Gunnar Nelson: Meister der Selbstverteidigung

Der unbesiegte Isländer kämpft am 16. Februar bei UFC on Fuel TV 7 gegen Jorge Santiago.
Der populärste Sportler in Island ist weder Handballer noch Fußballer: Er ist MMA-Kämpfer. Gunnar Nelson, 24 Jahre alt, ist der sportliche Stolz seines knapp 320.000 Einwohner zählenden Heimatlandes. Er erscheint regelmäßig auf den Titelseiten der Zeitungen und Zeitschriften. Alle Kämpfe von ihm, selbst die vor seiner Verpflichtung durch die UFC, werden behandelt wie in Deutschland ein Boxkampf der Klitschko-Brüder.

Schon früh zeigte sich, welches Potential in ihm steckt. Im Alter von 13 Jahren begann Nelson mit dem Karate-Training. In seiner Jugend gewann er in der Disziplin „Kumite“ alles, was es in Island zu gewinnen gab. Mit 17 zeigte ihm ein Trainingspartner die ersten Bodenkampftechniken. Von da an verbrachte Nelson jede freie Minute im Gi, trainierte unter anderem auf Hawaii mit BJ Penn oder in New York mit Renzo Gracie. Letzterer verlieh ihm nach nur vier Jahren Training den schwarzen Gürtel im brasilianischen Jiu-Jitsu.

2007 bestritt Nelson seinen ersten MMA-Kampf. Von dem daraus resultierenden Unentschieden angefacht, kämpfte er im selben Jahr vier weitere Male. Nach seinen Erfolgen im Karate und im Grappling war der MMA-Sport einfach nur ein logischer Schritt.

„MMA ist ganz anders als das Kumite, denn es gibt keine Unterbrechungen“, sagt Nelson. „Wenn man einen Schlag oder Tritt gelandet hat, darf man weiterkämpfen. Man muss nicht aufhören, bekommt einen Punkt und beginnt wieder von vorne. Wenn man kämpft, hat man kein Gefühl für die Zeit mehr, man hat überhaupt kein Gefühl mehr. Ich mag diesen Zustand. Was ich nicht mag, ist meinen Gegnern Schaden zuzufügen. Aber es gehört eben zum Sport dazu und ist eine gesunde Erfahrung.“

Ungeschlagen in die UFC

Seit dem Unentschieden in seinem Profidebüt hat Nelson alle seine Kämpfe gewonnen. In den vergangenen Jahren versuchte die UFC immer wieder, ihn unter Vertrag zu nehmen. Nelson fühlte sich noch nicht dazu bereit. Er wollte weiter an seinen Fähigkeiten feilen. Dass das die richtige Entscheidung war, zeigte sich im September 2009 bei seinem ersten UFC-Kampf. Bei UFC on Fuel TV 5 zwang er den „Ultimate Fighter 9“-Finalisten DaMarques Johnson nach dreieinhalb Minuten zur Aufgabe.

„Ich war sehr glücklich mit dem Verlauf des Kampfes“, sagt Nelson. „Keiner von uns erlitt größeren Schaden. Das mag ich. Aber ich weiß auch, dass es nicht immer so sein wird. Mir gefällt die Vorstellung eines sauberen Kampfes. Und dieser Kampf war sehr sauber.“

Die methodische Vorgehensweise, die Nelson in seinem UFC-Debüt verfolgte, spiegelte seinen Charakter wieder. Er ist ein ruhiger und konzentrierter Mensch, der lieber einmal zu langsam spricht als zu schnell. Im Kampf ist er zwar aggressiv, aber nicht zu hastig. Er lässt den Gegner kommen, und sobald er seine Schwachstelle entdeckt hat, schlägt er eiskalt zu.

„Ich halte mich in jedem Kampf an eine gewisse Strategie, und es ist immer dieselbe“, sagt Nelson. „Ich reagiere auf das, was mein Gegner macht und verlagere den Kampf dann dorthin, wo ich glaube, die größten Siegchancen zu haben. Wo das ist, erfahre ich erst im Käfig. Daher ist es für mich nicht sinnvoll, schon vor dem Kampf einen Plan zu erstellen.“

Siegen als Selbstverteidigung

Den ersten Test hat Nelson mit Bravour bestanden. Mit dem Brasilianer Jorge Santiago erwartet ihn am 16. Februar bei UFC on Fuel TV 7 in London ein anderes Kaliber als Johnson.

„Jorge Santiago ist ein sehr interessanter Gegner“, sagt Nelson über den BJJ-Schwarzgurt. „Er ist ein starker Kämpfer, talentiert und sehr erfahren. Er hat einige beeindruckte Siege in seiner Kampfbilanz stehen. Da er aus dem Mittelgewicht ins Weltergewicht wechselt, wird er mit Sicherheit ziemlich kräftig sein.“

Santiago hat 92% seiner Kämpfe vorzeitig gewonnen, Nelson sogar 100%. Seine Erfahrungen im Stand- und im Bodenkampf ermöglichen es ihm, einen Kampf aus allen Lagen zu beenden.

„Vorzeitige Siege haben bei mir höchste Priorität“, sagt Nelson. „Der wichtigste Aspekt im MMA-Sport ist die Selbstverteidigung. Je mehr Zeit ich mit meinem Gegner im Käfig verbringe, umso mehr Zeit hat er, mich zu besiegen. Deswegen versuche ich, schnell zu sein und ihm zuvorzukommen. So entstehen aufregende Kämpfe, und das wollen die Fans ja auch sehen. Also verpasst meinen Kampf in London nicht. Ich garantiere euch, er wird euch sehr gefallen.“

Sonntag, Februar 1
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Las Vegas, Nevada

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