Anders hat ins Schwarze getroffen

Der Hinweis lag direkt vor unserer Nase – in der UFC-Biographie von Eryk Anders, in welcher er als Sprachen Englisch und „ein bisschen Portugiesisch“ angab.

Er lacht und erzählt, dass seine Ehefrau Yasmin ihm nicht nur etwas Portugiesisch beigebracht hat, sondern sie auch aus Brasilien stammt. Vielleicht hat der Wahnsinn des aufstrebenden Mittelgewichts ja Methode? Wird Anders in der Nacht zum Sonntag womöglich seine eigene Fankurve in der Arena Guilherme Paraense haben, wenn er im Hauptkampf der „UFC Fight Night“ in Belem, Brasilien auf Lyoto Machida trifft, den er im Dezember tollkühn herausgefordert hatte?

„Und ob“, sagte der 30 Jahre alte US-Amerikaner mit einem Lachen. Aber Spaß beiseite. Weniger als zwei Monate nach seinem letzten Sieg, seinem zehnten in Folge, kämpft Anders bereits gegen einen ehemaligen Weltmeister im Halbschwergewicht, der in seiner Heimatstadt antritt und unbedingt vor heimischem Publikum in die Erfolgsspur zurückkehren will. Dass sich Anders einem starken Gegner stellen möchte, hat die Fans nicht überrascht – sie waren aber überwältigt, dass er seinen Wunsch so schnell erfüllt bekam. Anders war das jedoch nicht.

„Wir befinden uns in unterschiedlichen Phasen unserer Karriere, sodass ich schon ein klein wenig überrascht war, dass Machida die Herausforderung tatsächlich angenommen hat“, sagte Anders. „Aber ich wusste, dass die UFC nach Belem kommen würde und ich wusste, dass er aus Belem stammt. Und ich wusste, dass die meisten Mittelgewichte zu der Zeit gerade einen Kampf anstehen oder erst kürzlich gekämpft hatten. So viele Möglichkeiten gab es da nicht. Warum sollte ich es also nicht versuchen?“

Anders lands a left hand on <a href='../fighter/rafael-natal'>Rafael Natal</a> during their bout on July 22, 2017 in Uniondale, NY. (Photo by Ed Mulholland/Getty Images) Ja, warum nicht. Aber warum ausgerechnet gegen Machida?

„Ich will mich Schritt für Schritt hocharbeiten“, sagte Anders. „Wer nie nach etwas fragt, bekommt auch nichts. Ich habe einen Schuss ins Blaue gewagt und ins Schwarze getroffen.“

Nicht nur das – wenn er in seinem ersten Hauptkampf seinen dritten Sieg im Octagon einfährt, indem er einen ehemaligen Weltmeister bezwingt, kann er in die Top 15 einsteigen und ein paar Stufen auf der Karriereleiter überspringen. Während sich andere Kampfsportler, die sich in seiner Position befinden, eher um handverlesene Gegner bemühen, ist Anders willens, gegen die Besten anzutreten. Das ist seine Art der Karriereplanung.

„Ich bin eben ich“, sagte Anders. „Ich kämpfe gegen jeden, egal wann, egal wo. Ich brauche nur ein paar Tage Zeit, um das Gewicht zu machen. Ich lebe im Gym und höre nie mit dem Training auf. Ich bin immer in Form. Wenn ich einen Kampf anstehen habe, ändere ich im Prinzip nur meine Ernährungsweise. Ich verzichte auf Pizza und Burger und esse nur das, was meine Frau kocht. Wenn die Kilos purzeln, bin ich bereit, loszulegen.“

„Ich denke, ich hätte mich in jeder Ära des MMA-Sports gut geschlagen“, fügte Anders hinzu. „Manche dieser Kämpfer suchen sich ihre Gegner sorgfältig aus, um ihre Bilanzen zu schönen, aber ich will ein Champion werden. Ich kämpfe nicht nur, um zu kämpfen. Ich habe Ziele und Träume und ich werde alles tun, um sie zu erreichen.“

Anders debütierte 2017 in der UFC als kurzfristiger Ersatz und knockte den Brasilianer Rafael Natal in der ersten Runde aus. Fünf Monate später besiegte er den Brasilianer Markus Perez einstimmig nach Punkten. Gewinnt er Samstagnacht gegen Machida, könnte es ihm so ergehen wie Francis Ngannou. Das afrikanische Schwergewicht war vermarktbar, gewann die richtigen Kämpfe und plötzlich stand er in einem Titelduell gegen Stipe Miocic, auch wenn sich letzten Endes zeigte, dass ihm dafür noch die Erfahrung fehlte. Anders hat Ngannous Entwicklung aufmerksam mitverfolgt und darüber nachgedacht, wie er sich in einer solchen Situation zurechtfinden würde.

„Ich habe mehr als 20 Amateurkämpfe bestritten und weiß daher, wie man sich auf einen Kampf vorbereitet“, sagte Anders. „Ich weiß, was ich tun muss. Ich habe das alles schon mal in meiner Amateurkarriere erlebt, ich habe sogar schon fünf Runden lang gekämpft und einen Monat später mein UFC-Debüt gefeiert. Ich entwickle mich ständig weiter. In jedem Kampf seht ihr eine andere Version meiner selbst. Ich zeige neue Techniken und überrasche damit meine Gegner. Machida macht seit einer halben Ewigkeit immer nur dasselbe, während ich mich kontinuierlich in allen Aspekten des Sports verbessere. Wenn ich kämpfe, weiß niemand, was von mir zu erwarten ist.“

Mit anderen Worten: Derzeit verläuft alles genau nach Plan.

Eryk Anders on July 22, 2017 in Uniondale, NY. (Photo by Ed Mulholland/Getty Images)„Absolut“, sagte Anders. „Nur die Menschen aus meinem Umfeld wissen, wie gut ich wirklich sein kann. Meine Trainer und Trainingspartner sehen jeden Tag, wie hart ich trainiere. Ich kann einen Kampf auf alle möglichen Arten gewinnen – durch Knockout, Aufgabe oder nach Punkten.“

Eryk Anders ist ein beängstigender Kämpfer. Nicht nur wegen den Dingen, die er schon im Octagon geleistet hat, sondern vor allem wegen seines Selbstvertrauens. Er ist nicht arrogant oder frech – er glaubt das, was er sagt. Und die meisten Menschen glauben es ebenso. Wenn er so weitermacht wie bisher, wird er zum Paradebeispiel für die Phrase „nach oben sind keine Grenzen gesetzt“.

„Ich versuche, voranzukommen“, sagte Anders. „Ich will alle Rekorde brechen und ich glaube nicht, dass es in dieser Gewichtsklasse derzeit jemanden gibt, der hungriger und risikofreudiger ist als ich. Nur der Sieger bekommt die Beute.“

Die „UFC Fight Night“ in Belem, Brasilien läuft in der Nacht vom 3. auf den 4. Februar live auf UFC FIGHT PASS.

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