Whittaker will nicht der Champion, sondern der Beste sein

Ein bisschen wahnhaft zu sein, schadet einem Kämpfer normalerweise nicht.

Fragt einfach mal Robert Whittaker, den Weltmeister im Mittelgewicht, der Samstagnacht im Hauptkampf von UFC 225 in Chicago auf Yoel Romero trifft.

Im normalen Leben betrachtet er seinen Vater als Vorbild, aber in seinem Sport gibt es niemanden, zu dem er aufblickt. Zumindest niemanden, der tatsächlich existiert.

„Als Heranwachsender hat mich mein Vater definitiv stark inspiriert – ich denke, er diente meinem Bruder und mir als großartiges Vorbild, denn er hat viele Charaktereigenschaften und Wertvorstellungen, die ich mir selbst zu Herzen genommen habe“, sagte Whittaker. „Ich denke, er hat aus mir einen guten Mann gemacht. Aber aus sportlicher Sicht habe ich keine Vorbilder, ich war nie ein großer Sportfan. Ich lebe so ein bisschen in einer Fantasiewelt. Ich liebe meine Fantasy- und Science-Fiction-Bücher, ich liebe Anime, ich liebe ‚Der Herr der Ringe‘. Solche Vorbilder mag ich – Dinge, die ich nicht erreichen kann, aber die mich inspirieren, mein Bestes zu geben. Manche Menschen würden mich vielleicht ein bisschen wahnhaft nennen.“

Seit seiner Zeit als Teilnehmer und später Sieger von „The Ultimate Fighter: Australia vs. UK – The Smashes“ hat sich Whittaker nie zurückgehalten, wenn es darum ging, über seine großen Ziele zu sprechen. Schon vor seinem ersten Kampf bei der Reality-Show kündigte er an, Geschichte schreiben zu wollen.

Dieses Selbstvertrauen half ihm, stärker als je zurückzukehren, nachdem er zwischen August 2013 und Februar 2014 zwei Kämpfe in Folge verloren hatte.

Seitdem gewann er achtmal hintereinander und schloss die Lücke zwischen der Realität und seinen Fantasiewelten.

Samstagnacht bestreitet er einen Rückkampf gegen den Mann, der einem Superhelden am nächsten kommt.

Whittaker hätte seinen Weltmeistertitel ursprünglich im Februar bei UFC 221 zuhause in Australien gegen Luke Rockhold verteidigen sollen, musste aber absagen, da er gleichzeitig an einer Staphylokokken-Infektion und an Windpocken litt. Romero ersetzte ihn kurzfristig und bezwang Rockhold in der dritten Runde durch technischen Knockout. Obwohl der gebürtige Kubaner das Gewichtslimit verpasst hatte, bekam er eine Titelchance gegen Whittaker.

Im Juli 2017 hatte Whittaker bei UFC 213 einen Interimstitelkampf gegen Romero einstimmig nach Punkten gewonnen. Nachdem Georges St-Pierre, zwischenzeitlich Weltmeister, den Gürtel aus gesundheitlichen Gründen abgelegt hatte, wurde Whittaker neuer unangefochtener Weltmeister. Aus seiner ersten Titelverteidigung wird bei UFC 225 allerdings wieder nichts, denn Romero verpasste erneut das Gewichtslimit. Whittaker stört das nicht, denn seine Ziele haben ohnehin nichts mit dem Gürtel zu tun.

„Ich hatte nie das Ziel, Weltmeister zu sein, sondern der Beste der Welt zu sein – wenn ich dafür Medaillen und Trophäen und Titel bekomme, nehme ich das natürlich gerne mit“, sagte Whittaker. „Aber mein Ziel ist es weiterhin, der beste Kämpfer zu werden, den die Welt je gesehen hat. Dieses Ziel motiviert mich mehr als alles andere.“

Seine sportlichen Ziele hat er hoch gesteckt, aber außerhalb des Octagons ist Whittaker deutlich bescheidener als andere 27 Jahre alte Profisportler.

Der Australier ist bereits verheiratet und hat drei Kinder, die jünger als drei Jahre alt sind. Kürzlich hat er seinen jüngeren Bruder, seine jüngere Schwester und seine Schwiegereltern bei sich zuhause aufgenommen.

So wie er die Erfahrung seines Trainerstabs nutzt, um der bestmögliche Kämpfer zu werden, baut er auf die Unterstützung seiner Familie, um aus ihm nicht nur einen guten Menschen, sondern auch einen guten Vater zu machen.

