Die zehn besten Damenkämpfe aller Zeiten

Mitte Mai steht das Bantamgewicht der Damen im Fokus der Aufmerksamkeit, wenn bei UFC 224 Weltmeisterin Amanda Nunes ihren Titel zum dritten Mal verteidigen will. Ihr gegenüber wird Raquel “Rocky” Pennington stehen, die ihre aktuelle Siegesserie auf vier Erfolge am Stück ausweitete, als sie bei UFC 205 Miesha Tate bezwang.

Bevor Nunes und Pennington am 12. Mai in Rio de Janeiro ins Rampenlicht treten, ist es an der Zeit, einen Blick zurück auf einige der besten Damenkämpfe zu werfen, die je im Octagon stattgefunden haben.


Dies sind die zehn besten Damenkämpfe in der Geschichte der UFC.

Ronda Rousey vs. Liz Carmouche (UFC 157)

Der erste Frauen-Kampf in der Geschichte der UFC – die Ankunft Ronda Rouseys auf der größten Bühne, die der MMA-Sport zu bieten hat, war ein Kult-Moment und einer der Knackpunkte, was das Wachstum und die Entwicklung der Liga angeht. Als der Kampf begann, sah es allerdings kurzzeitig nicht danach aus, als ob die ungeschlagene Weltmeisterin einen allzu langen Lauf als Champion vor sich haben würde.

Genauso, wie sie es bei Strikeforce gegen Top-Gegnerinnen wie Marloes Coenen und Sarah Kaufman getan hatte, versuchte Carmouche im Octagon, Rousey an ihre Grenzen zu bringen und wurde im Zuge dieses Versuchs die erste Gegnerin, die die frühere Olympia-Medaillengewinnerin ernsthaft in Bedrängnis bringen konnte.

Früh im Kampf sicherte Carmouche sich Rouseys Rücken und setzte zu einem Genickhebel an, der die Fans in der Halle dazu brachte, an die Kanten ihrer Sitze zu rutschen und Rousey in die Defensive zwang. Die Weltmeisterin entkam jedoch und schaffte es schließlich, den Spieß umzudrehen und ihren ersten Kampf im Octagon genauso zu beenden wie jeden ihrer vorherigen fünf Auftritte – mit einem Aufgabe-Sieg durch einen Armhebel, noch bevor die erste Runde vorbei war.

Cat Zingano vs. Miesha Tate (The Ultimate Fighter 17 Finale)

Der erste UFC-Kampf im Bantamgewicht der Damen wird wegen seiner historischen Relevanz in Erinnerung bleiben, der zweite dagegen, weil er schlicht großartig war. Mittlerweile ist es knapp fünf Jahre her, dass diese beiden Frauen sich in Las Vegas im Käfig gegenüberstanden, und es ist vielleicht bis heute der beste Damen-Kampf, der je im Octagon stattgefunden hat.

Das Duell war eine so emotionale wie intensive Angelegenheit für Zingano, die während ihres Walkouts weinte, bevor sie rechtzeitig für die bevorstehende Schlacht ihre Fassung wiedergewann. Die ehemalige Strikeforce- und UFC-Weltmeisterin Tate dagegen präsentierte sich so bereit und fokussiert wie eh und je und ging anschließend auch im Laufe der ersten beiden Runden knapp in Führung. Im dritten Durchgang allerdings übernahm Zinganos wilde Seite das Ruder.

Ein früher Takedown schuf für sie die Chance, Bewegung in den Kampf zu bringen und Tate mit Schlägen einzudecken, die aber nicht umsonst für ihr Kämpferherz bekannt ist und sich durch das Feuer zurück auf die Beine kämpfte. Just in diesem Moment allerdings schickte Zingano sie mit mehreren Kniestößen rücklings auf die Bretter und sorgte damit für das so plötzliche wie dramatische Ende dieses Kampfes.

Joanna Jedrzejczyk vs. Claudia Gadelha (UFC on FOX: Dos Santos vs. Miocic)

Vielleicht kennt der eine oder andere das Gefühl, frühe Filme von heute weltweit bekannten Filmemachern zu schauen und dabei zu entdecken, dass diese schon vor ihrem großen Durchbruch genial waren. Das ist ungefähr die Rolle, die aus meiner Sicht dieser Kampf in Joanna Jedrzejczyks Karriere spielt.

