musste aufgrund einer Verletzung absagen. Der Brasilianer John Lineker sollte Cruz ersetzen, zog sich aber eine Zahninfektion zu und wurde an Heiligabend aus dem Programm gestrichen. Kein Kampf, kein Weihnachten.

„Da kann man nichts machen“, sagte Rivera. „John Lineker war krank und musste sofort operiert werden. So etwas gehört zu unserem Geschäft leider dazu, man muss damit klarkommen.“

Aber wie kam Riveras Ehefrau Samantha mit der Situation klar?

Er lacht.

„Sie wuchs im Gym auf, sie begann schon im Alter von drei Jahren mit dem Training, also sogar noch vor mir“, sagte Rivera. „Ihr Vater hat mich bei meinem ersten Amateurkampf betreut. Ich kenne sie und ihren Vater seit ich ein kleines Kind war. Sie versteht das alles, da habe ich Glück gehabt.“

Riveras Fähigkeit, sowohl die Höhen als auch die Tiefen des Kampfsportgeschäfts zu akzeptieren, ist nicht überraschend, schließlich ist er ein Vollprofi – innerhalb und außerhalb des Octagons.

„Ich mache mir darüber keine Gedanken“, sagte er. „Ich trainiere bei Tiger Schulmann, seit ich ein kleines Kind war. Für mich geht es nur darum, hart zu arbeiten und den anderen Jungs zu helfen und für sie da zu sein.“

Für eine wahnsinnige Erfolgsserie von 20 Siegen in Folge muss man jeden einzelnen Tag alles geben. Aufgrund seiner Arbeitsmoral ist Rivera mit seinen 28 Jahren ein Vorbild, zu dem die anderen Kämpfer bei TS MMA aufblicken.

„Man muss nicht nur professionell, sondern auch hart trainieren und immerzu an sich arbeiten“, sagte Rivera. „Wir treiben uns gegenseitig an und helfen uns bei der Vorbereitung auf unsere Kämpfe. Wir sind mehr als nur ein Team, wir sind eine Familie. Wir haben ein richtig enges Verhältnis. Man darf anderen nicht nur sagen, was sie zu tun haben, man muss mit gutem Beispiel vorangehen.“

So wie es Rivera macht, die Nummer 4 im Bantamgewicht, die Freitagnacht im Hauptkampf der „UFC Fight Night“ in Utica, New York auf die Nummer 5 trifft, den Brasilianer Marlon Moraes. Es ist nicht nur ein Duell zwischen zweien der besten Bantamgewichte der Welt, sondern auch eine persönliche Auseinandersetzung, denn die beiden Kämpfer, die in New Jersey trainieren, haben sich monatelang verbal bekriegt.

„Das hat ein Feuer in mir entfacht“, sagte Rivera, der ursprünglich nicht an einem Kampf gegen Moraes interessiert war, sondern gegen jemanden antreten wollte, der in der Rangliste über ihm steht. Als die UFC ihm den Kampf anbot, nahm er ihn dennoch an.

„Marlon hat in der ‚World Series of Fighting‘ seine größten Erfolge gefeiert, aber diese Organisation gibt es mittlerweile nicht mehr“, sagte Rivera. „Seinen einzigen Kampf gegen jemanden aus der Top 5, Raphael Assuncao, hat er verloren. Er fuhr einen fragwürdigen Sieg gegen John Dodson ein und hat Aljamain Sterling mit Glück ausgeknockt. Freitagnacht wird er kein Glück haben. Ich werde nicht so leicht einknicken.“

Moraes ist genauso selbstbewusst und siegessicher wie er, aber Rivera glaubt, das läge an ein paar alten Sparringseinheiten und nicht an seinen letzten Leistungen im Octagon.

„Marlon meint, er könne mich besiegen, weil wir ein paar Mal miteinander trainiert haben“, sagte Rivera. „Er meint, ich werde genauso kämpfen wie damals vor zwei Jahren, als wir miteinander Sparring gemacht haben. Aber im Gym kämpfe ich anders als im Octagon. Da lege ich eine andere Einstellung an den Tag. Es gibt Trainingsweltmeister, die dann aber auf der großen Bühne versagen, sie sind nicht mehr derselbe Mensch wie im Gym. Was Marlon anscheinend nicht mitbekommen hat, ist, dass ich im Octagon total anders bin und anders kämpfe als im Training.“

Rivera scheint den Kampf gegen Moraes sehr persönlich zu nehmen – vielleicht sogar zu persönlich? Wird er dann im Octagon die Kontrolle über seine Emotionen behalten können? „El Terror“ gibt zu, dass er in seinem letzten Kampf – ein Punktsieg über Thomas Almeida – ein bisschen aufgebracht war.

„Ich versuchte, ihn auszuknocken“, sagte Rivera. „Ich klingelte ihn an und dachte dann, pack mich nicht, pack mich nicht, verdammt, er hat mich gepackt, ich konnte ihn nicht finalisieren. Ich führe im Kampf Selbstgespräche, gehe dann zu meiner Ecke und spreche mit ihnen über den Kampfverlauf. Dann kämpfe ich weiter und konzentriere mich auf meine Strategie. Ich bin immer voll dabei, nicht nur körperlich, sondern auch mental.“

Vor allem aber liebt es Rivera, zu kämpfen. Daran wird sich auch Freitagnacht nichts ändern.

„Ich denke, am wichtigsten ist, dass man es genießt“, sagte Rivera. „Es ist egal, ob man gewinnt oder verliert – die Menschen, die sich um dich sorgen, werden dich weiterhin lieben. Man muss also Spaß haben und es genießen. Solche Gelegenheiten hat man nur einmal im Leben, also muss man das Beste daraus machen. Ich trainiere wie ein Verrückter, aber ich habe immer Spaß daran.“

Die „UFC Fight Night“ in Utica, New York läuft in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni live auf UFC FIGHT PASS.

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