Pascal Krauss: Der Panzer ist kampfbereit

Das deutsche Weltergewicht tritt am 26. Januar bei UFC on FOX 6 gegen Mike Stumpf an.
Auf einen Traumstart folgte für Pascal Krauss eine Enttäuschung nach der anderen. Der Deutsche gewann im November 2010 sein UFC-Debüt und wurde dafür mit dem „Kampf des Abends“ ausgezeichnet. Dann setzte ihn eine schwere Schulterverletzung monatelang außer Gefecht. In seinem Comeback im Mai 2012 erlitt der „Panzer“ gegen den Engländer John Hathaway die erste Niederlage seiner Profikarriere. Eine Rippenverletzung verhinderte im September 2012 seine Chance, sich zu rehabilitieren.

Krauss hätte genügend Ausflüchte für jene Niederlage. Beispielsweise Ringrost, weil er zwischen seinen beiden Kämpfen achtzehn Monate pausieren musste, weil er über ein Jahr lang keinen Sport treiben konnte. Doch der 25 Jahre alte Freiburger sucht den Grund für seine Niederlage nur bei sich selbst.

„Ich war nicht vielseitig genug“, erzählt Krauss. „Ich habe mich mehr oder weniger auf sein Ding eingelassen und dann letztlich nur versucht, mit ihm Schläge und Tritte auszutauschen, anstatt auch mal ein Takedown anzutäuschen und dann wieder oben weiterzumachen oder es durchzuziehen. Er hat mich natürlich Mitte der ersten Runde verdammt gut mit seinem Knie erwischt, das hat mich doch ganz schön mitgenommen. Von da an war jeglicher Gameplan, den ich hatte, über Bord geworfen und ich habe mich einfach nur noch auf sein Ding eingelassen und mitgekämpft. Er war an diesem Abend einfach der Bessere.“

Nichtsdestotrotz stieg am 5. Mai vergangenen Jahres nicht der selbstbewusste Krauss ins Octagon, der den Engländer Mark Scanlon bei UFC 122 in Oberhausen besiegt hatte.

„Es hat sich einfach komisch angefühlt, in die Arena zu laufen und in dem Käfig zu stehen“, berichtet Krauss. „Es war, als würde ich mich selbst von außen sehen und fragen: ‚Was mache ich eigentlich? Bin das wirklich ich?‘ Das ganze ringsherum war ziemlich überwältigend, als wenn man seinen ersten Kampf haben würde – aber gleich vor so einem Publikum mit so viel Medien, den ganzen Lichtern und Kameras. Ich war nicht derselbe wie sonst.“

Goodbye Deutschland


Damit die erste Niederlage seine einzige bleibt, erhöhte und intensivierte Krauss sein Trainingspensum. Er trainierte erst in Polen beim Berserkers-Team, dann in Holland bei K-1-Star Albert Krauss. Mitte November zog er in die USA, wo er bei Roufusport Seite an Seite mit dem früheren WEC Leichtgewichtschampion Anthony Pettis, dem Federgewichts-Senkrechtstarter Erik Koch, dem Veteranen Alan Belcher und dem Olympioniken Ben Askren trainiert.

„Ich denke, ich habe mich in allen Bereichen verbessert – sowohl im Stand als auch auf dem Boden als auch ringerisch“, erzählt Krauss. „Das werde ich am 26. Januar zeigen.“

Mit dem Umzug in eines der Mutterländer des modernen MMA-Sports zeigt Krauss, wie ernst es ihm mit seiner Karriere in der UFC ist. Dort gibt es für ihn keine Ablenkungen, keine Nebenschauplätze – die hat er in Deutschland zurückgelassen. In den USA kann er sich erstmals voll und ganz auf den Sport konzentrieren und mehrmals täglich trainieren.

