Jose Aldo ist der König von Rio

RIO DE JANEIRO

In dieser faszinierenden, vielseitigen brasilianischen Stadt am Meer, die rhythmisch mit dem Temperament des Sambas schwingt, tankt Jose Aldo neue Kraft für seine nächste Herausforderung im Octagon.

Die Liebe seiner brasilianischen Fans stärkt seinen Geist und sein Selbstvertrauen. Für Aldo, den Weltmeister im Federgewicht, ist der Titelvereinigungskampf bei UFC 212 gegen den Interimstitelträger Max Holloway eine Ode an seine Heimatstadt und sein stolzes Land.

Er verehrt seine Fans.

Nur um Aldo zu grüßen und ihm viel Glück zu wünschen, treffen sie sich in Scharen auf den Straßen von Rio, nahe der Trainingsstätte seines Teams Nova Uniao, ebenso wie an der sonnengeküssten Promenade „Barra da Tijuca“, wo die UFC in der Fight Week vor UFC 212 ihre Zelte aufgeschlagen hat.

„Ich kämpfe gerne zuhause, wo ich meine Familie und meine Freunde habe, wo ich lebe und trainiere“, sagte Aldo, der trotz des stetig näher rückenden Showdowns mit Holloway sehr gelassen wirkte. „Man hat sich schon an alles gewöhnt und es gibt keine Zeitverschiebung. Das ist großartig. Außerdem spüre ich hier die Energie der Fans, all die Liebe, die sie mir schenken. Ich weiß, dass die Halle am Kampfabend ausverkauft sein wird. Es kann wirklich nichts schiefgehen.“

Im Hauptkampf von UFC 212 kommt es zum lange erwarteten Aufeinandertreffen zwischen dem Thaiboxer und BJJ-Schwarzgurt Aldo (26-2-0) und dem vielseitigen Standkämpfer Holloway (17-3-0). Es geht um die Federgewichtskrone von Aldo, die seit 2015 keinen festen Besitzer mehr gehabt hatte.

Aldo fühlt sich vor UFC 212 verantwortlich – gegenüber sich selbst und seinen Leuten. Obwohl in Rio der Winter naht und der Nebel öfters sein Gesicht verdeckt, erkennen die Passanten ihn sofort. Es gibt keinen anderen wie ihn.


DER KÖNIG VON RIO

Genauso wie die Brasilianer den verstorbenen Ayrton Senna verehren und die Fußball-Legenden Neymar, Ronaldinho und Pele bewundern, begegnen sie auch Aldo mit unvergänglicher Loyalität und offenen Armen. Seine Kindheit in den Armenvierteln, seine unzerstörbare Bindung an seine mühselige Vergangenheit in den Favelas und sein Respekt für deren Bewohner sprechen den Stolz und die Leidenschaft der Brasilianer an, die sich mit seinem Leben identifizieren können.

Alle brasilianischen Sportstars wollen der König von Rio sein. Heutzutage gehört Aldo dieser Titel.

„Diese Krone zu tragen, ist wirklich wichtig“, sagte er. „Als ich aufwuchs, habe ich die Menschen darüber sprechen hören. Jetzt selbst als der König von Rio bezeichnet zu werden, macht mich glücklich und schmeichelt mir, denn nur die größten Sportler wurden so genannt. Mich motiviert das enorm. Ich bin fokussiert und ich will diese Krone noch sehr lange behalten. Das ist erst der Anfang.“
In einem Land, in dem so viel Schönheit so oft von Chaos bedroht wird, ist Aldo ein Zeichen der Hoffnung. Er durchlebte Höhen und Tiefen. Er stolperte. Und jetzt ist er wieder ein Champion.

„Wegen der Liebe, die man mir jeden Tag entgegenbringt, wenn ich durch die Straßen laufe, freue ich mir sehr, meinen Gürtel hier in meiner Stadt verteidigen zu können“, sagte Aldo mit einem breiten Grinsen. Ein Sieg über Holloway wäre, glaubt er, nur ein weiteres Kapitel seiner Geschichte. Er weiß, dass sein Vermächtnis schon in Stein gemeißelt ist.

Für UFC 212 hat sich Aldo vorgenommen, klarzumachen, wer der einzige und unangefochtene Weltmeister im Federgewicht ist. Das war er einst zwölf Kämpfe in Folge, ehe er im Dezember 2015 gegen Conor McGregor verlor.

