Usman kämpft vor allem gegen Frust

Angesichts all der Schwierigkeiten, die Kamaru Usman häufig damit hat, einen passenden Gegner zu finden, wurde er schon häufiger scherzhaft mit der Aussage beschwichtigt, dass es in Florida für ihn notfalls immer noch das Golfspielen gäbe.

Usman lacht und erinnert sich, welchen Sport sein Vater für ihn vorgesehen hatte, als das spätere Top-UFC-Weltergewicht ein Teenager war.

„Als ich jünger war und mir einen Sport in der High School aussuchen sollte, hat mein Vater alles versucht, um mich für Baseball zu begeistern. Ich habe daran aber einfach kein Gefallen finden können, und jetzt beiße ich mir dafür in den Allerwertesten (lacht). Wenn ich nur all diese Zeit in Baseball-Training investiert hätte…“

Die Florida Marlins könnten sicherlich einen Power Hitter in ihren Reihen gebrauchen, aber allem Anschein nach wird Herr Usman dem MMA-Sport noch eine Weile erhalten bleiben, denn mit Demian Maia hat er schlussendlich doch noch einen Tanzpartner für den Hauptkampf der UFC Fight Night in Chile am Samstag gefunden.

In vielerlei Hinsicht ist das sogar noch ein besseres Szenario für Usman als das ursprüngliche, in dem er auf den auf Platz zehn der offiziellen Rangliste gesetzten Santiago Ponzinibbio hätte treffen sollen. Der Argentinier aber verletzte sich und wurde durch Maia ersetzt, der auf Rang fünf gelistet ist. Vom ersten zum zweiten Szenario zu gelangen, war für den 31-Jährigen ein holpriger Weg. Von dem Moment an, in dem Ponzinibbio seine Unterschrift unter den Kampfvertrag setzte, hat Usman das Gefühl nicht mehr losgelassen, dass das alles nicht so laufen würde wie geplant.

„Da war einfach etwas in der Luft, ich konnte es fühlen“, so Usman. Dabei hatten die beiden sogar schon gemeinsam eine Presse-Tour absolviert und schienen bereit, sich an diesem Wochenende in Santiago zu messen.

„Sechs Wochen vor dem Kampf dachte ich ‚Okay, er ist noch da, der Kampf wird steigen‘“, so Usman. „Dann waren es noch vier Wochen, und ich bekam ein komisches Gefühl. Dann entdecke ich einen verpassten Anruf meines Managers (Ali Abdelaziz). Ich habe ihn zurückgerufen, und da schon sind mir all diese Gedanken durch den Kopf geschossen.“

„Schlechte Neuigkeiten“, eröffnete Abdelaziz ihm. „Ponzinibbio ist raus.“

Usman versetzte sich sofort in die Rolle der UFC, und die Optionen für einen Ersatz waren bei weitem nicht so zahlreich, wie er sich erhofft hatte.

„Ich bin den Kader durchgegangen und dachte nur, dass es keine Chance gibt, irgendjemanden in den Top 15 zu bekommen“, so Usman. „Keine Chance. Die eine Hälfte der Jungs war bereits eingeplant, die andere Hälfte entweder verletzt oder unauffindbar.“

Das ist seit einigen Jahren nichts Neues für Usman. Als der Sieger der 21. „The Ultimate Fighter“-Staffel 2015 zum ersten Mal ins Octagon stieg, war „The Nigerian Nightmare“ ein recht ungeschliffenes Talent, aber mit Weltklasse-Potential. Und während ein Sieg auf den nächsten folgte, wurde schnell klar, dass er diesem Potential ziemlich schnell näherkam. Usman schlug talentierte Kämpfer wie Leon Edwards, Warlley Alves und Sean Strickland, andere Weltergewichte aber zeigten kein Interesse daran, sich dieser Liste hinzufügen zu lassen. Dann knockte Usman im September Sergio Moraes in weniger als drei Minuten aus, und jeder dachte „Er kann auch noch richtig zulangen?“

„Ehrlich gesagt ist es ziemlich schwierig“, so Usman über seine Situation. „Es ist nicht einfach, damit umzugehen, weil ich nie erwartet hätte, dass es so kommt. Alle klammern sich an die gleichen Ausreden. Die Jungs innerhalb der Top Ten sagen, ich hätte niemanden aus der Top Ten besiegt, also würden sie nicht gegen mich kämpfen. Aber wie bitte soll ich gegen jemanden aus der Top Ten kämpfen, wenn keiner von euch sich traut, gegen mich anzutreten?“