Etwas versteckt im Vorprogramm jenes Abends, sollten sich sowohl Jedrzejczyk als auch Gadelha später einen Ruf als zwei der besten weiblichen MMA-Kämpferinnen der Welt und große Stars in der UFC erarbeiten. Ende 2014 in Phoenix, Arizona allerdings waren beide noch vergleichsweise unbeschriebene Blätter, die sich einen Kampf lieferten, der derart auf Augenhöhe verlief, dass noch heute über das Ergebnis diskutiert wird.

Jedrzejczyk bekam nach drei Runden den geteilten Punktsieg zugesprochen und kämpfte wenige Monate später bereits um den Titel im Strohgewicht. Gadelha nahm die kontroverse Niederlage nicht gut auf, was die Grundlage legte für eine hitzige Rivalität zwischen den beiden Damen, die 18 Monate später im Octagon in die nächste Runde ging.

Holly Holm vs. Ronda Rousey (UFC 193)

Mit zwölf aufeinanderfolgenden Siegen im Rücken, sechs davon Titelverteidigungen in der UFC, von denen sie vier in insgesamt zwei Minuten und zehn Sekunden beendete, ging Ronda Rousey im November 2015 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in ihr Duell mit Holly Holm. Mittlerweile war sie auch der breiten Öffentlichkeit in den USA ein Begriff, so hatte sie den Kampf gegen Holm in der populären TV-Show Good Morning America angekündigt.

Im Etihad Stadium in Melbourne, Australien hatte sich das größte Publikum in der Geschichte der UFC versammelt, als Rousey ins Octagon stürmte, um Holm zu ihrer Liste besiegter Kontrahentinnen hinzuzufügen. Die ehemalige mehrfache Box-Weltmeisterin jedoch hatte andere Pläne.

Holms Rolle war die des Toreros, und sie spielte sie perfekt. Rouseys aggressive Attacken konterte Holm mit beachtlicher Präzision und frustrierte die bis dahin so dominante Weltmeisterin von der ersten Minute an. Schnell wurde offensichtlich, dass an der Spitze des Bantamgewichts der Damen ein Wachwechsel bevorstand. Weniger als eine Minute nach Start der zweiten Runde schockte Holm dann auch ganz offiziell die Kampfsportwelt, als sie Rouseys Zeit als Weltmeisterin mit einem krachenden High Kick abrupt beendete.

Ebenso wie Rouseys erster UFC-Kampf war auch derjenige, in dem sie vom Thron gestoßen wurde, ein “Wo warst du, als”-Moment. Der Vollständigkeit halber: Ich war Zuhause und habe ehrfürchtig auf den Fernseher gestarrt, so wie jeder andere.

Miesha Tate vs. Holly Holm (UFC 196)

Obwohl dieser Kampf als einer der überraschendsten Comeback-Siege in der Geschichte der UFC gilt und einen Titelwechsel nach sich zog, wurde er ein wenig davon überschattet, dass direkt anschließend Conor McGregor und Nate Diaz in den selben Käfig stiegen und einen weiteren erinnerungswürdigen Kampf mit einem überraschenden Ende ablieferten.

Trotzdem: Tates Sieg gegen Holm in einem Kampf, den sie bis dahin am Verlieren war, repräsentiert ihre Karriere perfekt. Der Sieg war nämlich das Ergebnis schierer Entschlossenheit und ihres Kämpferherzens… Und auch das eines ziemlich gut sitzenden Rear Naked Chokes.  

Zu Beginn der fünften Runde führte Holm auf den Punktrichterzetteln mit 3:1 und hatte den Kampf höchst erfolgreich auf den Beinen gehalten. Mit genügend Distanz zwischen den beiden konnte Holm die meisten Schlagwechsel für sich entscheiden und Tate von sich fernhalten. In der Runde, in der ihr das nicht gelang, übernahm jedoch Tate auf der Matte die Kontrolle, setzte Holm unter Druck und suchte nach der Gelegenheit für einen Würgegriff.

