Cub Swanson hat sich neu erfunden

Cub Swanson sagt in der Regel nicht sehr viel, er hält sich lieber zurück und lässt seine Leistungen im Octagon für sich sprechen. Aber wenn sich der Veteran einmal öffnet, muss man aufmerksam sein, denn er ist einer der aufrichtigsten Kämpfer in der UFC.

Der 33 Jahre alte US-Amerikaner kämpft seit über einem Jahrzehnt und ist mittlerweile in der Top 5 im Federgewicht, aber sein Weg bis dahin verlief alles andere als gerade. Er erlebte bereits berauschende Höhen und qualvolle Tiefen und all das verlieh ihm diese brutal ehrliche Perspektive, die er auch vor dem Hauptkampf der „UFC Fight Night“ in Nashville, Tennessee einnimmt, bei dem er in der Nacht zum 23. April auf Artem Lobov trifft.

„Als Kämpfer haben wir alle ein Ego“, sagte Swanson. „Es ist äußerst wichtig, dass man sich selbst richtig einschätzen und sagen kann: ‚Du hast dich selbst belogen‘, ‚Deine Trainer hypen dich zu sehr‘ oder ‚Du hast zu sehr auf die Fans gehört, die dich für unfehlbar halten‘.“

„Man muss alles aus jedem erdenklichem Blickwinkel betrachten und sich fragen: ‚Habe ich das falsch gemacht? Kann ich das besser machen?‘ Und dann muss man jeden Trainer und jede Person aus seinem Umfeld fragen: ‚Hat sich etwas verändert?‘ Es ist kompliziert und es kann einen innerlich zerreißen und daher musste ich mir eine Auszeit nehmen – um einen Plan zu erstellen, wie ich es besser machen kann.“

364 Tage nach seiner Niederlage gegen Max Holloway startete Swanson sein Comeback-Jahr im April 2016 mit einem einstimmigen Punktsieg über Hacran Dias. Vier Monate später gelang ihm dasselbe gegen Tatsuya Kawajiri. Und im Dezember 2016 besiegte er Dooho Choi in einem denkwürdigen Kampf bei UFC 206 in Toronto.

Nahezu jedes Kampfsportmedium wählte ihr episches Duell zum „Kampf des Jahres“. Mit seiner Leistung gegen Choi hat Swanson bewiesen, dass mit ihm immer noch zu rechnen ist.

Nach dem Kampf gegen Holloway waren seine Hand, sein Kiefer und sein Geist gebrochen. Er war sich nicht sicher, ob er noch ganz oben mithalten kann und ob er überhaupt weiterkämpfen solle. Zwei Jahre später befindet er sich wieder mitten im Titelgeschehen, nachdem er einen der aufregendsten Kämpfe aller Zeiten bestritten hat.

„2016 war ein großartiges Jahr für mich“, sagte Swanson. „Ich liebe diesen Sport, er ist seit 13 Jahren ununterbrochen ein Teil meines Lebens. Dieser Sport hat mir geholfen, der Mann zu werden, der ich heute bin.“

„Mir ist es wichtig, so lange zu kämpfen, wie ich will und mir ist es wichtig, der beste Kämpfer zu werden, der ich sein kann“, fügte Swanson hinzu. „Beinahe hätte ich früher aufgehört als nötig gewesen wäre, also musste ich mich neu erfinden, um weitermachen zu können.“

„In meinem Alter und mit meiner Erfahrung ist es ziemlich schwer, sich neu zu erfinden“, sagte Swanson weiter. „Ich bin stolz, dass ich das geschafft habe und ich bin stolz darauf, dass ich mich weiterentwickeln und verändern konnte. Ich finde, ich war noch nie ein besserer Kämpfer als jetzt.“

Cub Swanson and Doo Ho Choi react after their historic bout at UFC 206. Es ist gefährlich, einen Mann wie ihn herauszufordern. Swanson zeigte Choi bei UFC 206, dass man mit dem, was man sich wünscht, vorsichtig sein sollte, nachdem der „Korean Superboy“ wiederholt um einen Kampf gegen ihn gebeten hatte.

Und Choi hatte freundlich darum gebeten. Artem Lobov war nicht annähernd so höflich, als er einen Kampf gegen Swanson forderte – und er wurde auch nicht netter, nachdem sein Wunsch Anfang dieses Jahres erfüllt wurde.

„Es ist schon komisch. Ich respektiere seinen Mut, solch einen Kampf zu fordern, aber gleichzeitig finde ich die Art und Weise, wie er es gemacht hat, ziemlich respektlos“, sagte Swanson über Lobov. „Viele der Kämpfer, die schon lange dabei sind, finden so etwas schlecht. Mir ist es egal, wenn du etwas über mich sagst, das wahr ist. Was soll ich denn antworten, wenn es wahr ist? Aber wenn du Lügen über mich verbreitest, werde ich sauer.“

„An diesem Punkt in meiner Karriere habe ich keine Probleme mit anderen Menschen, aber wenn ich gutes Geld dafür bekomme, jemanden zu verhauen, der Scheiße über mich erzählt hat, dann habe ich auch damit keine Probleme“, fügte Swanson hinzu.

Ein Sieg über Lobov, der nicht einmal in der Top 15 im Federgewicht gelistet ist, würde nicht zu den größten Errungenschaften in Swansons Karriere zählen. Und doch wäre ein Sieg für ihn immens wichtig, denn er wird im Frühling und Sommer pausieren, weil er und seine Freundin Kenda Perez ihr erstes gemeinsames Kind erwarten.

„Das bedeutet mir alles“, sagte Swanson über die Aussicht, seine Auszeit mit einer Serie von vier Siegen in Folge und einem Platz in der Top 5 anzutreten.

„Das wahre Highlight meiner Karriere ist jeder Kampf, in dem ich die bestmögliche Leistung zeigen kann“, sagte Swanson. „Wenn ich eine Titelchance bekomme, ist das super. Darauf konzentriere ich mich. Vier Siege in Folge, danach eine Auszeit, die Geburt meiner Tochter und dann die Rückkehr mit einem neuen Vertrag und dem größtmöglichen Kampf. Ich weiß, dass das so kommen wird, wenn ich Samstagnacht eine starke Leistung abliefere.“

Die „UFC Fight Night“ in Nashville läuft in der Nacht zum 23. April live und exklusiv auf UFC FIGHT PASS.

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