Georges St-Pierres denkwürdigste Momente

Nach fast vier Jahren Auszeit kehrt Georges St-Pierre, ein ehemaliger Weltmeister im Weltergewicht, in der Nacht zum 5. November im Hauptkampf von UFC 217 in New York City zurück. Sein Titelkampf gegen Michael Bisping, den Weltmeister im Mittelgewicht, ist eines der am meisten erwarteten Duelle des Jahres. Wenn ihr euch fragt, warum das so ist, dann werft einfach mal einen Blick auf St-Pierres denkwürdigste Momente in der UFC.

Karo Parisyan – 31. Januar 2004 – UFC 46
Ergebnis: St-Pierre W3
Das ist mal ein Debüt! Nach fünf Siegen in der kanadischen Szene, unter anderem gegen Ivan Menjivar, Thomas Denny und Pete Spratt, war St-Pierre bei UFC 46 nicht derjenige Kämpfer mit dem großen Hype – das war Karo Parisyan, ein Judo-Experte, der die Fans wenige Monate zuvor bei seinem eigenen Debüt begeisterte, als er Dave Strasser zur Aufgabe zwang. Dieser Abend gehörte jedoch GSP. Wie ich damals schrieb, kontrollierte er den Kampf von Anfang bis Ende: „Selbst als er sich in Parisyans Guard befand, arbeitete St-Pierre effektiv mit Schlägen. Der beherzt kämpfende Parisyan hatte seine lichten Momente, aber selbst wenn er versuchte, den Kanadier in einen Aufgabegriff zu nehmen, wehrte St-Pierre ihn lässig ab. Nach drei Runden fuhr er einen ungefährdeten Punktsieg ein.“ So fing alles an.



Matt Hughes
I – 22. Oktober 2004 – UFC 50

Ergebnis: Hughes W1
Der Senkrechtstarter aus Montreal machte sich in der UFC schnell einen Namen. Nach dem Punktsieg über Parisyan stoppte er Jay Hieron bei UFC 48 mit Schlägen. Vier Monate später traf St-Pierre – mit einer Bilanz von 7-0 – auf sein Idol Matt Hughes. Vor seinem zweiten Kampf gegen Hughes gestand er mir: „Bei unserem ersten Duell kämpfte ich gegen mein Idol, so etwas hatte ich noch nie erlebt. In meinem Kopf redete ich mir ein, ihm nichts tun zu können, schließlich war er einfach zu gut.“ St-Pierre kämpfte in der ersten Runde souverän, aber Sekunden vor Schluss fing Hughes ihn in einem Armhebel. St-Pierre klopfte sofort ab, ihm war nicht bewusst, dass er es nur eine Sekunde lang hätte aushalten müssen. Manche Menschen zweifelten daraufhin an seinem Kampfgeist und er selbst bereute umgehend seine Entscheidung. „Als ich die Wiederholung sah, wurde mir bewusst, dass ich eigentlich ganz gut war“, sagte er. „Ich habe gemerkt, dass ich diesen Mann besiegen kann.“ Auf diese Gelegenheit musste er allerdings zwei Jahre warten.

BJ Penn – 4. März 2006 – UFC 58
Ergebnis: St-Pierre W3
Das erste Duell zwischen St-Pierre und dem legendären BJ Penn war ein echter Traumkampf, der den hohen Erwartungen an ihn gerecht wurde. Nach der ersten Runde dachten nur wenige Menschen, dass sich St-Pierre am Ende durchsetzen würde. „Die erste Runde gegen Penn war die schlechteste Runde meines Lebens“, sagte St-Pierre nach dem Kampf. „Bis dato hatte ich in meiner gesamten Karriere noch nie eine Runde verloren. Selbst bei meinem Kampf gegen Matt Hughes hatten mich die Punktrichter vorne – ich hatte sie gefragt, ob sie mir die Runde gegeben hätten. Gegen Penn habe ich zum ersten Mal eine Runde verloren.“ St-Pierre hatte die Runde nicht nur verloren, Penn hatte ihn im Stand mit knackigen Kombinationen blutig geschlagen. Viele fragten sich, ob St-Pierre nun mental einbrechen würde. Das tat er nicht. Er zeigte, dass er das Herz eines Champions in sich trug und gewann die nächsten beiden Runden und somit den Kampf. Diese Art von Härtetest müssen alle Kämpfer einmal durchstehen und St-Pierre meisterte ihn souverän. „Ich habe allen bewiesen, dass ich mental viel stärker geworden bin“, sagte er. „Ich bin nach einer Tracht Prügel zurückgekommen und habe gesiegt. Ich denke, das ist der Unterschied zwischen einem Champion und einem Draufgänger, der niemals Champion sein wird. Man kann technisch so gut sein, wie man will, aber ohne mentale Härte wird man nichts erreichen. In unserem Sport kommt es früher oder später darauf an, wenn man Kämpfe gewinnen will.“