Knapp zwei Minuten vor Ende des Kampfes zog Tate Holm zu Boden und schien an ihrem Rücken festzukleben, als die sich befreien wollte. Als Holm wieder auf den Beinen war, schob Tate ihren Unterarm unter das Kinn ihrer Kontrahentin und gab die Kontrolle auch dann nicht auf, als Holm noch versuchte, sie abzuschütteln. Beim Fall auf die Matte gelang es Tate, den Griff noch fester zuzuziehen – nur 90 Sekunden vor Kampfende verlor Holm das Bewusstsein und hatte Tate eines der unwahrscheinlichsten Comebacks der UFC-Geschichte hingelegt.

LAS VEGAS, NV - MARCH 05: (L) <a href='../fighter/Valentina-Shevchenko'>Valentina Shevchenko</a> and Amanda Nunes raise their hands after their bantamweight bout during the UFC 196 event inside MGM Grand Garden Arena on March 5, 2016 in Las Vegas, Nevada. (Photo by Josh Hedges/Zuffa LLC/Zuffa LLC via Getty Images)

Amanda Nunes vs. Valentina Shevchenko (UFC 196)

Tates Kampf gegen Holm wurde ein wenig vom nachfolgenden Diaz-McGregor-Kampf und der darauffolgenden Rivalität der beiden überschattet. Dieser Kampf dagegen war als Eröffnungskampf von UFC 196 von Beginn an aus öffentlicher Sicht untergegangen – das ändert aber nichts daran, dass er ein großartiges Duell auf Augenhöhe war.

Nunes hatte zuvor zwei Kämpfe in Folge gewonnen und dabei ihre Schlagkraft unter Beweis gestellt, die das Potential hat, Kämpfe zu beenden. Shevchenko dagegen hatte gerade ohne viel Vorbereitungszeit ihr UFC-Debüt nach Punkten gegen die frühere Strikeforce-Weltmeisterin Sarah Kaufman gewonnen. Nunes erwischte dann bei UFC 196 den besseren Start und ging in Führung, indem sie das Geschehen im Grappling kontrollierte und den UFC-Neuling gehörig unter Druck setzte.

In der dritten Runde allerdings schaltete Shevchenko einige Gänge auf einmal hoch, sicherte sich einen Takedown und bearbeitete die sichtlich müde gewordene Brasilianerin bis zum Ende des Kampfes. Zwar wurde Nunes zu Recht der knappe Punktsieg zugesprochen, aber das einhellige Urteil in der Pressereihe war, dass sich die Dynamik deutlich zugunsten Shevchenkos gewendet hatte und das Ergebnis ein anderes hätte sein können, wäre es ein Fünf-Runden-Kampf gewesen.

Dieses Szenario wurde schließlich eineinhalb Jahre später Realität, nachdem Nunes sich den Titel gesichert hatte und Shevchenko ihren Platz als Herausforderin. Bei UFC 215 in Edmonton, Kanada verteidigte “Die Löwin” ihren Titel per geteiltem Punktentscheid nach 25 Minuten.

Joanna Jedrzejczyk vs. Claudia Gadelha II (The Ultimate Fighter 23 Finale)

Ihr erstes Duell fand im Halbdunkel der Vorkämpfe statt. Der Rückkampf dagegen hatte als Hauptkampf die Aufmerksamkeit der ganzen MMA-Welt sicher und enttäuschte nicht: Die zweite Auflage, dieses Mal mit einem Titel im Spiel, entpuppte sich als einer der besten Kämpfe aller Zeiten.

Gadelha startete den Kampf hart und schnell und setzte Jedrzejczyk die ersten zehn Minuten lang mit starkem Grappling und guten Fäusten unter intensiven Druck. Auch die Startphase der mittleren Runde wurde von der Herausforderin kontrolliert, Jedrzejczyk aber befreite sich aus dem Griff ihrer Gegnerin, verlagerte den Kampf mit neuem Selbstbewusstsein zurück in die Mitte des Käfigs und bedeutete der Brasilianerin, sich auf den Beinen mit ihr zu messen.

Dieser Moment sollte sich als Wendepunkt herausstellen, denn von da an übernahm Jedrzejczyk völlig die Kontrolle, behielt die Distanz zu Gadelha bei und beendete den Kampf als einstimmige Punktsiegerin. Damit stand und steht es 2:0 im direkten Duell der beiden Rivalinnen.

Jessica Andrade vs. Angela Hill (UFC Fight Night: Bermudez vs. Korean Zombie)

Obwohl sie am Super-Bowl-Wochenende den ersten Kampf des Hauptprogramms von UFC Austin bestritten, stahlen die beiden Top-Strohgewichte Andrade und Hill gemeinsam die Show, indem sie 15 Minuten an Non-Stop-Action und damit einen der besten Kämpfe des vergangenen Jahres ablieferten.

