Woodley: Till kann mir nichts tun

Vor einem großen Kampf strahlen die meisten Kämpfer in erster Linie Gelassenheit und Vorfreude aus. Nur wenige geben öffentlich zu, dass sie nervös oder aufgeregt sind. Tyron Woodley, der Weltmeister im Weltergewicht, wirkt vor UFC 228 in Dallas jedoch so ruhig, dass selbst Mönche eines Schweigeklosters verwundert wären. Klar, Woodley hat im Laufe seiner sportlichen Karriere einige starke Kämpfer ausgeknockt und auf seine Fähigkeiten im Ringen kann er sich immerzu verlassen – aber bei seiner vierten Titelverteidigung, Samstagnacht bei UFC 228, trifft er auf den riesigen und schlagkräftigen Darren Till. Und doch ist er die Ruhe selbst.

UFC: Mit Blick darauf, wie die Weltergewichtsklasse vor einem Jahrzehnt ausgesehen hat, beschreibst du dich selbst als „letzten Mohikaner“. Vor einem Jahrzehnt hattest du nicht nur andere Konkurrenten, der Sport an sich war auch völlig anders. Welche Veränderungen sind dir am meisten aufgefallen?

TW: Die Kämpfer von heute haben die Kämpfer von damals gesehen und wollten dann ein Stück von dem Ruhm und der Ehre abhaben. Ich bezweifle, dass sie wirklich hart arbeiten wollen. Die sehen eine Technik oder eine Bewegung, probieren sie ein paar Mal aus und denken dann, sie würden sie beherrschen. Mittlerweile ist MMA halb Sport und halb Unterhaltung. Manchmal überstrahlt der Unterhaltungsaspekt den sportlichen Aspekt. Ich fühle mich gesegnet, dass ich es bis hierher geschafft habe und aus beidem meinen Nutzen ziehen kann.

Ich arbeite noch immer sehr hart. Auch heute noch füge ich meinem Arsenal immer wieder neue Waffen hinzu. Samstagnacht werdet ihr das sehen. Ich versuche, mich ständig als Kämpfer und als Mensch weiterzuentwickeln. Das hat zur Folge, dass mich diese jungen Kämpfer nicht als Sprungbrett nutzen können. Ich werde nicht zulassen, dass die sich mit einem Sieg über mich einen Namen machen. Ich habe mich schon vor acht Jahren auf solche Typen vorbereitet.

UFC: In der Weltergewichtsklasse gibt es in der Tat einige junge Kämpfer, die versuchen, dich als Sprungbrett zu nutzen. Findest du nervig oder schmeichelhaft?

TW: Die Betonung liegt auf „versuchen“. Du kannst versuchen, im Lotto zu gewinnen, aber das heißt nicht, dass das auch passiert. Diese jungen Kämpfer können ein oder zwei Dinge richtig gut, aber ich kann diese Dinge sehr gut. Ich bin ein besserer Standkämpfer als Darren Till. Ich bin ein besserer Ringer. Ich bin ein besserer Bodenkämpfer. Ich bin explosiver als er. Ich bin schneller als er. Ich habe schon mehr Schlachten geschlagen als er und ich habe schon gegen viel bessere Gegner gekämpft als er. Ich habe unendlich mehr Erfahrung und bin einer der besten Strategen in diesem Sport.

Schauen wir uns mal an, was diese jungen Kämpfer auszeichnet: Sie sind hungrig, sie sind entschlossen. Wenn man darauf nicht vorbereitet ist, wenn man sich auf ihre Stärken nicht eingestellt hat, dann wird das nichts. Man kann all die Fähigkeiten und all die Erfahrung der Welt haben – wenn so ein Junge hungriger ist und den Sieg mehr will als man selbst, dann verliert man trotzdem. Ich bin auf alles vorbereitet. Ich freue mich auf diesen Kampf. Ich bin entspannt. Ich habe mich gut vorbereitet. Ich bin in Topform.

UFC: Stimmt es, dass du in Darren Till ein bisschen von dir selbst siehst?

TW: Ja. Ich wohnte in genau diesem Hotel, als ich gegen Carlos Condit kämpfte. Ich musste um diesen Kampf betteln. Ich rief Dana White ständig an, ich schickte ihm so viele SMS, dass er zurückschrieb: „Schick mir bloß keine SMS mehr!“ Ich war ein junger Kämpfer, noch ganz neu in der UFC und ich wollte unbedingt um den Titel kämpfen. Er konnte mir diesen Wunsch erfüllen. Ich wohnte in diesem Hotel und dann habe ich den Standkämpfer geschlagen, von dem alle dachten, er sei im Standkampf besser als ich. Ich habe es allen gezeigt. Ich weiß, was Darren Till drauf hat und ich weiß, dass er alles genau so meint, wie er es sagt. Ein Gegner muss vor mir keine Angst haben, um gegen mich zu verlieren. Ich stand schon viele Male im Octagon – ich weiß, wie man kämpft.

UFC: Tills Trainer hat gemeint, er erwartet einen älteren, langsameren Tyron Woodley. Warum hat er Unrecht?

TW: Fragt meine Trainer, fragt meine Trainingspartner, ob sie diesen älteren, langsameren Kämpfer erwischt haben. Ich bin noch immer schneller als die ganze Gewichtsklasse. Nennt mir einen Kämpfer, der schneller ist. Nennt mir einen Kämpfer, der explosiver ist. Wenn ich heutzutage langsamer wäre, dann wäre ich noch immer schneller als er. Wenn die darauf bauen, dann wäre das genauso dumm, wie wenn ich darauf bauen würde, dass er das Gewichtslimit nicht einhält. Aber Tills Trainer muss eben tun, was er tun muss, um seinem Kämpfer ein wenig Selbstvertrauen zu verleihen.

UFC: Es ist bekannt, dass du einen Kämpfer mit seinen eigenen Waffen schlagen kannst. Welchen Kampfstil erwartest du Samstagnacht von Darren Till?

TW: Er setzt seine Gegner für gewöhnlich unter Druck, er geht immer nach vorne. Er kann den Gegnern seinen Kampfstil aufzwingen, sie mit Schlägen durch das Octagon treiben und die Distanz bestimmen. Wenn er einen Treffer erzielt hat, setzt er aggressiv nach und sucht den Knockout. Ein Standkämpfer muss auch mal Risiken eingehen, um einen Knockout zu erzielen. Ich mache das ebenso, aber ich kann die Fehler meiner Gegner besser ausnutzen als er. In diesem Kampf kann er mir nichts anhaben. Mir ist egal, ob er mit Cael Sanderson, Dan Gable, Royce Gracie oder sonst wem trainiert hat. In sechs Wochen kann er gar nicht so viel Wissen anhäufen. Sein Trainer kann ihm im Octagon nicht helfen. Großbritannien kann ihm nicht helfen. Liverpool kann ihm nicht helfen. All die Buhrufe, die Schreie, der Jubel, die Gorillas… er muss gegen mich kämpfen. Die denken alle, sie könnten sich mit mir anlegen – bis sie im Octagon mit mir eingesperrt sind und die Wahrheit erfahren.
 

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