Matt Hughes II – 18. November 2006 – UFC 65
Ergebnis: St-Pierre TKO2
Mit fünf Siegen gegen hervorragende Konkurrenz verdiente sich St-Pierre einen Rückkampf gegen den Mann, der ihm die erste Niederlage seiner Karriere zugefügt hatte. Er war jetzt ein anderer Kämpfer als vor zwei Jahren, als er Matt Hughes das erste Mal gegenüberstand. Hughes, eines der kräftigsten Weltergewichte der UFC-Geschichte, fand das früh heraus, als er in den Clinch wollte und St-Pierre ihn einfach wegstieß. In der zweiten Runde holte St-Pierre den Weltmeister mit einem Kopftritt von den Beinen – und Sekunden später gab es einen neuen Champion. Man ging davon aus, dass seine Regentschaft so lange dauern würde, wie es ihm beliebt. Aber wie heißt es doch in dem alten Sprichwort: Der beste Plan, ob Maus, ob Mann, geht oftmals ganz daneben. Nur fünf Monate nach seinem monumentalen Titelgewinn fand St-Pierre heraus, dass in der UFC jeder Kämpfer eine Siegchance hat.

Matt Serra – 7. April 2007 – UFC 69
Ergebnis: Serra TKO1
Wenn es nach den meisten Fans gegangen wäre, hätte Matt Serra bei UFC 69 erst gar nicht im Octagon auftauchen müssen. Aber es gibt einen guten Grund, warum die Kämpfer tatsächlich kämpfen und die Ergebnisse nicht in Internetforen festgelegt werden. Wenn zwei talentierte Sportler zu einem Wettkampf antreten, kann alles passieren. Im MMA-Sport kann ein Fehler, eine Unkonzentriertheit den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen. St-Pierre, der vor dem Kampf gegen Serra mit privaten Problemen zu tun hatte, stand einem gelassenen, gut vorbereiteten und selbstbewussten Herausforderer gegenüber. Serra schlug St-Pierre bereits in der ersten Runde nieder, nahm ihm den Titel ab und fügte ihm so die bitterste Niederlage seiner Karriere zu.

Josh Koscheck I – 25. August 2007 – UFC 74
Ergebnis: St-Pierre W3
Das war womöglich der wichtigste Kampf in St-Pierres Karriere. Nach der Niederlage gegen Serra verbreitete sich die Annahme, St-Pierre sei zwar ultratalentiert, er habe jedoch nicht das gewisse Extra, das ihn zu einem der Weltbesten macht. Nach nur einer Niederlage hatten die Menschen vergessen, wie er gegen Penn zurückgekommen war und wie er die Weltergewichtsklasse auf dem Weg zum zweiten Titelkampf dominiert hatte. St-Pierre blieb ruhig und konzentrierte sich auf seine bevorstehende Aufgabe. Er hatte sich vorgenommen, es allen Zweiflern zu zeigen. Bei UFC 74 dominierte er das Ringer-Ass Josh Koscheck und meldete sich eindrucksvoll im Titelgeschehen zurück.

