Cain Velasquez auf dem Weg zum Champion

„Von Beginn an wollte ich der UFC Schwergewichtschampion werden. Das ist der einzige Grund, weswegen ich mit dem Sport angefangen habe. Ich wollte der Beste sein.“
Der Schwergewichtstitelherausforderer Cain Velasquez gesteht, dass er in Sachen Liebe etwas albern ist.

Als er seiner Verlobten Anfang des Jahres nach seinem KO-Sieg gegen Minotauro Nogueira im australischen Sydney einen Heiratsantrag machte, täuschte er bei einem Spaziergang am Strand vor, sich den Zeh angestoßen zu haben, damit er in die Knie gehen und die Mutter seiner Tochter fragen konnte, ob sie den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen wolle.

Sie hat Ja gesagt.

Wenn der Kampf allerdings anders verlaufen wäre, wäre Velasquez heutzutage womöglich nicht verlobt.

„Ich denke, dass ich nach einer Niederlage nicht in einer so fröhlichen Stimmung gewesen wäre, um so etwas zu tun“, sagt Velasquez, der an diesem Samstag bei UFC 121 im Honda Center von Anaheim gegen Brock Lesnar um den Schwergewichtstitel der UFC kämpft.

Diese alberne Seite des unbesiegten Kämpfers (8-0) bekommen seine Gegner für gewöhnlich nicht zu sehen.

Gegen Cheick Kongo bewies er, dass er gute Nehmerqualitäten besitzt, als er in der ersten Runde vom Franzosen angeklingelt wurde, sich aber schnell wieder erholte und einen einstimmigen Punktsieg einfuhr.

Gegen Ben Rothwell zeigte er seine hervorragenden ringerischen Fähigkeiten, indem er den ehemaligen IFL Champion nach Belieben auf den Boden warf und schlussendlich in Runde zwei durch TKO siegte. Und bei UFC 110 bewies er, dass er unglaublich schnell und hart zuschlagen kann, als er der erst zweite Kämpfer wurde, der Nogueira vorzeitig besiegt hat. Es gelang ihm nach nur 2:20 Minuten der ersten Runde.

Es ist heiß und schwül in der American Kickboxing Academy in San Jose, Kalifornien, wo Velasquez unter dem wachsamen Auge von Javier Mendez und mit seinen UFC-Kollegen Josh Koscheck, Mike Swick und Jon Fitch trainiert.

Velasquez boxt mit einem örtlichen Schwergewichtsboxer, gegen den er noch nie zuvor einen Sparringskampf bestritten hatte.

„Ich sagte ihm, er solle es gemütlich angehen lassen“, sagt Mendez. „Keine Schläge an den Kopf.“

Der Boxer schien die Anweisung nicht mitbekommen haben, denn während sein eigener Trainer am Ring stand und seinen Schützling coachte, traf der Junge Cain mit einem linken Haken am Kopf. Cain blickte in seine Ecke und Javier nickte ihm zu; er gab ihm grünes Licht, etwas härter vorzugehen.

Bei der nächsten Kombination des Boxers ging Velasquez einen Schritt zur Seite und feuerte einen linken Haken auf den Körper des Jungen, der daraufhin zu Boden ging. Es dauerte eineinhalb Minuten, ehe er sich wieder erholt hatte.

So eine Art von Kämpfer ist Velasquez. Er kann seine Härte an- und ausschalten. Ein Nicken oder ein Kopfschütteln reicht dafür aus.

„Cain trainiert wie ein Leichtgewicht“, sagt Mendez. „Er ist schnell und er ist unnachgiebig.“ Velasquez führt seine Arbeitsmoral auf seine Eltern zurück; Migranten, die das ganze Jahr auf einer Farm arbeiten, von Kalifornien nach Yuma pendeln, Baumwolle und Wassermelonen ernten und in Lastwägen verladen.

„Er hat schon immer auf den Feldern gearbeitet“, sagt Velasquez über seinen Vater. „Salat ernten, Salat verpacken, Salat auf Lastwägen laden. Das haben sie den ganzen Tag lang gemacht. Meine Mama hat dasselbe getan“, sagt der mexikanisch-stämmige Amerikaner, der sich vorgenommen hat, ein Vorbild zu sein, zu dem die Latinos aufblicken können. Darum auch das „Brown Pride“-Tattoo auf seiner Brust.