Nach einem soliden Lauf im Bantamgewicht hatte Andrade sich auch im Strohgewicht als Wucht herausgestellt und vorzeitige Siege gegen Jessica Penne sowie Joanne Calderwood geholt. Hill dagegen kehrte nach vier Siegen bei Invicta FC im Vorjahr, unter die der Gewinn des Strohgewichtstitels samt dessen erfolgreicher Verteidigung fallen, in die UFC zurück.

Die beiden schlugen sich von Beginn an die Fäuste um die Ohren und nahmen nie den Fuß vom Gas. Andrade machte durchweg Druck (wie man es eben von ihr kennt), Hill weigerte sich, nachzugeben (wie man es eben von ihr kennt). Das führte zu einem extrem unterhaltsamen Kampf, den die Brasilianerin nach Punkten gewann und ihr einen Titelkampf einbrachte. Hill dagegen bekam endlich die überfällige Anerkennung als eines der besten Talente der Gewichtsklasse.

Marion Reneau vs. Sara McMann (UFC on FOX: Emmett vs. Stephens)

Der erste von zwei Kämpfen aus dem aktuellen Jahr, die auf dieser Liste stehen, Reneaus Sieg gegen McMann, lässt sich am besten aufgeteilt in zwei Kämpfe erzählen.

Im ersten Akt überzeugte die Olympia-Silbermedaillengewinnerin und ehemalige Titelherausforderin mit völliger Kontrolle. McMann brachte Reneau innerhalb einer Minute auf die Matte und sorgte dafür, dass sie dort auch blieb. Aus der Position Mounted Crucifix heraus dominierte McMann das Geschehen beinahe drei Minuten lang.

BROOKLYN, NEW YORK - APRIL 07: <a href='../fighter/Rose-Namajunas'>Rose Namajunas</a> celebrates after her victory over Joanna Jedrzejczyk in their women's strawweight title bout during the UFC 223 event inside Barclays Center on April 7, 2018 in Brooklyn, New York. (Photo by Jeff Bottari/Zuffa LLC/Zuffa LLC via Getty Images)Im zweiten Akt jedoch gelang es Reneau, den Kampf auf den Beinen zu halten, dann rüttelte sie McMann mit einer Rechten gehörig durch und löste damit den verzweifelten Versuch eines Rettungs-Takedowns bei ihrer benommenen Gegnerin aus. McMann gelang es zwar, Reneau auf ihren Rücken zu befördern, von dort aus setzte die 40-Jährige aber sofort zum Triangle Choke an. McMann musste gleichzeitig den Würger und eine Reihe an Ellbogenstößen verteidigen, während Reneau den Griff zuzog. McMann klopfte ab und krönte das Comeback ihrer Gegnerin mit einem imposanten Erfolg.

Rose Namajunas vs. Joanna Jedrzejczyk (UFC 223)

Nachdem sie Jedrzejczyk bei UFC 217 vom Strohgewichts-Thron entfernt hatte, fragten sich viele Beobachter, ob Namajunas‘ Knockout-Sieg ein Produkt der Umstände gewesen war – einer dieser Fälle, in denen beim einen einfach alles stimmt, während der andere mit weniger als der vollen Leistungsfähigkeit ins Octagon steigt.

Fünf Monate später bewies Namajunas, dass man sie durchaus rechtmäßig Weltmeisterin nennen darf. Bei UFC 223 startete sie gut und schloss stark ab, was zu ihrer ersten erfolgreichen Titelverteidigung führte.

Die langfristige Bedeutung und der Einfluss auf das weitere Geschehen in der Gewichtsklasse bleiben fürs Erste unbekannt, immerhin ist der Kampf erst wenige Wochen alt. Abseits aller längerfristigen Auswirkungen aber war der Kampf ein herausragendes Duell, der Namajunas‘ Status an der Spitze der Gewichtsklasse zementierte und ihre Eignung als Titelträgerin eindrucksvoll unter Beweis stellte. Je nachdem, was in nächster Zeit noch alles passiert, könnte diesem Kampf aber bald auch noch weitaus größere Bedeutung beigemessen werden.

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