„Ich habe mittlerweile festgestellt, dass es auf dem Niveau, auf dem ich jetzt kämpfe, nicht möglich ist, drei Dinge gleichzeitig zu machen“, erzählt Krauss. „Das ging früher gut, als ich noch bei kleineren Veranstaltungen kämpfte. Da konnte ich nebenher noch studieren, an der Tür stehen und im Käfig meine Kämpfe gewinnen. Aber in der UFC sind alle Gegner auf so einem hohen Niveau, dass die kleinsten Kleinigkeiten entscheiden, zum Beispiel wer den besseren Schlaf hat, wer sich schneller erholt, wer weniger Stress hat, wer sich klüger ernährt. Ich habe die große Chance bekommen, momentan als einer von nur zwei Deutschen in der UFC zu kämpfen und will das Beste daraus machen. Wenn es nicht reicht, weil ich nicht gut genug bin, dann finde ich mich damit ab. Aber ich will mir nicht in ein paar Jahren vorwerfen müssen, dass es hätte klappen können, wenn ich mich damals wirklich zu 100% auf meine sportliche Karriere konzentriert hätte. Ich versuche jetzt, das Maximale aus meiner sportlichen Karriere herauszuholen.“

Der Neuanfang


Pascal Krauss 2.0 tritt erstmals am 26. Januar im Vorprogramm von UFC on FOX 6 in Chicago, Illinois in Erscheinung. Seit seinem letzten Kampf werden wieder acht Monate vergangen sein. Doch das soll diesmal keine Rolle spielen.

„Es kann schon sein, dass ich durch die längere Abwesenheit ein bisschen Zeit brauche, um wieder reinzukommen“, meint Krauss. „Aber es wird auf keinen Fall wieder so sein wie beim letzten Mal, denn dieses Mal bin ich, auch wenn ich jetzt nicht gekämpft habe, im Training geblieben und habe mich die ganze Zeit mit dem Sport auseinandergesetzt.“

Ursprünglich hätte Krauss bereits im September 2012 in Nottingham, England zurückkehren sollen. Doch eine im Sparring erlittene Verletzung hinderte ihn an seinem Kampf bei UFC on Fuel TV 5.

„Ich war diesmal nicht wieder monatelang außer Gefecht gesetzt, sondern konnte nach wenigen Wochen wieder trainieren“, sagt Krauss. „Daher sehe ich das als ein langes Trainingslager an, mit dem ich mich auf meinen nächsten Kampf vorbereitet habe. Die Zeit, in der ich nicht kämpfen konnte, habe ich genutzt, um mich zu verbessern. Es war nicht so wie beim letzten Mal, dass ich ein Jahr lang gar nichts machen konnte. Ich konnte konstant trainieren und mich Schritt für Schritt steigern.“

Diese Weiterentwicklung kann Krauss am Samstag gegen den 29 Jahre alten US-Amerikaner Mike Stumpf beweisen, einen physisch starken Ringer und Bodenkämpfer. Stumpf hat bislang einmal in der UFC gekämpft und diesen Kampf in der ersten Runde durch Aufgabe verloren. Er stand seit September 2011 nicht mehr im Octagon. Auf dem Papier sind das optimale Voraussetzungen für Krauss. Doch im Gegensatz zu vielen Fans wird er seinen Gegner nicht unterschätzen.

„Mike Stumpf ist keiner von den Top-Jungs, aber ihn nur anhand einer Leistung in der UFC zu beurteilen, ist ein bisschen voreilig“, sagt Krauss. „In dem Kampf sah er nicht gut aus, das stimmt. Da wurde er auseinandergenommen und relativ schnell finalisiert. Aber er hat immerhin elf Kämpfe gewonnen, davon sieben in der ersten Runde. Ich werde ihn keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen, aber er ist auf jeden Fall schlagbar.“

In Deutschland erwartet fast jeder einen deutlichen Sieg von Krauss, damit er seinen Platz in der UFC behaupten kann. Er selbst denkt jedoch nicht an mögliche Konsequenzen aus dem Duell gegen Stumpf, sondern hat nur noch ein einziges Ziel vor Augen.

„Ich will jeden Kampf gewinnen“, sagt Krauss. „Der Sieg steht immer im Vordergrund, und dieses Mal werde ich ihn wieder holen!“

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