„Shogun“ kümmert sich nicht um Cormier

Mauricio “Shogun” Rua hat im Laufe seiner illustren MMA-Karriere vielleicht noch nie in Europa gekämpft, aber Deutschland ist ihm nicht fremd. „Ich war tatsächlich schon hier, ich war in Berlin und München und freue mich sehr, jetzt in Hamburg zu sein“, so die Halbschwergewichts-Legende, die am Sonntag den Hauptkampf der UFC Fight Night Hamburg gegen Anthony Smith bestreiten wird.

Zwei Mal war Rua mit seiner Frau und seinem Bruder in Deutschland. „Das ist schon eine Weile her, ungefähr acht Jahre. Es war schön, ich wollte Deutschland immer schon besuchen. Es war ein tolles Erlebnis.“

Vor acht Jahren war “Shogun“ außerdem der Halbschwergewichts-Champion der UFC. Er verlor den Gürtel 2011 an einen jungen Senkrechtstarter namens Jon Jones und kam nie wieder in Reichweite seines alten Titels. Könnte Deutschland also als nostalgischer Glücksbringer fungieren und sein Kampf hier ein Zeichen sein, dass er bald an alten Ruhm wird anknüpfen können? Das könnte tatsächlich passieren, aber das ist nicht, was Rua gerade im Kopf hat.

„Ich werde kein weiteres Sightseeing hier machen können, ich werde direkt zurück nach Hause fliegen, weil ich wirklich keine Pläne für nach dem Kampf machen möchte“, sagt er. „Deswegen werde ich so früh wie möglich zurück nach Hause. Aber wer weiß, vielleicht komme ich eines Tages als Tourist zurück nach Hamburg.“

Aber das liegt in der Zukunft, und alles, was in der Zukunft liegt und nicht damit zu tun hat, am Sonntag ins Octagon zu steigen und dort gegen Anthony Smith zu kämpfen, blendet Rua dieser Tage aus. Nein, es kümmert ihn nicht wirklich, wohin ein Sieg am Sonntag ihn in der Rangliste führen würde und nein, er kümmert sich auch nicht allzu sehr um Daniel Cormier, den Mann, der heute auf dem Halbschwergewichts-Thron sitzt und zuletzt Schlagzeilen mit der Idee machte, seine letzte Titelverteidigung kommenden März gegen „Shogun“ zu bestreiten.

“Ich habe Cormiers Idee als Motivation gesehen, aber wie gesagt, daran darf ich jetzt nicht denken. Es ist unmöglich, daran zu denken, wenn ich jetzt so einen harten Gegner wie Anthony Smith habe. Ich fokussiere mich gerade zu einhundert Prozent auf ihn und dann nach dem Kampf kann ich an Cormier denken.“

Smith könnte für Rua ein versteckter Segen gewesen sein, nachdem der junge Veteran den früheren Titelherausforderer Volkan Oezdemir ein paar Wochen vor dem Kampfabend ersetzte. Anfangs schien der späte Gegnerwechsel eine nervige Ablenkung zu sein. Aber dann verletzte sich Oezdemir, der aus Hamburg nach Los Angeles abgezogen wurde, um dort im August gegen Alexander Gustafsson zu kämpfen. Jetzt steht Gustafsson ohne Gegner da, während Rua im Hauptkampf von UFC Hamburg doch noch einen Kontrahenten hat.

„Ich bin ein Christ, deswegen lege ich alles in Gottes Hände. Wer weiß (, ob der Wechsel etwas Gutes war). Wenn Gott es so wollte, dann war es vielleicht alles so gewollt. Ich ruhe in mir selbst und habe kein Problem (mit der Situation).“

Diese Ruhe allerdings wird spätestens am Sonntagabend ein Ende finden. Beide Hauptkämpfer sind sowohl für ausufernde, harte Standschlachten bekannt wie für schnelle, spektakuläre Knockouts. Deswegen ist kaum vorstellbar, dass ihr Meeting in der exklusivsten VIP-Lounge, die die Barclaycard Arena am Sonntag zu bieten hat, irgendetwas anders als eine gigantische Show werden wird.

„Er ist ein sehr zäher Kämpfer, er kämpft gerne im Thaiboxen, genau wie ich“, so Rua. „Er ist vor allem ein Standkämpfer, und ich ebenso, deshalb denke ich, dass es ein sehr unterhaltsamer Kampf werden wird.“

Das ist Motivation genug für den Brasilianer, den es nicht stört, dass er in seinen letzten Kämpfen die Attacken der nächsten Generation abwehren musste. Zuletzt bezwang er Corey Anderson und Gian Villante – beides junge Kämpfer, die sich einen Namen machen wollten, indem sie eine PRIDE- und UFC-Legende wie Rua besiegen.

„Meine ganze Karriere hindurch habe ich immer gegen die besten Gegner gekämpft“, so Rua. „Und diese Jungs, Corey Anderson, Anthony Smith – sie gehören zu den Besten. Sie sind sehr gute Kämpfer und ich kämpfe immer gegen die Besten. Für mich macht es daher keinen Unterschied.”

Allerdings kann schon eine einzige Niederlage gegen einen jungen, hungrigen Löwen die Fan-Gemeinde zu dem Schluss verführen, dass es an der Zeit ist, dem Sport den Rücken zu kehren oder dass dies schon vor Längerem hätte passieren sollen. Aber auch hier gilt: Solche Meinungen haben keine Auswirkungen auf seinen nächsten Kampf, und deswegen lässt sich Rua davon auch nicht ablenken.

(Photo by Buda Mendes/Zuffa LLC)“Ich finde, dass das eine sehr persönliche Frage ist. Jeder Kämpfer muss für sich selbst wissen, wann es an der Zeit ist, zurückzutreten und aufzuhören“, so der 36-Jährige, dessen Alter noch immer verblüfft, weil es scheint, als sei er schon seit einer Ewigkeit Teil des Sports. „Ich glaube, die Leute erwarten einfach eine Menge von mir. Sie erwarten immer das Beste, und manchmal, wenn du nicht das Beste ablieferst, dann denken sie, dass du am Ende bist.“

“Aber das ist auch irgendwo eine dumme Einstellung, den so funktioniert es nicht. Du wirst nie einen Arzt erleben, der eines Tages eine Operation nicht so perfekt ausführt wie zuvor und dann aus diesem Grund seinen Job nicht mehr machen will. Ich kann nachvollziehen, dass die Leute eine starke Meinung haben, aber ich glaube nicht, dass es hier Sinn macht. Ich glaube, dass das eine sehr persönliche Entscheidung ist.”

Und so wird „Shogun“ das tun, was er immer tut und ins Octagon steigen und seinen Fäusten das Reden überlassen. Und jetzt, wo er zurück ist in jenem Land, das er zuletzt als Weltmeister besucht hat, könnte ihm dieser Ort vielleicht als Glücksbringer dienen und ihn bald doch noch einmal dahin zurückführen, wo er einmal war: an die Spitze seiner Gewichtsklasse.

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