Ortega verlässt Kanada nicht ohne Gürtel


Auf dem Papier ähnelt Brian Ortegas Weg zum Weltmeisterschaftskampf dem Weg der meisten Kampfsportler. Er wuchs in Sozialbauten in San Pedro, Kalifornien auf, geriet als Jugendlicher öfters mal in Schwierigkeiten, ehe er zum Kampfsport fand und ihn als Ventil nutzte. Durch Talent und harte Arbeit machte er sich einen Namen und ergriff sämtliche Gelegenheiten, die sich ihm boten. Nun trennt ihn nur noch der Champion Max Holloway vom Weltmeistertitel im Federgewicht.

So viel der 27 Jahre alte US-Amerikaner mit anderen Kampfsportlern auch gemeinsam hat, so sehr unterscheidet er sich auch von ihnen.

Im Herzen ist Ortega ein Kämpfer, aber er würde lieber über alles andere sprechen als über Kampfsport. Er beantwortet jede Frage, die man ihm stellt, aber wer auf der Suche nach enthusiastischen Statements ist, sollte ihn über seine Wohltätigkeitsarbeit und die Brian Ortega Foundation befragen.

Seht euch nur mal das Interview von Ortega mit Joe Rogan an, direkt nach dem größten Sieg seiner Karriere gegen Frankie Edgar. Nach einem kurzen Rückblick auf den Kampf nahm Ortega das Mikrofon an sich und erzählte von seiner Stiftung – er nutzte die Plattform, die er hatte, für etwas Wichtigeres als Werbung für sich selbst. Selbst jetzt, vor seinem Weltmeisterschaftskampf bei UFC 231 in Toronto, sagt er lieber Dinge wie: „Es gibt doch nichts Besseres, als den Gürtel in ein Krankenhaus mitzunehmen, die Kids flippen aus. So einen Gürtel zu haben, ist schon cool, wenn man Menschen helfen möchte.“

Ja, „T-City“ unterscheidet sich wirklich von den anderen Kampfsportlern. Aber im Octagon zählt auch für ihn nur der Kampf. Er ist eines der gefährlichsten Federgewichte in der UFC. Seine Bilanz spricht für sich selbst: 14 Siege, 0 Niederlagen, 10 vorzeitige Siege. Da er seine Fähigkeiten gerne auch in heiklen Situationen auf die Probe stellt, anstatt sich nur auf seine Stärken zu konzentrieren, verliefen manche seiner Kämpfe enger als erwartet – aber er gewann sie trotzdem. Als man ihm Anfang des Jahres einen Kampf gegen Ex-Champion Edgar anbot, mit weniger als einem Monat Vorbereitungszeit, war ihm klar, dass das seine große Chance war.

„Wir wussten, dass wir einen Titelkampf bekommen würden, wenn wir Frankie vorzeitig besiegen“, sagte Ortega, der 2017 zwei Aufgabesiege erzielte, über Renato Moicano und Cub Swanson. „Das Titelgeschehen verändert sich rasend schnell und wir wollten niemandem das Feld überlassen. Wir wollten ein riesiges Risiko eingehen. Mit drei Wochen Vorbereitungszeit wollten wir gegen Frankie kämpfen, eine Legende, die noch nie vorzeitig verloren hat. Warum denn nicht? Sobald man im Octagon steht, gibt es nur zwei mögliche Ergebnisse, Sieg oder Niederlage.“

Ortega tat, was er immer tut – er siegte – und bekam seine Titelchance, auf die er seit dem 27. Mai 2006 gewartet hat. Damals sah er die UFC im Staples Center in Los Angeles zum ersten Mal live. Im Hauptkampf kehrte Royce Gracie zurück, um gegen Matt Hughes zu kämpfen. Der 16 Jahre alte Ortega war mit anderen Mitgliedern der Gracie Academy in einer Suite. Je länger die Veranstaltung dauerte, umso sicherer war er sich, dass er eines Tages selbst im Octagon stehen würde.

„An diesem Abend wurde mir klar, dass ich genau das machen wollte“, sagte er. „Wenn ich erwachsen bin, werde ich dort kämpfen. Und nun kämpfe ich nicht nur in der UFC, ich kämpfe um den Weltmeistertitel.“

In den Jahren nach der Veranstaltung musste Ortega lange und hart arbeiten und sich seine Sporen mühsam verdienen. Mittlerweile kennt man ihn in Kampfsportkreisen überall und seine Popularität wird sicher noch größer, wenn er mit einem Weltmeistergürtel nach Hause kommt.

So oder so wird er jedoch immer nach Hause kommen.

„Man darf niemals seine Wurzeln vergessen“, sagte Ortega. „Mein Papa hat Mexiko gemeinsam mit meiner Mama verlassen. Die hatten nichts, sie lebten in Sozialbauten. Dort wuchs ich dann auf, aber ich erlebte dort einige der schönsten Momente meines Lebens. Als Kind bekommt man noch nicht so viel mit. Erst später wurde mir klar, wie schwierig unsere Situation war. Als Kind wusste ich es eben nicht besser.“

Jetzt weiß er es besser und will anderen Menschen die Chance geben, die er bekam, als er im Alter von 13 Jahren mit dem Training in der Gracie Academy begann.

„Es ist alles gut gegangen“, sagte Ortega. „Wir haben trainiert und gekämpft und all das getan, was wir uns vorgenommen hatten. Meine Trainer Rener Gracie und James Luhrsen meinten: ‚Du wirst der Armut entkommen und erfolgreich sein und anderen Menschen helfen.‘ Und genau das machen wir jetzt.“

Ortega ist aber noch lange nicht an seinem Ziel angekommen. Samstagnacht muss er seine Fähigkeiten gegen das beste Federgewicht der Welt auf die Probe stellen, das zuletzt zwölfmal in Folge gewonnen hat. Ortega weiß, dass er es schwer haben wird.

„Max Holloway ist der Weltmeister und einer der besten Kämpfer überhaupt“, sagte er. „Er hat zwölf Kämpfe hintereinander gewonnen, er kam ebenfalls sehr jung in die UFC, wurde von all diesen Monstern herausgefordert und hat sich gut geschlagen. Er verdient seinen Platz an der Spitze. Ich habe immer gesagt, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis wir uns im Octagon treffen. Ich erwarte eine Schlacht. Das wird eine Schlacht, anders geht es gar nicht. Ein Mann will seinen Gürtel behalten und ein anderer Mann will ihm den wegnehmen.“

Und wie geht der Kampf dann aus?

„Ich werde Toronto nicht ohne diesen Gürtel verlassen.“

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