Die Blaupause: Couture vs. Machida

Randy Couture kämpft am 30. April bei UFC 129 gegen Lyoto Machida – Michael DiSanto nimmt das Duell unter die Lupe.

Wenn man etwas nicht weiß, sollte man besser jemanden fragen.

 

Randy Couture ist im MMA-Sport der Kämpfer mit den meisten Errungenschaften aller Zeiten. Punkt. Seine Liste mit UFC-Rekorden ist beeindruckend: Er ist der Erste, der in zwei unterschiedlichen Gewichtsklassen Weltmeister wurde; er ist der Erste, der mehrfach die Weltmeisterschaft im Schwergewicht gewann; er ist der Einzige, der sie dreimal gewann; er ist der Einzige, der zweimal die Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht gewann; er ist der Einzige, der schon fünfzehnmal um eine Weltmeisterschaft gekämpft hat; er ist der Einzige, der nach Erreichen des vierzigsten Lebensjahres noch Weltmeister wurde; er ist der Einzige, der nach Erreichen des vierzigsten Lebensjahres den Weltmeisterschaftstitel erfolgreich verteidigte; und so weiter.

 

Und er hat auch einen Platz in der Ruhmeshalle der UFC.

 

Couture ist eine lebende Legende. Ein ikonischer Kampfsportler. Er ist mit seinen 47 Jahren auch alt genug, um ein Großvater zu sein, was bedeutet, dass die biologische Uhr sein gefährlichster Gegner ist. Kein Sportler schafft es, gegen die biologische Uhr zu gewinnen. Niemand. In keiner Sportart.

 

Coutures Welle des Erfolgs wird früher oder später abrupt enden. Wird es am 30. April dazu kommen? Wird Lyoto Machida, ein Mann, der nach den ersten beiden Niederlagen in seiner Karriere (die darüber hinaus hintereinander erfolgten) unbedingt einen Sieg braucht, Couture in den Ruhestand schicken? Oder wird der Meisterstrategie dem Älterwerden erneut ein Schnippchen schlagen und mit einem brillanten, auf seinen ringerischen Fähigkeiten basierenden Schlachtplan Erfolg haben?

 

Bedenkt, dass Machidas Kampfstil genau auf dem aufbaut, was Couture in einem Gegner nicht haben will. Er ist ein äußerst beweglicher und leichtfüßiger Standkämpfer, der mit seinen Händen und Füßen so schnell ist wie kaum ein anderer in diesem Sport. Seine Verteidigung gegen Takedowns war in seiner bisherigen Karriere fast perfekt. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass auch Machida ein ehemaliger Weltmeister ist.

 

Es lässt sich wohl sagen, dass dieser Kampf das bislang aufregendste Halbschwergewichtsduell im Jahr 2011 ist.

 

Die zum Sieg führende Blaupause ist bei dieser Begegnung sehr einfach und unkompliziert. Couture muss eines von zwei Dingen tun, wenn nicht beide. Er muss Machida im Clinch gegen den Käfig pressen und sein „Dirty Boxing“ einsetzen, um ihn seiner Explosivität zu rauben. Das ist der wichtigste Schlüssel zu einem Sieg für „The Natural“.

 

Etwas schwieriger wird es sein, Machida auf den Boden zu bringen und ihn mit konservativem, aber beständigem Ground and Pound zu bearbeiten. Couture muss deswegen zurückhaltend vorgehen, weil Machida auch ein sehr guter Bodenkämpfer mit einer unterschätzten Guard ist.

 

Couture ist seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr zur Aufgabe gezwungen worden. Ricco Rodriguez ist der letzte Kämpfer, dem das gelungen ist, und damals kam es nicht einmal mit einem richtigen Aufgabegriff dazu. Rodriguez brach Coutures Augenhöhlenknochen mit einem Ellenbogenstoß aus der Oberlage, woraufhin der damalige Weltmeister aufgeben musste.

 

Es ist schwer vorstellbar, dass Machida einen Triangle Choke ansetzen, in einen Armhebel rollen, sich für einen Omoplata einhaken oder einen anderen Aufgabegriff aus der Guard ansetzen kann, um das Mitglied der „Hall of Fame“ zur Aufgabe zu zwingen. Im MMA-Sport geht es allerdings oft nur um Zentimeter und Bruchteile einer Sekunde. Wenn Couture sich mit seinem Ground and Pound zu sicher fühlt oder irgendeinen Leichtsinnsfehler beim Passieren der Guard begeht, könnte es passieren.

 

Andererseits könnte es zu einem Kampfabbruch kommen, wenn Couture nach einem Takedown etwas unnachgiebiger mit seinen Schlägen agiert. Fans und Experten gleichermaßen vergessen oft, dass Couture die meisten seiner Kämpfe vorzeitig beendet hat: Genau dreiviertel seiner Kämpfe in der UFC entschied er ohne die Mithilfe der Punktrichter für sich. Wenn er Machida so müde machen kann, um den Kampf auf den Boden zu verlagern, ist ein Abbruch nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich.

