Shane Carwin tritt mit 38 zurück

Der ehemalige Interimsweltmeister im Schwergewicht hängt die Faustschützer an den Nagel.
Former interim UFC heavyweight champ Shane CarwinShane Carwin, ehemaliger Interimsweltmeister im Schwergewicht, ist am Dienstag im Alter von 38 Jahren zurückgetreten. Eines seiner größten Vermächtnisse ist, dass er während seiner relativ kurzen, aber sehr explosiven Karriere in der UFC nie einen langweiligen Kampf ablieferte.

Der Grund dafür ist nicht nur die Tatsache, dass ein Schlag mit einer seiner großen Fäuste einen Kampf jederzeit beenden konnte. Angesichts seiner Größe, Kraft und Athletik darf man nicht vergessen, dass er auch ein riesiges Kämpferherz hatte. Carwin war ein ehrgeiziger Wettkämpfer, der stets bereit war, einen Schlag einzustecken, um selbst einen zu landen. Manchmal, wie 2009 gegen Gabriel Gonzaga, funktionierte es – wenige Sekunden nachdem seine Nase brach, schlug er seinen Gegner KO. Manchmal, wie 2011 gegen Junior dos Santos, funktionierte es nicht – doch obwohl er von dem späteren Schwergewichtsweltmeister viele Schläge kassierte, dachte Carwin nicht daran, aufzugeben.

Am Dienstagabend twitterte Carwin: „Ich bin offiziell zurückgetreten. Danke an meine Familie, Freunde und Fans. Gott schütze euch alle!“ Er kehrt dem MMA-Sport nicht aufgrund einer Reihe von Niederlagen den Rücken oder weil er meint, nicht mehr mit den Besten der Welt mithalten zu können. Vielmehr scheint es so, als hätte sein Körper schlussendlich sein Herz und seinen Geist besiegt und die Entscheidung für ihn getroffen, wann der richtige Zeitpunkt ist, seine Karriere zu beenden.

Für Kampfsportinsider kommt das nicht überraschend, schließlich plagt sich Carwin seit Jahren mit ernsthaften Rücken- und Nackenproblemen herum, die zu Teilen bis zu seinen Tagen als College-Footballspieler zurückreichen, als schwere Rückenprobleme den zweifachen „Division II All-American“-Linebacker vom Western State College daran hinderten, in die NFL zu wechseln. Natürlich war der Verlust des American Football ein Gewinn für den MMA-Sport, denn Carwin, der in der Division II auch ein Landesmeister im Ringen war, widmete sich kurz darauf dem Kämpfen. Im Oktober 2005 debütierte er mit einem Erstrundensieg über Carlton Jones.

Schnelle Siege wurden zu Carwins Markenzeichen. Bis zu seinem Titelkampf gegen Brock Lesnar im Jahr 2010 hatte er nie die zweite Runde gesehen – und das war sein dreizehnter Profikampf. In den vorherigen zwölf Kämpfen zeigte sich immer wieder seine zerstörerische Kraft. Fünf dieser Kämpfe endeten innerhalb einer Minute.

2008 debütierte er in der UFC und knockte Christian Wellisch in 44 Sekunden aus. Nach ähnlich beeindruckenden Siegen über Neil Wain und Gonzaga traf er am 27. März 2010 auf Frank Mir. Drei Minuten und 48 Sekunden nach dem Ertönen der Ringglocke feierte Carwin seinen zwölften Sieg und den Gewinn der Interimsweltmeisterschaft.

Vier Monate später kam es zum Titelvereinigungsduell der Titanen: Carwin gegen Lesnar. Carwin klingelte Lesnar in der ersten Runde an und war kurz davor, den Kampf vorzeitig zu beenden, als er ihn auf dem Boden mit Ground and Pound bearbeitete. Nach dem Kampf sagte er zu mir: „Ich bin von dem Typ Kämpfer, der nicht versucht, Punkte zu erzielen, sondern der alles daran setzt, seinen Gegner auszuschalten.“

Mit einem vorsichtigeren Ringrichter wäre Carwin vermutlich mit dem Schwergewichtsgürtel nach Hause gegangen. Aber Josh Rosenthal gab Lesnar jegliche Möglichkeit, sich zu verteidigen und im Kampf zu bleiben – und genau das hat der Titelverteidiger getan.

„Rosenthal warnte Brock mehrere Male: ‚Brock, du musst mir etwas zeigen oder ich beende den Kampf!‘“, sagte Carwin. „Wenn man am Drücker ist und das hört, erhöht man den Druck, damit der Ringrichter eingreift und den Kampf beendet. Ich habe wirklich alles geben, aber es hat nicht für den Kampfabbruch gereicht.“

Dann rettete die Ringglocke einen angeschlagenen Lesnar. Eine Minute darauf begann die zweite Runde. „Ich hatte kein Benzin mehr im Tank“, gab Carwin zu. 2:19 Minuten nach Beginn der zweiten Runde zwang Lesnar einen entkräfteten Carwin mit einem Arm Triangle Choke zur Aufgabe.

Es war einer der denkwürdigsten Schwergewichtskämpfe aller Zeiten, doch Carwin konnte keinen direkten Rückkampf bestreiten, denn sein nächstes Duell musste er mit dem Skalpell eines Chirurgen ausfechten. Bei seiner Rückkehr verlor er eine drei Runden lange Schlacht gegen dos Santos. Es war sein letzter Kampf, denn anschließend musste er sich erneut einer Rückenoperation unterziehen, die ihn seitdem außer Gefecht gesetzt hat.

Entgegen manch anderer Kämpfer, die nicht wissen, was sie nach dem Ende ihrer Karriere mit ihrem Leben anfangen sollen, weiß Carwin ganz genau, wo für ihn die Reise hingeht. Der 38 Jahre alte Familienvater hat zwei Abschlüsse im Ingenieurswesen und arbeitet in seiner Heimat Colorado als Ingenieur. Bereits vor seinem Rücktritt bereitete er sich auf das „Leben danach“ vor. Jetzt, wo er mit einer Kampfbilanz von 12-2 gen Sonnenuntergang reitet, hat er nicht nur die Gewissheit, für seine Familie sorgen zu können, sondern auch, dass er eine Kämpferkarriere hinter sich lässt, auf die er stolz sein kann.

Aber oh, was werden wir seine Knockouts vermissen.

Samstag, Januar 3
10PM/7PM
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