In anderen Worten: Usman steckt in der altbekannten Situation eines Arbeiters, der einen Job sucht, aber abgelehnt wird, weil die Arbeitgeber jemanden mit Arbeitserfahrung suchen. Wie also erlangt man Erfahrung ohne den Job? Darauf war Usman nicht vorbereitet, denn wegen seines Ringer-Hintergrundes war er es gewohnt, ohne Fragen zu stellen gegen denjenigen auf der anderen Seite des Turnierplans anzutreten. Wer dazu nicht bereit war, der flog eben aus dem Turnier. Usman frustriert seine aktuelle Situation daher ungemein.

„Ich bin nicht jemand, der das Kämpfen einfach liebt oder nichts anderes kann; der keine anderen Fähigkeiten hat“, sagt er. „Das ist bei mir nicht der Fall. Ich tue das, weil ich seit der High School ein Wettkämpfer bin. Seitdem ich mich in den Sportarten messe, in denen man eins gegen eins antritt, ist das etwas, das tief in mir brennt und mich anspornt, morgens aufzuwachen und mich zu fragen, was ich heute tun kann, um besser in diesem Sport zu werden. Das ist eine Leidenschaft, die noch immer in mir brennt.“

„Aber wenn du mir dann erzählst, dass es egal ist, was ich tue – meine Vorbereitung und wie hart ich arbeite –, dass äußere Faktoren mir Grenzen in diesem Sport setzen, dann tötet das die Motivation ab und killt den Ansporn. Warum sollte ich weitermachen, wenn ich ohnehin nicht die Kämpfe bekomme, die mich an die Spitze bringen, die mich meinem Ziel näherbringen – nämlich, der Beste zu sein.“

Die Situation wurde nicht viel besser, als Usman im Januar auf das norwegische Talent Emil Meek traf. Meek war willens und bereit, den gebürtigen Nigerianer herauszufordern, aber nachdem Usman eine klare Punktentscheidung gewonnen hatte, sorgte sein Statement, er sei verletzungsbedingt „mit 30 Prozent“ Leistungsfähigkeit in den Käfig gestiegen, für Irritationen. Und viel mehr seiner Kollegen dürfte er damit auch nicht ermuntert haben, gegen ihn kämpfen zu wollen. Wie also fühlt es sich an, der gefürchtetste Kämpfer der Weltergewichtsklasse zu sein?

„Sie können sich ja vor mir fürchten, aber wenn ich keine Kämpfe bekomme, verdiene ich auch kein Geld“, so Usman, der zugibt, dass es hart ist, dieses Narrativ immer und immer wieder aufgreifen zu müssen, anstatt einfach über seinen nächsten Kampf reden zu können.

„Es ist eine Herausforderung“, so Usman. „Es wäre etwas anderes, wenn die Frage wäre, ‚Du bist Weltmeister, du hast deinen Gürtel sehr oft verteidigen können. Wie großartig ist das?‘ (Lacht) Wenn du seit längerer Zeit Champion bist, dann dürfte dein Konto ziemlich gut aussehen, deine Familie ziemlich glücklich sein und sich wohlfühlen, dann bekämst du also zurück, was du investierst. In diesem Fall investiere ich eine Menge, bekomme aber nicht wirklich etwas zurück, weil diese Kerle nicht gegen mich kämpfen wollen.“

Wenn er dann klare Siege mit 30 Prozent Leistungsfähigkeit holt, wird natürlich keine Schlange vor der Tür auf einen Kampf gegen ihn warten, aber das ist vielleicht auch nur die Ansicht eines pessimistischen New Yorkers. Der andere Teilnehmer dieses Interviews beschreibt sich unterdessen als Optimisten, und er hat dieser Tage gute Gründe, einer zu sein. Ihm gegenüber wird am Samstag ein respektabler Gegner aus der Top Five gegenüberstehen – gewinnt er, wird der Rest der Top Ten ihm nicht viel länger aus dem Weg gehen können. Und das ist alles, was er will: eine Chance. Was könnte daran falsch sein?

„Ich bin nicht hier, um ein Superstar zu werden“, so Usman. „Ich bin hier, weil ich hart arbeiten und der Beste werden will. Ich will kein Schauspieler sein. Das ist etwas, dass ich später in meinem Leben machen will (lacht). Jetzt gerade will ich kämpfen, ich will ein echter Kämpfer sein.“

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