Volle Kraft voraus für Yoshihiro Akiyama

„Ich denke, dass ich mich in den letzten beiden Kämpfen an den Kampfstil im Käfig gewöhnt habe. Sowohl der Sieg als auch die Niederlage haben meinen Kampfstil entscheidend beeinflusst, deswegen habe sie mir beide gut getan.“
In den Tagen vor seinem Kampf im Juli bei UFC 116 gegen Chris Leben stand außer Frage, dass Yoshihiro Akiyama mit der aktuellen Situation nicht gerade zufrieden war.

Er war davon ausgegangen, in Las Vegas gegen den zukünftigen Hall-of-Famer Wanderlei Silva zu kämpfen, doch ihm wurde ein Strich durch die Rechnung gemacht, als der „Axe Murderer“ den Kampf aufgrund einer Verletzung absagen musste und er stattdessen gegen Leben ran musste – einen Gegner mit einem Eisenschädel, gegen den niemand kurzfristig antreten will, einfach weil die Chancen nicht schlecht stehen, dass er lange durchhält, sehr oft und sehr hart zurückschlägt und drei Runden lang äußerst unangenehm zu kämpfen ist.

Und Akiyama wusste das.

„Ich dachte, ich sei Chris Leben sowohl im Stand als auch auf dem Boden überlegen. Aber aufgrund bestimmter Faktoren konnte ich keine Bestleistung liefern“, sagte er kürzlich während einer Telefonkonferenz mit den Medien. „Ich denke, ich hatte nicht genügend Zeit, um mich auf meinen Gegner vorzubereiten und konnte keine spezifisch auf Chris Leben ausgerichtete Strategie erarbeiten.“

Er gab zu, dass der Wechsel ihm „80 Prozent meiner Leistungsfähigkeit nahm und ich mich fühlte, als würde ich nur mit den letzten 20 Prozent kämpfen“. Diese 20 Prozent hatten es jedoch gehörig in sich, denn Akiyama zog sein Kinn ein und lieferte sich mit Leben eine 14 Minuten und 40 Sekunden andauernde Schlacht. Aber 20 Sekunden vor Schluss sorgte ein Triangle Choke von Leben überraschend für die Entscheidung und Akiyamas erste Niederlage seit dem Jahr 2005.

Es war eine enttäusche Niederlage, auch wenn er dafür zum zweiten Mal den Bonus für den „Kampf des Abends“ bekam (den ersten erkämpfte er sich mit seinem Sieg gegen Alan Belcher bei UFC 100). Für den Mann aus Osaka, der sich immer noch an das Leben in der UFC anpassen muss, war es eine weitere Lernerfahrung.

„Ich denke, dass ich mich in den letzten beiden Kämpfen an den Kampfstil im Käfig gewöhnt habe. Sowohl der Sieg als auch die Niederlage haben meinen Kampfstil entscheidend beeinflusst, deswegen habe sie mir beide gut getan.“

Um die Wahrheit zu sagen: Er hat eine Kampfbilanz von 1-1 in der UFC, die aus der Niederlage gegen Leben und einem äußerst knappen Punktsieg gegen Belcher besteht, aber für die Kampfsportfans ist das einzige was zählt, dass Akiyama in diesen beiden Kämpfen Dramatik, Intensität und einen Kampfgeist an den Tag gelegt hat, den wir uns von allen Kämpfern erhoffen. In anderen Worten: Die UFC-Fans haben ihn ins Herz geschlossen, und am Samstagabend in London wird erneut ein Feuerwerk erwartet, wenn er im Hauptkampf von UFC 120 gegen den britischen Star Michael Bisping antritt. Diesmal wird, und das ist ein seltener Moment in Bispings Karriere, das Feuerwerk auf das Octagon begrenzt.

„Ich habe wirklich kein Interesse an Wortgefechten und ich habe über meinen Gegner Michael Bisping nichts Schlechtes zu sagen.“ Und das ist gut so, denn wenn man sich die Kampfstile der beiden betrachtet, hat dieser Kampf keinen zusätzlichen Hype nötig. Aber wenn ihr auf der Suche nach etwas mehr Brisanz seid, könnt ihr auf Akiyamas kurzen Aufenthalt in Albuquerque bei Greg Jackson verweisen.

„Ich konnte meine Takedowns verbessern, und auch mein Striking“, sagt Akiyama über seine Zeit in New Mexico. „Aber am wichtigsten war, dass ich gelernt habe, wie man drei Runden lang einen guten Kampf im Käfig bestreitet.“

Der 35 Jahre alte Akiyama hatte keine zusätzliche Anleitung für den letzteren Teil nötig. Aber wenn er jetzt womöglich noch besser kämpft als in den beiden vorherigen „Kämpfen des Abends“, werden es die Fans garantiert zu schätzen wissen.

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