Diese verheerenden 13 Sekunden waren für Aldo der traurige Abschluss einer entmutigenden Saga, die seine Geduld und seinen Stolz immer wieder auf die Probe gestellt hatte. Aber im Juli 2016 kehrte er bei UFC 200 in die Erfolgsspur zurück, als er Frankie Edgar fünf Runden lang dominierte und nach Punkten besiegte.

Seit der ersten Begegnung mit Aldo kämpfte McGregor zweimal gegen Nate Diaz, im Leichtgewicht und im Weltergewicht, und er nahm Eddie Alvarez den Weltmeistertitel im Leichtgewicht ab. UFC-Präsident Dana White bemerkte, dass McGregor seinen Weltmeistertitel im Federgewicht nie verteidigte. Also nahm er dem irischen Superstar den Gürtel ab und gab ihn dem damaligen Interimstitelträger Aldo, während er einen Interimstitelkampf zwischen Max Holloway und Anthony Pettis ansetzte.

Drei Wochen später gewann Holloway gegen Pettis und ebnete damit den Weg für einen Titelvereinigungskampf gegen Aldo. Für beide wird es der erste Auftritt im Jahr 2017 sein.

STANDKÄMPFER VS. STANDKÄMPFER

Aldo ist nur 1,70 Meter groß, verfügt aber über eine Reichweite von 1,77 Metern. Holloway ist ein würdiger Herausforderer: ein größerer (1,80 Meter), schnell schlagender Standkämpfer, der seit einer Punktniederlage gegen Conor McGregor im August 2013 zehnmal in Folge gewonnen hat. Im Laufe seiner Siegesserie war Holloway unglaublich dominant, er gewann siebenmal vorzeitig und erhielt dafür drei Boni.

Beide Kontrahenten kämpfen bevorzugt im Stand, wobei Aldo vor allem auf seinen pfeilschnellen Jab, seine rechte Gerade und die hammerharten Lowkicks setzt, während Holloway seine Gegner gewöhnlich mit heftigen Schlagsalven attackiert, die aus allen Richtungen kommen.

„Er verdient es, um den Titel zu kämpfen – es gibt keinen Grund, wieso er das nicht tun sollte“, sagte Aldo über Holloway. „Ich denke, es wird ein großartiger Kampf.“



„Ich denke, unsere Kampfstile sind sich ähnlich, weil wir gerne auf den Beinen kämpfen, aber ich habe einen Vorteil, weil ich auf dem Boden besser bin als er“, fügte Aldo hinzu. „Ich bin nicht nur besser als er, ich bin besser als die meisten Kämpfer in meiner Gewichtsklasse. Das hilft mir enorm. Er ist vielleicht größer, aber ich habe eine gute Reichweite. Es wird kein Unterschied zu sehen sein.“

Der wahre Vorteil, sagte Aldo, läge in Rio selbst.

EIN CHAMPION BEGINNT SEINE REISE


Jose Aldo training jiu-jitsu with Marcio Pontes in Manaus (Photo credit: Marcio Pontes Facebook)Er kam hier alleine an, im Alter von 16 Jahren, als Sohn eines Maurers, dem es schwer fiel, die Familie zu ernähren. Aldos Jiu-Jitsu-Coach Marcio Pontes hatte ihn dazu ermutigt, seine Leidenschaft für Fußball und Capoeira aufzugeben und in seiner Heimat Manaus im Amazonas-Gebiet daran zu arbeiten, mit seinem kämpferischem Talent Geld zu verdienen.

„Eigentlich glaube ich nicht daran, dass man jemanden ansieht und dann weiß, ob er Erfolg haben wird oder nicht – aber mit der Zeit merkte ich, dass Aldo anders war als all die anderen“, sagte Pontes. „In allem, was er tat, ging er sehr methodisch vor. Er hing fast die ganze Zeit im Gym ab, er stand um 7 Uhr auf und lernte von anderen Meistern und stellte sicher, dass er auch am Nachmittag und am Abend trainierte. Es war unausweichlich, dass aus ihm mal ein Star werden würde.“

Aber Pontes wusste, dass er Aldo loslassen musste.

