Anthony Smith besiegt seine Idole

Es war der größte Kampf in der Karriere von Anthony Smith. Kurz vor seinem Einmarsch bei UFC 225 fühlte er sich anders als vor seinen bisherigen Auftritten im Octagon. So anders, dass er sich daran erinnern musste, worauf er sich eingelassen hatte.

„Hör mir zu“, sagte er vor seinem Kampf gegen Ex-Weltmeister Rashad Evans zu sich. „Er kann dich besiegen.“

Smith lacht, wenn er an jenen Abend in Chicago zurückdenkt. Er unterschätzte Evans keineswegs. Doch dass er nicht mehr in der Mittelgewichtsklasse antrat und demzufolge nur wenig Gewicht abnehmen musste, brachte frischen Wind in seine wechselhafte Karriere.

„Irgendwas hat ‚klick‘ gemacht“, sagte Smith. „Ich denke, mein Wechsel in die Halbschwergewichtsklasse hat alles verändert. Wie viel sich verändert hat, merkte ich erst, als ich kämpfte. Ich spürte zum ersten Mal das Adrenalin. Ich war aggressiv und selbstbewusst.“

Das Ergebnis war ein Knockout in 53 Sekunden und das Ende von Evans‘ langer und erfolgreicher Karriere. Für Smith war es ein merkwürdiger Moment, denn einerseits freute er sich über seinen beeindruckenden Sieg, andererseits trübte der Rücktritt der lebenden UFC-Legende ein wenig seine Freude.

„Ich habe mich schon ein bisschen schlecht gefühlt, denn so sollte keine Karriere enden“, sagte Smith. „Aber andererseits habe ich drei Töchter und für die muss ich eben tun, was ich tun muss.“

Das ist der Kampfsport. Wenn ein Kämpfer zurücktritt, bekommt er keine goldene Uhr und keine Urkunde. Am Ende winkt meistens eine Knockout-Niederlage oder ein einseitiges Punkturteil. Smith weiß das und er weiß, dass es ihm eines Tages vielleicht auch so ergehen und ihm ein junger Senkrechtstarter die Grenzen aufzeigen wird.

„Ich freue mich nicht auf diesen Tag, aber es wird sich ein Kreis schließen, das habe ich auch nach dem Kampf gegen Rashad gesagt“, so Smith. „Man fragte mich, wie ich mich fühlen würde, weil ich nun der Mann bin, der Rashad in den Ruhestand geschickt hat. Darauf bin ich nicht stolz, wirklich nicht. So denke ich nicht über diesen Kampf. Ich weiß nämlich, dass ich eines Tages in seinen Schuhen stecken werde. Wenn ich in acht oder zehn Jahren noch kämpfe, wird es mir so wie ihm ergehen. Dann trage ich eben meinen Teil dazu bei, dass es weitergeht. Genau das hat Rashad mir nach dem Kampf gesagt. Er hat quasi den Stab an mich weitergereicht und er war froh, dass es jemand wie ich war, dem er ihn weitergereicht hat. Jeder ist diesem Sport etwas schuldig, das ist der Preis, den man bezahlen muss. Mir wird es irgendwann genauso ergehen, aber ich komme damit klar.“

Diese Art von Weisheit erwirbt man nicht über Nacht. Smith ist mit 29 Jahren noch jung, vor allem für die Halbschwergewichtsklasse, aber er kämpft bereits seit einem Jahrzehnt. Der US-Amerikaner hat als Profi bereits alle möglichen Höhen und Tiefen erlebt, die der MMA-Sport für seine Athleten bereithält.

„Ich hoffe, dass die nächsten zehn Jahre problemloser verlaufen als die ersten zehn“, sagte Smith mit einem Lachen. „Zuletzt lief es für mich zumindest deutlich angenehmer. Ich habe zwar einen Kampf verloren, aber damit komme ich klar.“

Die Niederlage, von der er spricht, kassierte er im Februar im „Kampf des Abends“ gegen Thiago Santos. Smith zeigte zwar eine gute Leistung, aber er merkte auch, dass es für einen 1,93 Meter großen Kämpfer ungünstig ist, auf 84 Kilogramm abzukochen. Der Energieverlust ist einfach zu groß. Als Halbschwergewicht mit 93 Kilogramm fühlt er sich nun so gut wie nie zuvor. Den ersten Ex-Weltmeister hat er in 53 Sekunden bezwungen, dem nächsten Ex-Weltmeister stellt er sich Sonntagabend im Hauptkampf der „UFC Fight Night“ in Hamburg entgegen.

Smith signs posters at Fight Night Hamburg check-ins, 2018.Smith hat das Duell gegen Mauricio „Shogun“ Rua kurzfristig angenommen. Er ersetzt den ausgefallenen Schweizer Volkan Oezdemir und nutzt somit die Chance, seine Karriere entscheidend zu verändern. Wenn er die brasilianische Legende genauso aus dem Weg räumt wie Evans, könnte er den Sprung ins Titelgeschehen schaffen.

„Wenn der Kampf die vollen 25 Minuten dauert, werden wir beide ein wenig Extrakohle verdienen“, sagte Smith mit einem Lachen. „Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass ich Shogun am Sonntag besiegen werde. Wenn ich am Montag aufwache, werde ich zwei meiner Idole innerhalb von zwei Monaten besiegt haben. Das ist absolut verrückt. Wenn ich an Shogun denke, dann denke ich an einen Kämpfer, dem ich schon immer zugesehen habe. Ich wollte so sein wie er. Ich bin kein großer Fan anderer Sportler, aber wenn ich fünf Kämpfer nennen müsste, von denen ich ein Fan bin, dann würde ich auf jeden Fall Shogun und Rashad nennen. Es ist einfach nur verrückt, dass ich mich nun in dieser Position befinde.“

Das Kampfsportgeschäft ist eben verrückt. Keinem ist das besser bewusst als Anthony Smith. Und je besser man mit dieser Verrücktheit zurechtkommt, umso größer stehen die Chancen, dass man es bis zum Weltmeister schafft.

„Ich will so viel erreichen, wie ich kann, so viel Geld verdienen, wie ich kann, einen Weltmeistertitel gewinnen und die Zukunft meiner Familie sichern“, sagte Smith. „Ich hatte nie das Ziel, der Größte aller Zeiten zu werden. Aber ich will Weltmeister werden. Die Frage, wer der Größte aller Zeiten ist, kann man nicht beantworten, da wird es immer unterschiedliche Meinungen geben. Aber wenn man Weltmeister ist – das kann einem niemand nehmen. Es ist der Beweis dafür, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt der beste Kämpfer auf diesem Planeten war. Und damit käme ich klar.“

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