Khabib Nurmagomedov: Der Adler fliegt weiter

„Anfangs war es schwer, in den USA zu leben. Allerdings besteht mein Leben aus Training, Religion, Schlaf und Essen. Bleibt man diesen Prinzipien treu, ist es einfach, sich an alles zu gewöhnen.“ – Khabib Nurmagomedov
UFC lightweight Khabib NurmagomedovWer zur eher skeptischen Sorte gehört, könnte annehmen, Khabib Nurmagomedov hätte den Kampf gegen Abel Trujillo bei UFC 160 im Mai nur angenommen, damit er sich vor den Vorbereitungen auf seine Hochzeit im Juni drücken konnte.

So ist das aber nicht, lachte der frischvermählte Senkrechtstarter im Leichtgewicht.

„Meine Hochzeit war nicht der Grund“, sagte Nurmagomedov über seinen Manager und Übersetzer Sam Kardan. „Unsere ganze Familie kümmert sich um die Hochzeitsvorbereitungen. Das einzige, was der Bräutigam tun muss, ist am Tag der Hochzeit zu erscheinen.“

Schön. Falls Nurmagomedov doch durch die bevorstehende Hochzeit abgelenkt gewesen wäre, so hat er es am Kampfabend nicht gezeigt, als er Trujillo drei Runden lang dominierte und einstimmig nach Punkten gewann. Damit erhöhte er seine Kampfbilanz auf 20-0. Der Kampf lief nicht ohne Drama ab, denn Nurmagomedov hatte das Gewichtslimit um ein Kilogramm verpasst, was beim Wiegen zu einer Auseinandersetzung mit seinem Gegner führte.

„Vor dem Wiegen schüttelte er mir nicht die Hand“, sagte Nurmagomedov. „Wo ich herkomme, ist das ein Zeichen von mangelndem Respekt. Aber ich blieb gefasst und hatte während des Kampfes meine Emotionen unter Kontrolle.“

Das hatte er in der Tat und stellte dadurch mit 21 Takedowns bei 27 Versuchen einen neuen UFC-Rekord auf. So machte er aus einem spannenden Duell zweier aufstrebender Leichtgewichte eine einseitige Angelegenheit.

„Ich dominierte, weil ich im Ringen und Bodenkampf besser bin“, sagte der frühere Sambo-Meister aus Dagestan. „Ich beschloss, den Kampf auf den Boden zu verlagern, wo ich im Vorteil bin. Mein ringerisches Können wird noch einige Kämpfer verblüffen.“

Bislang dominierte Nurmagomedov alle seine Gegner und ließ es sogar leicht aussehen. Eine beeindruckende Errungenschaft für jemanden, der erst im September 25 Jahre alt wird. Er gibt zu, dass sein Punktsieg über Gleison Tibau im Juli 2012 seine bisher größte Herausforderung war, aber gleichzeitig sagt er, er habe nie daran gezweifelt, dass er das Octagon an diesem Abend als Sieger verlassen würde. Das sind ein Selbstbewusstsein und eine Reife, die durch Auseinandersetzungen in und außerhalb gewöhnlicher Umgebungen entstanden.

„Ich habe seit meiner Kindheit auf der Straße und in verschiedenen Wettkämpfen gekämpft und diese Erfahrungen und dieses Selbstvertrauen helfen mir ungemein“, sagte er. „Vielleicht liegt es auch an meinen Genen, denn mein Vater war ebenfalls ein erfolgreicher Sportler.“

Allerdings lehnte es sein Vater Abdulmanap – ein Judo-Schwarzgurt, ukrainischer Meister im Sambo und Meister im Freistilringen – zunächst ab, dass Khabib in seine Fußstapfen tritt.

„Meine Kindheit war ziemlich gewöhnlich“, sagte Khabib. „Mein Vater wollte, dass ich lerne und ich wollte ein Profisportler werden. (lacht) Zwischen uns gab es wegen dieser Angelegenheit häufig Missverständnisse, aber irgendwann bemerkte er, dass ich für das Kämpfen geschaffen bin und er begann 2005, mich zu trainieren, damit ich der Beste der Welt werde.“

Drei Jahre später gab Nurmagomedov sein Profidebüt, in dem er Vusal Bayramov in der ersten Runde zur Aufgabe zwang. Doch erst 2010 bemerkte er, wie viel Talent er tatsächlich hatte und arbeitete fortan noch fleißiger.

„Als ich 2010 die Weltmeisterschaft im Sambo gewann, wusste ich es“, sagte er. „Ich begann, noch viel härter zu trainieren, um meinen Traum von der UFC verwirklichen zu können.“

2012 verwirklichte er endlich diesen Traum. Seitdem gewann er vier von vier Kämpfen im Octagon. Er zwang Kamal Shalorus zur Aufgabe, schlug Thiago Tavares KO und erkämpfte sich Punktsiege über Tibau und Trujillo. Mittlerweile trainiert er bei der berühmten American Kickboxing Academy in San Jose. Nach der einen oder andren Anpassung fühlt er sich dort ziemlich wohl.

„Anfangs war es schwer, in den USA zu leben. Allerdings besteht mein Leben aus Training, Religion, Schlaf und Essen. Bleibt man diesen Prinzipien treu, ist es einfach, sich an alles zu gewöhnen.“ – Khabib Nurmagomedov

Er gewöhnt sich auch langsam an das Leben in der UFC, wo es nichts Schlechtes sein muss, wenn man nach dem fragt, was man will. Das Paradebeispiel ist seine Twitter-Bitte für einen Kampf gegen den zweifachen Weltmeister BJ Penn.

„Ich bat um den Kampf gegen BJ Penn, aber habe noch keine Antwort erhalten“. Sagte er. „Vielleicht hat man andere Pläne für ihn. Ich wollte gegen jemanden kämpfen, den ich schon im Fernsehen sah, als ich noch ganz jung war. Er ist eine Legende.“

Eines Tages, wenn es weiterhin so gut für ihn läuft, wird der unbesiegte 24-Jährige selbst derjenige sein, gegen den hungrige Nachwuchstalente unbedingt kämpfen wollen. Momentan liegt aber noch eine ganze Menge Arbeit vor ihm – Arbeit, die Nurmagomedov nur zu gerne erledigt. Wer ist also als nächstes an der Reihe? Er zögert keine Sekunde in seinem Streben, an die Spitze zu gelangen.

„Wenn BJ nicht verfügbar ist, würde ich gerne gegen TJ Grant kämpfen“, sagte Nurmagomedov über den kanadischen Herausforderer Nr. 1, der wegen einer Verletzung nicht bei UFC 164 gegen Weltmeister Benson Henderson antreten kann. „Wenn er meint, er sei der Herausforderer Nr. 1, könnte er es ja beweisen, indem er mich bei UFC 165 in seiner Heimat besiegt.“

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