„Das Schicksal hat es so gewollt – Aldo wusste, dass er anders war“, sagte Pontes. „Nach dem Schulabschluss wollte er Profi werden. Ich erklärte ihm, dass Manaus nicht der richtige Ort dafür ist und empfahl ihm, nach Rio de Janeiro zu gehen. Er verdiente etwas Preisgeld bei regionalen Jiu-Jitsu-Turnieren, wir halfen ihm ein wenig und dann flog er mit 150 Reais (41 Euro) und einem One-Way-Ticket nach Rio.“

DIE FAVELA MACHT DICH STÄRKER


In Rio schlief Aldo dort, wo er konnte. Sein Leben in der Santo-Amaro-Favela war komplex. Das starke Gemeinschaftsgefühl wurde oftmals durch Verbrechen, Drogenhandel, Gewalt und die bittere Armut erschüttert. Aldos Fans wissen, dass er diesem Chaos entkam und die Favela durch Talent, harte Arbeit und Hingabe gemeinsam mit seiner Ehefrau Vivianne verlassen konnte.

Sein Weg aus der Armut zum sportlichen Erfolg wurde in dem Film „Stronger Than The World: The Story of Jose Aldo“ thematisiert. Dadurch ist er in Brasilien derzeit so bekannt wie nie zu vor. Er genießt es, dass ihm seine Landsleute ihr Vertrauen schenken.

„Wenn ich die Straße entlanglaufe und mich jemand anspricht, dann heißt das, dass ich einen guten Job mache“, sagte Aldo. „Ich sehe das gelassen. Sie nennen mich den ‚People’s Champion‘, weil ich hier mit allen Menschen abhänge, quatsche und Witze mache. Und das zeigt, dass ich der wahre Champion bin.“

Für Pontes unterscheidet sich der Mann, der Samstagnacht kämpft, nicht großartig von dem armen, aber talentierten Jungen, der vor vielen Jahren in Manaus seine Hilfe benötigt hatte.

„Heutzutage fällt es allen leicht, über Jose Aldo zu reden, den Weltmeister, die Sportikone“, sagte Pontes. „Aber das Wichtigste ist, dass er sein Wesen behalten hat. Er hatte seine Ziele immer fest im Blick. Es ist ihm gelungen, die Welt zu erobern. Er hat die Leben von vielen Menschen verändert und er ist immer noch derselbe Mensch.“

Aufgrund seiner Bescheidenheit kommt Aldo nie vom rechten Weg ab. Es ist seine mentale Einstellung, die ihm Samstagnacht gegen Holloway den Sieg bringen wird – davon sind Trainer und Kämpfer überzeugt.

„Als Mensch habe ich mich nicht verändert. Ich bin immer noch derselbe Typ, der dieselben Dinge tut“, sagte Aldo. „Ich denke, jeder Kampf hatte seine eigene Geschichte. Aber ich denke, weil ich zuhause kämpfe, gebe ich noch mehr von mir selbst. Die Gegner sind alle ganz andere Geschichten. Den einen habe ich schnell ausgeknockt, den anderen in der vierten Runde bezwungen und noch einen in der fünften. Nichts hätte mich an diesen Tagen davon abgehalten, zu gewinnen.“

Pontes fügte stolz hinzu: „Er stellt sicher, dass er jedem helfen kann, der ihm geholfen hat – selbst der Junge, der im Gym das Wasser verteilt, ist Aldo wichtig. Ich wusste, dass er ein bekannter Kämpfer werden würde, aber ich konnte mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass er es so weit schaffen würde.“

Der Kämpfer trägt einen goldenen Gürtel, aber der Trainer? Der hat seinen eigenen Preis, den Erfolg seines Schützlings.

„Aldo fuhr früher mit einem sehr alten Fahrrad in sehr alten Flip-Flops, die unterschiedliche Farben hatten, an meinem Gym vorbei“, sagte Pontes. „Versetzt euch in die Vergangenheit zurück und seht dann mal nach, wie weit es dieser Junge geschafft hat. Das ist unbezahlbar. Ich freue mich riesig über alles, was ihm Positives widerfahren ist.“

Das Hauptprogramm von UFC 212 in Rio de Janeiro läuft in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni live auf ran FIGHTING, das Vorprogramm auf UFC FIGHT PASS.

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Samstag, Oktober 28
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