„Ich habe mir das Tattoo wegen der harten Arbeit stechen lassen, die meine Eltern verrichtet haben, als sie in dieses Land gekommen sind“, sagt er. „Sie wollten hier ihre Kinder großziehen, uns ein besseres Leben ermöglichen. Als ich aufwuchs, gab es in den Medien niemanden, zu dem ich aufblicken konnte. Ich hätte nie gedacht, einmal im Rampenlicht zu stehen oder ein Profisportler sein zu können. Mit ‚Brown Pride‘ wollte ich Menschen wie mir zeigen, dass Mexikaner es hier zu etwas bringen können.“

Velasquez steht nun der größte Kampf seines Lebens bevor. Gegen einen Mann, von dem er sagt, er hätte bewiesen, das Herz eines wahren Champions zu haben.

„Ich denke, dass es nicht viele Kämpfer gibt, die diese erste Runde und dieses Ground and Pound von Shane Carwin überstehen können. Lesnar überstand es. Er überstand die erste Runde, kam in der zweiten Runde stark zurück und holte sich den Aufgabesieg“, sagt Velasquez, der einräumt, dass es schwierig ist, Trainingspartner zu finden, die den Champion nachahmen können.

„Für einen Mann von seiner Größe ist er ziemlich explosiv“, sagt Cain. „Er hat sehr viel Power. Und er bewegt sich sehr gut. Jemanden zu finden, der alle diese Eigenschaft besitzen, ist wirklich schwierig. Wir haben uns eine Weile umgesehen und dann einige sehr gute Ringer gefunden.“

Während Velasquez stattliche 108 Kilogramm wiegt, muss Lesnar sogar Gewicht abnehmen, um die Gewichtsgrenze von 120 Kilogramm einhalten zu können. Aber mit solch einer Masse war er schon mehrfach während seiner Zeit als Ringer auf dem College konfrontiert, als er ein zweifacher „All-American“ an der Arizona State war.

„Ich musste gegen Ringer ringen, die Gewicht verlieren mussten, um 129 Kilogramm zu wiegen“, sagt er. „Ich entschied mich dazu, in dieser Gewichtsklasse anzutreten. Ich kann nicht mehr Masse aufbauen. Ich habe es versucht, aber es klappte nicht so gut.“

Velasquez sagt, dass er trotz des Masseunterschieds mit Lesnar mithalten kann.

„Ich denke, dass ich mich im Stand wohler fühle“, sagt er. „Ich weiß, dass er eine große Reichweite hat und dass er kraftvoll ist, aber ich werde versuchen, mich viel zu bewegen und unvorhersehbar zu sein.“

Lesnar schockte die MMA-Welt, als er Carwin mit einem Arm Triangle Choke zur Aufgabe zwang. Er zeigte sich im Bodenkampf im Vergleich zu seinen vorherigen Kämpfen um einiges verbessert. Obwohl er von seinem Kämpferherz beeindruckt war, war Velasquez von dem Aufgabegriff nicht sonderlich beeindruckt – verständlich, denn bei der Vorbereitung auf seinen letzten Kampf gegen Nogueira hat er so viel an seiner Defensive im Bodenkampf gearbeitet wie noch nie zuvor.

„Das beunruhigt mich nicht“, sagt Velasquez. „Ich fühle mich auf dem Boden wohl und bin zuversichtlich. Ich weiß, was geschehen wird, wenn er mich in diese Position bringt. Ich weiß, was ich tun muss, um mich aus so etwas zu befreien.“

Obwohl es ihm gefällt, ein unbesiegter Kämpfer in der weltweit größten MMA-Organisation zu sein, sagt Velasquez, dass er nicht zufrieden ist, ehe er den Titelgürtel um seine Hüften geschnallt hat.

„Von Beginn an wollte ich der UFC Schwergewichtschampion werden. Das ist der einzige Grund, weswegen ich mit dem Sport angefangen habe. Ich wollte der Beste sein. Ich denke, wenn ich niemals diesen Gürtel gewinnen würde, wäre meine Karriere einfach nur mittelmäßig.“

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