Jones ist sein Image egal

 
Falls Jon Jones’ kämpferisches Talent potentielle Gegner nicht bereits einschüchtert, dann aber vermutlich sein Glauben daran, dass er sein Potential noch nicht einmal angekratzt hat.

„Ich bin seit zehn Jahren dabei, ich habe eine Menge Erfahrung, und ja, ich habe das Gefühl, dass ich gerade erst loslege“, sagt Jones, der am Samstag im Hauptkampf von UFC 232 gegen Alexander Gustafsson antritt. Es geht um den Titel im Halbschwergewicht. „Ich fühle mich in diesem Sport noch immer wie ein Kleinkind. Es gibt noch so viel mehr, das ich lernen muss. Ich freue mich auf die Zukunft. Ich denke, dass es noch eine Menge mehr gibt, was ich zeigen kann.“

Wäre nicht all das gewesen, was außerhalb des Octagons passiert ist, dann würden wir über Jones jetzt vielleicht so reden wie über andere Sportikonen, die auf dem Feld oder dem Court Leistungen gebracht haben, die ähnlich beeindruckend waren wie Jones‘ Auftritte im Laufe des letzten Jahrzehnts. Aber die Geschichte eines jeden Menschen hat mehrere Ebenen. Und die von Jones sieht außerhalb des Octagons anders aus als innerhalb: Es ist eine Geschichte von positiven Dopingtests, einem Autounfall mit Fahrerflucht und seinen Titelgürteln, die er überall verloren hat außer im Octagon.

Er hofft, dass dieses Kapitel jetzt abgeschlossen ist.

„Es ist hart, das alles mitzumachen“, so Jones. „Als Sportler denke ich, dass Sportfans eine Menge mitmachen. Es gab eine Menge Rockstars und Sportler, die Probleme mit Drogen hatten, und auch ich habe im Laufe der Jahre damit meine Kämpfe ausgefochten. Aber Steroide sind etwas, das nicht verziehen wird, und es war hart, das durchmachen zu müssen. Aber ich fühle mich deswegen jetzt besser, es hat mich stärker gemacht und mich gelehrt, meinen Kopf nicht hängen zu lassen, wenn es wirklich hart auf hart kommt.“

Der letzte Zwischenfall war ein positiver Dopingtest, der auf die verbotene Substanz Turinabol anschlug, und das nach einem Kampf, der seine größte Errungenschaft hätte sein sollen – ein Knockout gegen seinen erbitterten Rivalen Daniel Cormier im Juli 2017.

„Nach all dem Hin und Her mit Daniel Cormier hätte ich mir kein besseres Ende als dieses vorstellen können – ihn auszuknocken und dadurch den Gürtel im Halbschwergewicht zurückzubekommen“, so Jones, dem der Titel nach dem positiven Test wieder abgenommen wurde. Der Sieg wurde in einen nichtgewerteten Kampf umgewandelt und „Bones“ suspendiert. Aber nachdem die Sperre abgelaufen ist und Jones wieder in den Käfig steigen darf findet der Ex-Champion im Rückblick, dass sich die Dinge von selbst geklärt haben.

“Ohne das Steroid-Thema wäre der Kampf gegen Daniel Cormier ein märchenhaftes Ende gewesen”, so Jones. „Und, wenn ich ehrlich bin: Für mich ist es trotzdem noch immer ein märchenhaftes Ende, denn die Fans wissen, wer zwischen uns beiden der dominantere Kämpfer ist. Und jetzt stehen wir hier, ein Jahr später, und ich kämpfe wieder einmal um den Titel im Halbschwergewicht. Es ist also letztendlich alles gut gelaufen.“

In Amerika liebt jeder eine gute Comeback-Geschichte. Jones kann am Samstag eine solche schreiben, und zwar gegen den einzigen Kämpfer, der einem Sieg gegen ihn auch nur nahegekommen ist. Jones redet nicht klein, was Gustafsson in ihrem ersten Kampf im September 2013 getan hat, aber er denkt auch, dass der „Mauler“ an jenem Abend in Toronto nicht den besten Jon Jones vor sich hatte.