„Ich mag es, wenn die ganze Familie zusammen ist und mich an ihrer Weisheit und Erfahrung teilhaben lässt – das ist das Wichtigste“, sagte Whittaker. „Ich sehe, wie sich meine Kinder freuen, wenn ihre Großeltern da sind und wie ihre Großeltern sie unterstützen und das ist wirklich unbezahlbar.“

Sein stabiles Familienleben ist ein weiterer Baustein seines Erfolgs. Wenn seine Präsenz in den sozialen Medien ein Anhaltspunkt ist, dann scheint in seinem Leben kein Platz für Exzesse. Für ihn zählt nur das Training, seine Familie und hin und wieder eine Zockersession.

Zwar arbeitet er darauf hin, zum Kampfabend in absoluter Topform zu sein, aber eine Off-Season gibt es für ihn nicht. Diese Disziplin ermöglicht es Whittaker nach einer fast einjährigen Pause, unbeschwert zurückzukehren.

Und wie immer arbeitet er nicht an spezifischen Techniken und Strategien, um Romero zu besiegen. Er ist der Auffassung, dass sich seine Gegner auf sein Können einstellen müssen – und nicht umgekehrt. Eine genau auf den Gegner abgestimmte Vorbereitung betrachtet Whittaker als Schwäche.

„Ich ziehe mein Ding durch und verbessere meine Fähigkeiten in allen Bereichen, sodass ich im Rückkampf gegen Romero einfach insgesamt ein besserer Kämpfer bin“, sagte Whittaker. „Beim ersten Mal habe ich ihm ja schon gut zugesetzt.“

Allerdings hat Romero ihm ebenfalls gut zugesetzt, das streitet Whittaker nicht einmal ab. In der Anfangsphase der ersten Runde verletzte Romero ihn mit einem Kick am linken Knie.

Whittaker verlor die ersten beiden Runden, biss sich aber durch und gewann trotz großer Schmerzen die letzten drei Runden, indem er Romeros Takedowns abwehrte und ihn mit Schlägen, Tritten und Kniestößen attackierte.

„In der zweiten Runde lag ich auf dem Rücken und fragte mich, wie ich das durchstehen könnte, wie ich den Kampf mit einem kaputten Knie gewinnen könnte“, sagte Whittaker. „Ich hatte einen Tiefpunkt erreicht. In dem Moment gibt man entweder auf oder man steht auf und gibt noch einmal alles. Ich gebe definitiv nicht auf.“

Wenn Whittaker über Romero spricht, wird klar, dass ihr erster Kampf bei ihm Spuren hinterlassen hat.

„Der erste Kampf war eine Schlacht“, sagte Whittaker. „Genau das habe ich vorhergesagt. Er überraschte mich mit seiner Explosivität. Ich wusste, dass er explosiv ist, aber es ist noch mal etwas anderes, wenn man es hautnah erlebt. Ich kann gar nicht erklären, wie es war, 25 Minuten lang mit Yoel Romero im Octagon zu stehen. Es war ein langer, harter, ermüdender Kampf. 25 Minuten sind eine lange Zeit. Aber ich freue mich darauf, das noch einmal zu tun.“

Während Romero mit zunehmender Kampfdauer immer mehr abbaute, wurde Whittaker immer stärker. Allerdings glaubt er nicht, dass Romero Konditionsprobleme hat.

„Viele Menschen unterschätzen seine Ausdauer, dabei hat er die meisten seiner Siege in der dritten Runde erzielt“, sagte Whittaker. „Ich glaube nicht, dass er Konditionsprobleme hat. Ich glaube, nach einer Weile agiert er nur noch mit normaler menschlicher Geschwindigkeit. Denn wenn er frisch und explosiv ist, ist er unmenschlich.“

Den letzten Sieg in der dritten Runde fuhr Romero gegen Rockhold ein, nachdem er ihn mit einer krachenden Linken niedergeschlagen hatte. Whittaker hat daher keinen Zweifel daran, dass Romero eine weitere Titelchance verdient hat.

„Ich denke, Romero hat allen bewiesen, dass es in dieser Gewichtsklasse niemanden gibt, der eine Titelchance mehr verdient hat als er“, sagte Whittaker. „Er kämpfte kurzfristig gegen Rockhold und besiegte ihn dominant. Davor hat er jeden anderen besiegt.“

Diese Titelchance hat sich Romero am Freitag jedoch selbst verbaut. Whittaker nahm den Kampf an, obwohl sein Gegner das Gewichtslimit verpasst hat. Er hat ihn bereits nach Punkten besiegt und bei UFC 225 will er nun eins draufsetzen und Romero vorzeitig besiegen.

„Ich habe 25 Minuten Zeit, um ihn vorzeitig zu schlagen – und genau das werde ich tun“, sagte Whittaker.

Das Hauptprogramm von UFC 225 in Chicago läuft in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni live auf ran FIGHTING, das Vorprogramm auf UFC FIGHT PASS.

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