Demetrious Johnson, ein wahrer Champion

Wenn Sportler wahre Größe erreichen, meinen viele Menschen, es sei offensichtlich, dass sie von einer Gabe der Natur profitieren, aufgrund der sie schneller dribbeln oder höher springen können.

Im Kampfsport wird die Sache etwas schwieriger, schließlich glauben nur wenige, dass Menschen dazu geboren werden, einen Gegner in einem Ring oder Octagon zu schlagen. Es gibt keine Talentscouts, die nach Kindern suchen, die sich bei den Prügeleien auf dem Schulhof besonders hervortun und ihnen dann Stipendien für Karate oder Jiu-Jitsu anbieten.

Im Boxen, Kickboxen, Ringen und MMA-Sport erreichen Sportler wahre Größe nur im Stillen. Harte Arbeit unterscheidet einen durchschnittlichen Kämpfer von einem besonderen Kämpfer.


<a href='../fighter/Demetrious-Johnson'>Demetrious Johnson</a> secures an arm bar submission against <a href='../fighter/Ray-Borg'>Ray Borg</a> in their UFC flyweight championship bout during the UFC 216 event inside T-Mobile Arena on October 7, 2017 in Las Vegas, Nevada. (Photo by Jeff Bottari/Zuffa LLC)Demetrious Johnson war zu Schulzeiten ein guter Sportler, der sogar einige Titel gewann. Aber was wird aus einem 1,60 Meter großen Ringer, der zwar gut ist, aber nicht zur Elite gehört? Johnson ging aufs College, wechselte dann aber in die UFC.

Wie im Ringen bekommen 1,60 Meter große MMA-Kämpfer ebenfalls nur selten die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Zu Beginn seiner Karriere rann Johnson durch zehn Gegner hindurch, war aber nur wirklich eingefleischten Fans bekannt – und das in erster Linie dank seiner Zusammenarbeit mit dem Erfolgstrainer Matt Hume. Damals ahnte noch niemand, was für ein MMA-Kämpfer aus dem Mann werden würde, der in einem Warenlager in Tacom als Gabelstaplerfahrer arbeitete.

Johnsons Chef, Pete Bohockey, bekam hautnah mit, wie Johnson zur Arbeit erschien, seine Aufgaben bewältigte und dann ins Gym rannte, um an den Wochenenden kämpfen zu können. Das ging so, bis Johnson zu WEC kam, wo er nach einer Niederlage gegen Brad Pickett über Nick Pace und Damacio Page triumphierte. Nachdem die UFC ihn verpflichtet und Johnson überraschende Siege gegen Kid Yamamoto und Miguel Torres eingefahren hatte, wurde er Vollzeit-Profi. Diesen Schritt vollzog er nach einer gutgemeinten Drohung von Bohockey.

„Ich liebe meinen Chef, er hat mich immer unterstützt“, erzählte mir Johnson vor seinem Sieg über John Moraga im Jahr 2013. „Schon als ich noch ein Amateur war, arbeitete ich für ihn. Ich sagte: ‚Hey, ich muss am Wochenende kämpfen, kann ich mir am Freitag freinehmen, um mein Gewicht zu verlieren? Ich kämpfe am Samstag und komme am Montag wieder zur Arbeit.‘ Er meinte nur: ‚Absolut!‘ Er war ein großer MMA-Fan. Als ich zu WEC kam, wollte ich immer eine ganze Woche frei haben und die gewährte er mir auch. Er sagte mir immer, er würde mich feuern, wenn ich mich für die Arbeit statt für den Kampfsport entscheiden würde. Er hat an mich geglaubt.“

Die Fans glaubten ebenfalls an Johnson. Zwar verlor er 2011 seinen ersten Weltmeisterschaftskampf im Bantamgewicht gegen Dominick Cruz, doch wenige Wochen später rief die UFC ihre Fliegengewichtsklasse ins Leben und gab Johnson damit die Bühne, die er brauchte.

Der Rest ist Geschichte. Johnson besiegte Joseph Benavidez im September 2012 und wurde der erste Weltmeister im Fliegengewicht. Seitdem ist er ungeschlagen. Er erzielte bereits acht Siege über sieben Mitglieder der Top 15 – die Besten der Besten hat er bereits deutlich geschlagen.

Aber nicht nur seine Siege, sondern die Art seiner Siege machen ihn zu einem der Größten aller Zeiten – vielleicht sogar zu dem Größten. Seine drei härtesten Konkurrenten – Benavidez, Ian McCall und John Dodson – besiegte er in den Rückkämpfen ziemlich deutlich. In einer Gewichtsklasse, der nachgesagt wird, sie würde nicht genügend Knockouts und Aufgabesiege produzieren, erzielte Johnson sieben seiner elf Titelverteidigungen vorzeitig und er erhielt für seine Leistungen als Weltmeister insgesamt sieben Boni.

Wir können auch mal die Leistungen der Kämpfer betrachten, NACHDEM er sie besiegte, um zu zeigen, wie gut Johnson wirklich sein muss. Benavidez, Henry Cejudo und erst kürzlich Moraga zeigten anschließend bärenstarke Leistungen. Hier geht es nicht um Wladimir Klitschko, der eine schwache Schwergewichtsklasse dominiert, sondern um einen besonderen MMA-Kämpfer, der seiner Zeit einen Schritt voraus ist.

Und dabei tritt Johnson stets als absoluter Gentleman und Vollprofi auf, was in der heutigen Zeit wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist. Er ist ein Vater und Ehemann, ein Sportler, der ins Gym geht, um sich zu verbessern und härter zu arbeiten als alles andere – und ein Mann, dessen einziges Laster seine Videospiele sind. Auch wenn er sich seines Platzes in diesem Sport durchaus bewusst ist, braucht er keine externe Motivation, um morgens aufzustehen.


Demetrious Johnson celebrates after his submission victory over Ray Borg in their UFC flyweight championship bout during the UFC 216 event inside T-Mobile Arena on October 7, 2017 in Las Vegas, Nevada. (Photo by Jeff Bottari/Zuffa LLC)„Ich motiviere mich selbst“, sagte er mir im vergangenen Dezember vor seinem Kampf gegen Tim Elliott. „Ich brauche keine Motivation von außen, ich brauche nichts, das mir Feuer unter dem Hintern macht. Ich trainiere gerne, ich liebe es, zu lernen und ich liebe es, zu kämpfen. Das ist mein Job, damit ernähre ich meine Familie.“

In der über 20 Jahre langen UFC-Geschichte gab es keinen Kämpfer, der seinen Job besser erledigte als Johnson. Das Erschreckende an der Sache: Johnson ist erst 31 Jahre alt und entwickelt sich noch immer weiter. Sein Geheimnis? Er betrachtet nichts als selbstverständlich.

„Ich bin Weltmeister, aber als solcher muss man bescheiden bleiben, denn ich weiß, dass ich meine nächsten Kämpfe verlieren könnte und dann würde alles anders laufen“, sagte er 2013. „Ich bleibe bescheiden, trainiere hart und ich mache mir immer klar, dass ich eines Tages wieder einen ganz normalen Job haben könnte. Aber ich mache mir auch klar, dass ich mir den Hintern aufreißen werde, damit ich meine Position behalten und meiner Familie ein Dach über dem Kopf bieten kann. Man muss bescheiden bleiben. Man sieht das bei Profisportlern immer wieder, sie verdienen so viel Geld und plötzlich sind sie pleite. Dazu will ich nicht gehören. Ich versuche daher, vernünftig zu leben, kein Geld zu verprassen, weiter zu trainieren und jeden Kampf nur als Kampf zu betrachten.“

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