Brian Stann tritt mit 32 zurück

Der frühere WEC-Titelträger im Halbschwergewicht und UFC-Top-Ten-Kämpfer im Mittelgewicht geht in den Ruhestand.
Brian StannSelten verlässt ein Kämpfer den Sport nach einem Sieg. So läuft das nun einmal. Von Joe Louis und Muhammad Ali zu Chuck Liddell und Fedor Emelianenko – der Kampfsport hat es so an sich, dass man auf völlig andere Weise in den Sonnenuntergang reitet als man seine Karriere begonnen hat.

Wenn man nach einer Niederlage in den Ruhestand geht, würde man auf die Weise auf Wiedersehen sagen wollen, wie es Brian Stann getan hat. Diesen Donnerstag gab er in Ariel Helwanis Sendung „The MMA Hour“ im Alter von 32 Jahren seinen Rücktritt bekannt. „Ich habe vom MMA-Sport mehr bekommen als ich ihm gegeben habe“, sagte er während der Sendung.

Im März kehrte der frühere WEC-Titelträger nach einem Ausflug ins Mittelgewicht wieder ins Halbschwergewicht zurück, um gegen die brasilianische Legende Wanderlei Silva zu kämpfen. In den nächsten neun Minuten und acht Sekunden lieferten sich die beiden in der Saitama Super Arena in Japan einen unglaublich spannenden und aufregenden Kampf. Sie taten das, was sie am besten konnten und warfen nur so mit Schwingern um sich. Als alles vorbei war, stand „The Axe Murderer“ Silva als Sieger da, aber Stanns Ansehen hatte keinen Schaden genommen. Tatsächlich hat es sich im Angesicht dieser Niederlage noch erhöht.

Kämpfe wie diese verheißen keine lange Karriere, es sei denn man heißt Wanderlei Silva. Eine vielversprechende Karriere als Kommentator bei FOX bereits gesichert, wo er über die UFC, den Boxsport und bald auch College Football berichtet, beschloss der verheiratete Familienvater (das dritte Kind kommt bald auf die Welt), sich dem nächsten Kapitel in seinem Leben zu widmen. Er macht dies mit einer Kampfbilanz von 12-6.

Dieser Schritt kommt für einen Mann wie Stann nicht überraschend, schließlich hatte sich seine Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, schon lange vor seinem MMA-Debüt im Jahr 2006 bezahlt gemacht. Stann, der im United States Marine Corps diente, ist für seine Heldenhaftigkeit im Gefecht ausgezeichnet worden. Im Zuge der „Operation Matador“ während des Irak-Kriegs erhielt er die Auszeichnung „Silver Star“ für besondere Tapferkeit in der Schlacht. Als die Einheit, die er kommandierte, in der Nähe von Karabilah überfallen wurde, stellte Stann sicher, dass alle seine 42 Männer den Angriff überlebten.

Selbst nachdem er aus dem Militärdienst ausgeschieden war, arbeitete er noch eng mit dem Militär zusammen. Er gründete die Organisation „Hire Heroes“, die Kriegsveteranen dabei hilft, ins Zivilleben zurückzufinden. Er war ein Kandidat für  dieselben posttraumatischen Störungen, an denen viele seiner Kameraden leiden, doch 2012 erzählte er mir vor seinem Kampf gegen Alessio Sakara, wegen welcher zwei Dinge er davor verschont geblieben ist.

„Der eine Grund war der Kampfsport“, sagte er. „Nach meiner Rückkehr hatte ich bereits einen Kampf anstehen: Ich sollte bei WEC gegen Steve Cantwell antreten. Ich hatte den Vertrag bereits im Irak unterschrieben. Sie schickten mir eine E-Mail und meinten ‚Hey, wir wollen, dass du bei uns kämpfst‘. Das war sechs Wochen zuvor. Als ich gegen Cantwell kämpfte, hatte ich noch Sand in den Ohren. Der Kampfsport ist eine großartige Therapie, und man geht nach dem Training nicht verärgert nach Hause, denn jeder kennt die positiven Dinge, die nach einer tollen Trainingseinheit im Körper ablaufen.“

„Der viel wichtigere Grund war aber, dass meine Ehefrau drei Wochen nach meiner Rückkehr aus dem Irak schwanger wurde. Als uns die Neuigkeit mitgeteilt wurde, dass wir Eltern werden, war das die größte Veränderung in meinem Leben. Ich wollte eigentlich nicht aus dem Marine Corps austreten, ich wollte im Marine Corps bleiben und vielleicht ein paar Kämpfe bestreiten, aber plötzlich wurde ich Vater und hatte keine Zeit mehr, mich selbst zu bemitleiden. Man hat keine Zeit mehr, wegen all dieser schlimmen Dinge wütend zu werden. Ich hatte eine Familie großzuziehen und ich rang mir selbst das Versprechen ab, diese schlimmen Dinge nie mit nach Hause zu bringen. Niemals. Meine Ehefrau weiß nicht viel darüber und sie musste nie ein Teil davon sein. Ich glaube wahrlich, dass das beständige Training und die Konzentration und die Berge, die ich im Kampfsport überwinden musste, eine große therapeutische Wirkung hatten. Kampfsport stärkt den Charakter, verbessert die Konzentrationsfähigkeit und vereint Körper, Geist und Seele. Das glaube ich wirklich. Und ich habe darauf bestanden, dass das Militär seine eigenen Kampfsportprogramme dazu verwendet, um posttraumatische Störungen zu bekämpfen, denn ich finde, dass der Kampfsport sehr zur Heilung beiträgt.“

Stann gewann diesen ersten Kampf gegen Cantwell im März 2007, er schlug seinen Gegner in 41 Sekunden KO. Drei Siege später war er der Halbschwergewichtstitelträger von WEC, nachdem er Doug Marshall im März 2008 in 95 Sekunden KO schlug. Fünf Monate danach verlor er den Titel im Rückkampf gegen Cantwell, aber da waren die Würfel bereits gefallen: Brian Stann war ein MMA-Kämpfer und einer der am meisten aufstrebenden Kampfsportler in den USA.

Der „All-American“, der schon vor seinem Militärdienst als Linebacker an der Naval Academy sportliche Erfolge feierte, hatte jedoch einen holprigen Start in der UFC, in der er Anfang 2009 debütierte. Er gewann zwei von vier Kämpfen. Siegen gegen Cantwell und Rodney Wallace stehen Niederlagen gegen Krzystof Soszynski und Phil Davis gegenüber.

Mit einem Wechsel ins Mittelgewicht leitete Stann eine Wende ein. Drei vorzeitige Siege über Mike Massenzio, Chris Leben und Jorge Santiago beförderten ihn in die Top Ten seiner Gewichtsklasse.

Es folgten vier weitere Kämpfe; die Bilanz daraus: 1-3. Aber abgesehen von der einseitigen Niederlage gegen Chael Sonnen im Oktober 2011 schlug sich Stann sehr passabel. Er knockte Alessio Sakara aus und musste sich Michael Bisping nur knapp nach Punkten geschlagen geben, ehe er sich im März dieses Jahres die epische Schlacht mit Silva lieferte. Außer dem Ende hatte dieser denkwürdige Kampf alles, was sich Stann von einem Kampf wünscht. Daher sollte er erhobenen Hauptes an seinen letzten Auftritt im Octagon zurückdenken.

Wenn dieser Kampf das letzte Bild ist, das uns von Brian Stann als professionellem Kampfsportler bleibt, ist es sicherlich ein ruhmreiches, und eines, auf das er stolz sein sollte.

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