 

Machidas Schlüssel zum Sieg sind genauso offensichtlich. Er muss den Kampf im Stand halten und den Clinch vermeiden. So einfach ist das. Wenn er aus dem Kampf ein Kickboxduell oder ein Boxduell machen kann, wird er einen Sieg einfahren. Machidas Fähigkeiten im Stand sind denen seines Gegners bei weitem überlegen. In puncto Schnelligkeit und Beinarbeit ist er dem fünfzehn Jahre älteren Couture um Lichtjahre voraus.

 

Natürlich darf sich Machida nicht auf seinen Stärken ausruhen und einfach so vor Couture stehenbleiben. Wenn er das macht, wird er es der lebenden Legende ermöglichen, die Distanz zu verkürzen und in den Clinch zu gehen. Machida mag vielleicht gegen Tito Ortiz und andere Gegner im Clinch gut ausgesehen haben, aber keiner seiner bisherigen Kontrahenten ist im Clinch so herausragend wie Couture.

 

Machida muss sich viel zur Seite bewegen und seine Angriffe mit Täuschungsmanövern vorbereiten, um Couture zu verunsichern. Das ist wichtig, damit er den Kampf im Stand führen kann. Vergesst den Jab. Machidas Jab ist ohnehin nicht großartig. Als Rechtsausleger sollte er mit seiner linken Geraden attackieren und sich dann sofort wieder zurückziehen.

 

Wenn er Couture mit einer dieser Linken anklingeln kann, kann er mit einer Schlagsalve nachsetzen, wie er es schon gegen so viele Gegner getan hat. Dann ist auch ein Knockout möglich. Aber Machida sollte nicht von vornherein nach dem Knockout suchen. Er sollte seine Schläge behutsam einsetzen. Er sollte sich vornehmen, Couture auszupunkten.

 

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wer diesen Kampf gewinnen wird. Ich unterschätze Couture kontinuierlich aufgrund seines Alters. Mein Gehirn sagt mir, dass er mit 47 Jahren nicht mehr das Zeug dazu hat, einen Spitzenkämpfer wie Machida zu besiegen. Mein Herz sagt mir, dass mein Gehirn wieder einmal falsch liegt.

 

 

FAKTEN IM ÜBERBLICK

 

Randy Couture

  • 47 Jahre alt
  • 1,88 Meter; 93 Kilogramm
  • 1,90 Meter Reichweite
  • 19-10 Kampfbilanz (16-7 in der UFC)
  • 3-2 in den letzten fünf Kämpfen (zwei davon im Halbschwergewicht)
  • 6-4 in den letzten zehn Kämpfen
  • 8-5 seit er 40 Jahre alte ist
  • 43,75% der UFC-Siege durch KO/TKO (7 von 16)
  • 31,25% der UFC-Siege durch Aufgabe (5 von 16)
  • 25% der UFC-Siege durch Punktentscheid (4 von 16)
  • 71,4% der UFC-Niederlagen durch Schlagwirkung (5 von 7)
  • 245 Tage seit letztem Kampf
  • Längste Pause seit dem Jahr 2001 betrug 392 Tage
  • Sieger des Turniers bei UFC 13
  • Zweifacher UFC-Weltmeister im Halbschwergewicht
  • Dreifacher UFC-Weltmeister im Schwergewicht
  • Einziger Kämpfer in der Geschichte der UFC, der nach Einführung in der Ruhmeshalle Weltmeister wurde
  • Erster Kämpfer in der Geschichte der UFC, der Weltmeister in zwei unterschiedlichen Gewichtsklassen wurde
  • Die meisten Titelkämpfe in der Geschichte der UFC (15)
  • Gewann zweimal den Bonus für den „Kampf des Abends“

 

Lyoto Machida

  • 32 Jahre alt
  • 1,86 Meter groß; 93 Kilogramm
  • 1,88 Meter Reichweite
  • 16-2 Kampfbilanz (8-2 in der UFC)
  • 3-2 in den letzten fünf Kämpfen
  • 8-2 in den letzten zehn Kämpfen
  • 2-1 in Titelkämpfen
  • 5-2 gegen amtierende oder ehemaligen UFC-Weltmeister und PRIDE Grand Prix Sieger
  • Ehemaliger UFC-Weltmeister im Halbschwergewicht
  • 350 Tage Regentschaft als Weltmeister; eine erfolgreiche Titelverteidigung
  • 62,5% der UFC-Siege durch Punktentscheid (5 von 8)
  • 25% der UFC-Siege durch KO (2 von 8)
  • 12,5% der UFC-Siege durch Aufgabe (1 von 8)
  • Gewann zweimal hintereinander den Bonus für den „Knockout des Abends“
  • 161 Tage seit letztem Kampf
  • Längste Pause in der UFC betrug 252 Tage

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