Nunes verteidigt, Hein verliert

Hier findet ihr alle wesentlichen Informationen zu UFC 224 in Rio de Janeiro, Brasilien.
Amanda Nunes gewann am Samstag ihren härtesten Kampf. Das jedoch lag nicht daran, dass Raquel Pennington sie an ihre athletischen Grenzen geführt hätte, sondern an der Härte, die sie für diesen Sieg im Octagon auffahren musste. Pennington, mit der Nunes eine jahrelange Freundschaft verbindet, zeigte Herz, war aber fast fünf Runden lang weit entfernt davon, sich den Bantamgewichtsgürtel der Damen zu schnappen und musste stattdessen bei dem Versuch jede Menge einstecken.

Nunes ging früh mit soliden Attacken im Stand in Führung, vor allem Lowkicks hinterließen sichtbaren Schaden an ihrer Kontrahentin. Im zweiten Durchgang hatte Pennington einigen Erfolg damit, Nunes auszukontern und konnte sich sogar einen Takedown sichern, spätestens in Runde drei allerdings schwang das Kräfteverhältnis deutlich zugunsten der Titelverteidigerin aus. Nunes behielt das Geschehen quasi durchweg unter Kontrolle und setzte Pennington, die es nie wirklich schaffte, sich aus der Defensive herauszukämpfen, die gesamte Zeit über mit Kopf- und Körpertreffern zu.

In der Rundenpause zwischen den letzten beiden Durchgängen teilte eine deutlich gezeichnete Pennington ihrer Ecke mit, dass sie genug habe. Davon wollten die Betreuer jedoch nichts wissen und peitschten ihre Kämpferin für eine letzte, harte Runde an. Dafür setzte es nach dem Kampf harsche Kritik, denn im Grunde war das Duell an diesem Punkt bereits entschieden. Zwar landete Pennington tatsächlich noch einige Treffer, aber es half nichts: Nunes attackierte weiterhin stark, brachte dann den Takedown durch und bearbeitete ihre Gegnerin am Boden mit harten Schlägen. Nachdem Penningtons zu diesem Zeitpunkt schon länger gebrochene Nase noch größeren Schaden genommen zu haben schien und sie keinerlei effektive Verteidigung mehr zustande brachte, brach der Ringrichter das Duell nach 2:36 der fünften Runde ab.

Nunes gelang damit ihre dritte Titelverteidigung. „Ich habe noch nie gegen eine Freundin gekämpft“, so die Brasilianerin nach ihrem Sieg. „Das war sehr hart heute, weil ich sie schon so lange kenne und mag.“ Für Pennington war es nach vier Siegen in Folge die erste Niederlage seit Februar 2015.

Belfort verliert Abschiedskampf, Hein muss aufgeben

Den Co-Hauptkampf des Abends entschied Kelvin Gastelum gegen Ronaldo Souza knapp nach Punkten für sich. Die beiden Top-Mittelgewichte lieferten sich eine Schlacht, an deren Ende beide einen Sieg verdient gehabt hätten. Grappling-Guru Souza gewann die erste Runde deutlich – nach einem Takedown kontrollierte er Gastelum am Boden und hätte beinahe einen Armbar durchgebracht. Im zweiten Durchgang allerdings holte Gastelum in nur einer Sekunde auf, indem er Souza niederschlug. Danach schien der Brasilianer nie wieder zurück zu voller Kraft zu finden, hielt aber trotzdem so gut es ging dagegen und traf Gastelum mit Schlägen. Der wiederum drückte gegen Ende der drei Runden noch einmal stärker aufs Gas und dürfte sich damit das Kreuz der Punktrichter gesichert haben.

Für Strohgewichts-Talent Mackenzie Dern hätte dieses Wochenende ein Desaster werden können. Dem Strohgewichtslimit von 52,61 Kilogramm kam sie nämlich nicht einmal nahe, die Waage betrat die 25-Jährige am Freitag mit satten 55,79 Kilogramm. Diese knapp drei Kilogramm zu viel ließen laute Zweifel an der Ernsthaftigkeit aufkommen, mit der die so talentierte wie verdiente BJJ-Expertin sich ihrer neuen Karriere im Käfig widmet.

Ihren Ruf rettete sie mit einer umso beherzteren Leistung im Octagon: Dern schlug die gelernte Boxerin Amanda Cooper mit einer wilden Rechten nieder, sicherte sich problemlos die Mount und setzte anschließend zum Rear Naked Choke an, in dem Cooper nach 2:27 der ersten Runde abklopfen musste.

Zuvor brachte John Lineker die Halle zum Kochen. Das brasilianische Top-Bantamgewicht malträtierte Brian Kelleher ihren gesamten Kampf über mit soliden Treffern, entschied das Duell dann aber keine eineinhalb Minuten vor Schluss mit einer furiosen Schlagsalve endgültig für sich. Ein linker Haken setzte nach 3:43 den Schlussakzent, der bei Kelleher die Lichter ausknipste und Lineker den achten Sieg in seinen letzten neun Kämpfen bescherte.

Für Vitor Belfort sollte UFC 224 die wohlverdiente Abschiedsfeier nach fast 22 Jahren als Profi-Kämpfer werden. Tatsächlich aber dürfte ein Großteil seines letzten Kampfes aus seiner Erinnerung gelöscht worden sein, als Lyoto Machida ihn nach 1:00 der zweiten Runde mit einem Frontkick zum Kinn sauber ausknockte.

Die sechs Minuten zuvor waren recht verhalten verstrichen, mit dem Ausrufezeichen am Schluss aber holte Machida seinen zweiten Sieg in Folge und rief Erinnerungen an das Jahr 2011 wach: Damals knockte er Randy Couture in dessen Abschiedskampf mit fast der gleichen Technik aus – nur Monate, nachdem Anderson Silva per Frontkick-KO seinen damals gefährlichsten Herausforderer bezwungen hatte. Einen gewissen Vitor Belfort.

Auf dem Vorprogramm stieg der Deutsche Nick Hein zum ersten Mal seit 2016 wieder ins Octagon. Das Comeback allerdings lief nicht wie geplant – zwar konnte der gelernte Judoka den Brasilianer Davi Ramos früh im Kampf mit einem linken Haken niederschlagen, ließ den hoch dekorierten BJJ-Spezialisten jedoch wieder auf die Beine. Dort täuschte Ramos wenig später eine Rechte an und ging direkt in den Takedown über. Auf der Matte arbeitete er sich auf Heins Rücken vor, kurz darauf klopfte der im Rear Naked Choke des Grappling-Experten ab.

Das restliche Vorprogramm im Überblick:

Cezar Ferreira besiegte Karl Roberson durch Aufgabe nach 4:45 der ersten Runde

Oleksiy Oliynyk besiegte Júnior Albini durch Aufgabe nach 1:45 der ersten Runde

Elizeu Zaleski dos Santos besiegte Sean Strickland durch Knockout nach 3:40 der ersten Runde

Warlley Alves besiegte Sultan Aliev durch technischen Knockout (Abbruch durch den Ringarzt) nach 5:00 der zweiten Runde

Jack Hermansson besiegte Thales Leites durch technischen Knockout nach 2:10 der dritten Runde

Ramazan Emeev besiegte Alberto Mina einstimmig nach Punkten (30-27, 30-27, 30-27)

Markus Perez besiegte James Bochnovic durch Aufgabe nach 4:28 der ersten Runde
Sonntag, Mai 27
1PM/10AM
ETPT
Liverpool, United Kingdom

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