Brad Pickett tritt zufrieden zurück

Brad Pickett fühlt sich vor dem letzten Kampf in seiner Karriere pudelwohl. Der Engländer findet sich für seine 38 Jahre sehr fit, aber nicht fit genug, um an seiner Entscheidung, die UFC nach der „UFC Fight Night“ in London zu verlassen, etwas zu ändern.

„Diese Vorbereitung lief super, aber andere Vorbereitungen liefen auch schon super“, sagt er mit einem Lachen. „Vielleicht spielt das auch gar keine Rolle. Normalerweise hängt viel vom Ausgang eines Kampfes ab. Je nachdem, ob man gewinnt oder verliert, entwickelt man sich in eine bestimmte Richtung weiter. Dieses Mal ist es völlig egal. Sieg, Unentschieden, Niederlage – für mich gibt es nur noch eine einzige Richtung.“

Und diese Richtung führt ihn in den Ruhestand, den er sich nach zwölf Jahren als Profi redlich verdient hat – und der es ihm ermöglicht, viel mehr Zeit mit seiner Ehefrau Sarah und seinem Sohn Buddy zu verbringen, während er seine nächsten Schritte plant. Auch wenn viele Fans traurig sind, dass „One Punch“ die UFC verlässt, so ist jeder Einzelne von ihnen auch glücklich, weil er das aus freien Stücken tun kann. Denn im Kampfsport wissen viele Athleten oftmals nicht, wann Schluss sein sollte.

Pickett war nie einer dieser Athleten. Wie jeder andere Kämpfer hatte er Träume, die er erfüllen wollte, aber er war auch ein Realist. Nachdem es zuletzt nicht so lief, wie er es sich vorgestellt hatte, wusste er, dass seine Zeit gekommen ist.

„Ich bin ehrlich: Nach meinen jüngsten Leistungen hätte ich auch leicht gefeuert werden können“, sagt Pickett. „Ich trete zu meinen eigenen Bedingungen zurück. So viel Stolz muss sein. Ich bin ein echter Kämpfer und ich habe diesen Sport nicht nur gemacht, um Geld zu verdienen, sondern weil ich die Nummer 1 werden wollte. Ich habe die Tatsache akzeptiert, dass ich das nicht sein werde. Und es macht keinen Spaß, zu verlieren. Ich habe zuletzt häufiger verloren als gewonnen und das verdirbt mir den Spaß an meinem Job. Wenn ich gewinne, freue ich mich, aber Niederlagen machen keinen Spaß. Ich schulde es mir selbst, dass ich mit Würde abtrete.“

Egal ob er gewonnen oder verloren hat, Pickett konnte das Octagon stets erhobenen Hauptes verlassen. Wenn man irgendetwas über ihn sagen kann, dann dass er ein waschechter Kämpfer ist. Wenn er mit seinen Handschuhen und seinem Zahnschutz ins Octagon stieg, stand den Zuschauern ein richtiger Kampf bevor – und wenn sein Gegner dieselbe Einstellung an den Tag legte, dann sogar eine Schlacht.

Diese Momente gab es während seiner Zeit bei WEC häufig. Dort landete er 2009, nachdem er zuvor überall auf der Welt gekämpft hatte, von London bis Los Angeles, von Costa Rica bis Wales. In seinen vier Kämpfen bei WEC schuf er einige denkwürdige Momente.

„An meine Zeit bei WEC habe ich tolle Erinnerungen, besonders die Kämpfe gegen Demetrious Johnson, Ivan Menjivar und Scott Jorgensen“, sagt Pickett. „In meinem letzten WEC-Kampf gegen Ivan Menjivar ging es hin und her. Er hat mich angeklingelt, ich habe ihn niedergeschlagen – es war fürchterlich.“

Der Sieg über Menjivar führte ihn in die UFC, wo er in seinen ersten sechs Kämpfen fünf Boni gewann. Seit November 2011 kämpft er im Octagon und er weiß, dass er das nicht für immer tun kann. Ein Plan musste her, doch das Umsetzen des Plans beeinträchtigte ihn von Zeit zu Zeit.

„Schon vor dem Ende meiner Karriere habe ich versucht, mich auf das vorzubereiten, was danach kommt“, sagt Pickett. „Ich leite jetzt meine eigene Veranstaltungsreihe. Manchmal kam ich mir wie jemand vor, der alles macht, aber nichts davon richtig.“

Jetzt konzentriert sich Pickett erst einmal auf seinen Abschiedskampf. Während seiner langen Karriere hat er gelernt, dass es Dinge gibt, die nicht anhand von Siegen oder Niederlagen gemessen werden können. Er plant, eines Tages im Süden von London ein Gym aufzubauen, doch was ihn im Octagon so besonders gemacht hat, kann er seinen künftigen Schülern nicht beibringen.

„Ein Kämpferherz kann man sich nicht antrainieren – und ich habe ein großes Kämpferherz“, sagt Pickett. „Aber man kann einem Kämpfer eine positive Grundeinstellung vermitteln. Die habe ich auch. Meine Trainings- und Wettkampfmentalität hat mir zum Erfolg verholfen. Und die kann ich anderen Menschen mitgeben. Wenn sie dazu noch sportlich sind, können sie es weit schaffen.“

Aber können sie es so weit schaffen wie Pickett? Es geht nochmals nicht um die Kampfbilanz, mit der er den MMA-Sport verlässt, sondern darum, was die Fans fühlten, wenn er im Octagon kämpfte. Man hielt es vor Spannung kaum aus und war ständig kurz davor, aus dem Sitz aufzuspringen. So wird es auch am Samstagabend in London sein. Und egal wie dieser Kampf verlaufen wird – Pickett hat mit seiner sportlichen Karriere abgeschlossen.

„In meinem Alter geht so ein Trainingslager nicht spurlos an einem vorbei“, sagt Pickett. „Ich habe jetzt ein Kind und wenn man Kinder hat, dann verschieben sich die Prioritäten ein bisschen. Es geht nicht mehr nur um einen selbst, sondern auch um die Kinder. Kämpfer sind sehr selbstsüchtig. Ich kann jetzt nicht mehr selbstsüchtig sein. Ich muss mich um einen kleinen Menschen kümmern. Es gibt einige gesündere Möglichkeiten, Geld zu verdienen, als sich gegen den Kopf schlagen zu lassen – vor allem, wenn man so kämpft wie ich. Ich finde mich immer wieder in einer Schlacht wider.“

Aber er für eine allerletzte Schlacht ist er noch bereit.

„Für diese Vorbereitung habe ich alles andere liegen lassen“, sagt Pickett. „Ich bin immer noch ein Kämpfer. Nach diesem Kampf habe ich alle Zeit der Welt, um mich um andere Dinge zu kümmern.“

Das Hauptprogramm der „UFC Fight Night“ in London läuft am 18. März live und exklusiv auf ranFIGHTING.de, das Vorprogramm auf UFC FIGHT PASS.

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