Matt Serra II – 19. April 2008 – UFC 83
Ergebnis: St-Pierre TKO2
Wenn St-Pierre unter dem Druck zusammenbrechen würde, dann an diesem Abend. Er kämpfte nicht nur gegen den Mann, der ihn KO geschlagen hatte, er tat das auch in seiner Heimatstadt Montreal, wo zigtausende Fans ihren Helden siegen sehen wollten. St-Pierre enttäuschte sie nicht. Er dominierte Matt Serra von der ersten Sekunde an und nahm ihn schließlich in der zweiten Runde mit Kniestößen zum Körper aus dem Kampf. „Den Druck habe ich schon gespürt, aber unter Druck blühe ich auf“, sagte St-Pierre. „Der Druck bewirkt, dass ich konzentrierter bin und mir bewusst wird, was alles auf dem Spiel steht.“

Jon Fitch – 9. August 2008 – UFC 87
Ergebnis: St-Pierre W5
St-Pierre bezeichnete sein fünf Runden langes Duell mit Jon Fitch als den härtesten Kampf seiner Karriere – aus gutem Grund. Er musste zum ersten Mal die vollen fünf Runden kämpfen und das gegen einen äußerst zähen Gegner. St-Pierre bestimmte zwar die Anfangsphase des Kampfes, aber Fitch gab einfach nicht klein bei. Die Punktrichter gaben keine einzige Runde an Fitch, doch diejenigen, die den Kampf gesehen haben, wissen, dass St-Pierre es deutlich schwerer hatte, als die Wertungen von 50-44, 50-44 und 50-43 belegen. Gegen Fitch musste St-Pierre zeigen, was wirklich in ihm steckt.


BJ Penn II – 31. Januar 2009 – UFC 94
Ergebnis: St-Pierre TKO4
Fast drei Jahre nach ihrem ersten Kampf trafen St-Pierre und Penn in DEM Superfight des Jahres 2009 erneut aufeinander. Diesmal war es keine Schlacht, bei der es fünfzehn Minuten lang hin und her ging. Der größere und kräftigere St-Pierre kontrollierte und dominierte Penn, der aus dem Leichtgewicht zurückkehrte, vier Runden lang, bis die Ecke des Hawaiianers ihren Schützling aus dem Kampf nahm. Nach all dem bösen Blut im Vorfeld des Kampfes war das ein Sieg, der St-Pierre größte Genugtuung verschaffte.

Jake Shields – 30. April 2011 – UFC 129
Ergebnis: St-Pierre W5
St-Pierre setzte sich nach dem Sieg über Penn gegen Thiago Alves, Dan Hardy und ein zweites Mal gegen Josh Koscheck durch. Er zeigte, dass es in der Weltergewichtsklasse nur einen wahren König gab – ihn. Doch Jake Shields, 15 Kämpfe in Folge ungeschlagen, sah das ein wenig anders. Vor einer rekordhaften Kulisse von 55.000 Fans in Toronto wies St-Pierre seinen Herausforderer in die Schranken und fuhr einen weiteren ungefährdeten Sieg ein. 

Carlos Condit – 17. November 2012 – UFC 154
Ergebnis: St-Pierre W5
Viele fragten sich, wie sich eine neunzehn Monate lange Auszeit auf St-Pierre auswirken würde, vor allem, da er sich vorher eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte. Die Sorgen waren unbegründet, denn St-Pierre trat dem Interimsmeister Carlos Condit in Topform entgegen. Angesichts der Wertungen von 50-45, 50-45 und 49-46 könnte man meinen, es sei ein einseitiger Kampf gewesen, aber Condit war von Anfang bis Ende brandgefährlich. In der dritten Runde holte er St-Pierre sogar mit einem Kopftritt von den Beinen. Das war ein Weltmeisterschaftskampf, wie er im Buche steht.

Johny Hendricks – 16. November 2013 – UFC 167
Ergebnis: St-Pierre W5
Der lang erwartete Titelkampf zwischen St-Pierre und Johny Hendricks wurde allen Erwartungen gerecht. Die beiden Weltergewichte mussten in der fünf Runden dauernden Schlacht ihr gesamtes Arsenal ausschöpfen und bekriegten sich sowohl im Stand als auch auf dem Boden. Das anschließende Punkturteil wurde kontrovers aufgefasst, St-Pierre verteidigte seinen Titel geteilt nach Punkten. Es sollte sein bis dato letzter Kampf sein, denn kurz darauf gab St-Pierre den Gürtel ab und kündigte eine Auszeit an. Diese ist nun vorbei und im November beginnt bei UFC 217 ein neues Kapitel seiner Karriere.

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