„Ich bin extrem arrogant in diesen ersten Kampf gegangen“, so Jones. „Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass ich verlieren könnte. Ich war verdammt jung und hatte schon all diese Legenden unseres Sports besiegt. Ehrlich gesagt, um mal auf religiöser Ebene zu sprechen: Ich habe geglaubt, dass Gott mich gesegnet hatte, um ein Kämpfer zu sein und dass Gott nicht wollen würde, dass ich verliere. Das habe ich wirklich geglaubt. Ich dachte, ich könnte nicht verlieren, weil Gott mir irgendwelche magischen Kräfte verliehen hatte. Und Gustafsson hat mir gezeigt, dass ich sehr wohl menschlich bin. Ich habe ziemlich an meinen eigenen Hype geglaubt.”

Es ist schwer, ihn für diese Einstellung zu kritisieren. Jones ging mit sechs Siegen im Rücken in diesen Kampf, in denen er ehemalige Weltmeister wie Mauricio Rua, Quinton Jackson, Lyoto Machida, Rashad Evans und Vitor Belfort bezwungen hatte, und abgesehen von einem Armbar-Versuch Belforts kam niemand auch nur in die Nähe eines Sieges.

„Es war bis dahin im Grunde alles wie ein Tanz”, sagt Jones, aber Gustafsson zog ihn bei UFC 165 vom Strand in die Strömung und verlangte ihm alles ab, bis Jones seinen Titel rettete, indem er am Ende der fünf Runden noch einmal aufdrehte.

„Das hat mich auf ewig verändert”, so der New Yorker. “Nach diesem Kampf habe ich jedem einzelnen Kampf mehr Aufmerksamkeit gegeben und realisiert, dass ich nicht unverwundbar war.“

Außerdem realisierte er, dass er keinen Ausweg suchte oder aufgab, wenn es hart auf hart kam.

„Keine Chance, dass ich mich hinlege und mir von einem erwachsenen Mann den Arsch versohlen lasse“, sagt Jones. „Findet nicht statt. Du wirst mich schon umbringen müssen oder mich mit einem Knockout-Schlag erwischen, aber du wirst mich niemals bezwingen, wenn es auf unsere Kämpferherzen ankommt.“

Nach Gustafsson hat Jones kaum eine Runde verloren, während er Glover Teixeira, Cormier und Saint Preux besiegte, aber die Schlagzeilen dominierte das, was außerhalb des Octagons passierte. Jetzt zählt allerdings nur der Hauptkampf von UFC 232, und Jones verspricht, dass sich das erste Duell der beiden so nicht wiederholen wird.

“Dieser Kampf ist eine völlig andere Situation”, so Jones. “Er (Gustafsson) wird meine volle, ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen und es wird eine grundlegend andere Geschichte werden als beim ersten Mal.“

Wie wird Jon Jones’ Geschichte also enden? Jones schert sich nicht mehr allzu sehr darum, welches Narrativ die Öffentlichkeit aus seinem Leben macht.

„Ich habe es aufgegeben, ständig zu versuchen, die Leute zufriedenzustellen und das zu sein, was andere in mir sehen“, sagt Jones. „Ich fokussiere mich einfach auf das, was ich kontrollieren kann, und das bedeutet, der beste Mensch zu sein, der ich für die Menschen in meinem Umfeld sein kann – für meine Familie und meine engen Freunde. Hart zu arbeiten, und ihnen durch meine harte Arbeit meine Wertschätzung zu zeigen.“

Und im Octagon?

„Ich persönlich denke, dass du einfach der härteste Motherf**ker im Block sein musst, um Weltmeister zu sein“, so Jones. „Das ist wirklich, worauf es hinausläuft. Es geht nicht darum, Anzug und Krawatte zu tragen, sich am besten artikulieren zu können oder das sauberste Image zu haben. Es geht darum, ein harter Motherf**ker zu sein. Das ist letztlich, worum es geht. Es geht um die beste Arbeitsmoral. Das ist es, was es für mich ausmacht, ein Champion zu sein.“

„Es gibt eine Menge Leute, die in diesem Sport dort sein wollen, wo ich bin, und ich freue mich darauf, sie auch weiterhin die Leiter wieder runterzustoßen. Ich bin 31 Jahre alt, aber das Beste steht noch bevor.“
Samstag, April 20
St Petersburg, Russia

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